Chronik | Niederösterreich
12.09.2018

Müller-Aus: "Angriff auf die Innenstadt"

Brisante Details über die gescheiterten Verhandlungen zur Rettung der Drogeriekette in Wiener Neustadt.

Der Schulterschluss aller politischen Parteien in Wiener Neustadt demonstrierte die Brisanz des Themas. In einer eiligst einberufenen Pressekonferenz informierte Bürgermeister Klaus Schneeberger Mittwochfrüh über die gescheiterten Verhandlungen zur Rettung der Drogeriekette Müller und ihren 70 Arbeitsplätzen in der Wiener Neustädter Innenstadt. „Der unglaubliche Knebelvertrag eines deutschen Investmentfonds hat eine Lösung zunichte gemacht. Wir sind über die Vorgangsweise fassungslos. Hier wird versucht die Innenstädte auszubluten“, findet Schneeberger drastische Worte.


Die Drogeriekette Müller betreibt neben dem Innenstadt-Standort auch eine Filiale im neu renovierten Shoppingcenter Merkur City. Weil auch dieser Standort nicht nach Wunsch läuft, hat Müller um eine Mietreduktion beim deutschen Eigentümer der Merkur City angesucht und diesen auch genehmigt bekommen. Allerdings mit der vertraglich geregelten Auflage, bis Ende des Jahres 2018 die Filiale in der Innenstadt dafür dicht zu machen. Schneeberger hat sich in den vergangenen Tagen bei den Verantwortlichen des 22 Milliarden Euro schweren Investmentfonds um die Auflösung dieses „höchst bedenklichen„ Sideletters stark gemacht – allerdings ohne Erfolg.


Bei einer Lösung wäre Müller bereit gewesen den Innenstadt-Standort weiter zu betreiben. Soweit kam es nun nicht. Für die Stadtregierung liegt die Vermutung nahe, dass auch andere Geschäfte dazu gedrängt wurden, ihre Innenstadt-Standorte zugunsten der Shoppingcenter stillzulegen. „Die öffentliche Hand investiert Millionen in die Attraktivierung der Innenstädte und dann passieren solche Machenschaften“, sagt der Stadtchef.


Die Stadt Wiener Neustadt schaltet nun den Städtebund und die  Bundeswettbewerbsbehörde ein. Die „Knebelverträge“ sollen außerdem rechtlich geprüft werden. „Dieses Thema betrifft nicht nur Wiener Neustadt sondern alle Innenstädte Österreichs“, so Schneeberger.