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Chronik Niederösterreich
04/14/2019

Mostbarone: Die Hüter der Mostkultur

Manfred Zeilinger ist der neue Primus der Mostbarone. Die Arbeit am Hof nimmt ihm trotzdem niemand ab.

von Wolfgang Atzenhofer

„Viele haben spöttisch gelacht. Damals war der Most nix wert.“ Der 1. Mai 1990 ist in der Familie von Manfred Zeilinger am Pollenberg bei Euratsfeld im Mostviertel ein unvergesslicher Tag. Damals wurde von seinen Eltern Johann und Marieloise in einer adaptierten Stube mit vier, fünf Tischen erstmals zum Heurigenbesuch geladen. Zeilingers Eltern gehörten zu den mutigen Pionieren der Renaissance der Mostkultur.

Heute ist der Mostheurige im mächtigen Vierkanter am Pollenberg mit den gemütlichen Gaststuben für 150 Gäste eine Institution. Der Gastgarten mitten unter mächtigen Birnbäumen mit herrlicher Fernsicht ist unvergleichlich. Und heuer steht der Familienbetrieb von Manfred und Veronika Zeilinger besonders im Fokus der Mostkultur. In einem feierlichen Akt wurde der 44-jährige Hausherr in der vergangenen Woche nämlich zum Primus der Mostbarone angelobt. Landesvize Stephan Pernkopf reiste extra an, um als Patron der Tafelrunde der Mostbarone dem diesjährigen Anführer das Gelöbnis abzunehmen.

„Eine Ehre, aber auch eine große Aufgabe“, sieht sich der neue Primus gefordert. Die Baronsrunde wurde 2003 gegründet. Zeilinger gehörte mit zu den Gründern der Schar von mittlerweile 21 ausgewählten Produzenten und Gastronomen. Sie haben sich strengen Qualitätsregeln und einem eifrigen Einsatz für die Mosttradition verschrieben.

Markenzeichen

Die Barone mit den markanten Hüten sind zur Marke geworden. „Es hat sich sowohl auf der Marketingschiene, als auch auf der Produktseite viel getan“, beschreibt Zeilinger. Tourismuspreise und österreichweite Anerkennung belegen das. Und auch die Leaderregion Moststraße und die einzigartigen Streuobstwiesen mit den hunderttausenden mächtigen Birnbäumen rückten damit wieder mehr in den Fokus der Ausflügler und Urlauber.

Vor allem die Aufwertung des Mostes als edles Genussgetränk ist den Baronen ein Anliegen. „Das ist, glaube ich, auch gut gelungen. Unsere Gourmetmoste können mit guten Weinen jederzeit mithalten“, ist der Primus überzeugt. Preise bis zu 8,90 Euro für eine Flasche des Topmosts seien daher gerechtfertigt, ist Zeilinger überzeugt. Die Nachfrage in der Spitzengastronomie und im Feinkosthandel würde das bestätigen.

Kontrolle

Staatliche Gütesiegel mit Prüfnummern dokumentieren auch bei den hauseigenen Baronsmosten nachvollziehbare Produktionslinien. Innovation und Produktentwicklung werden in der Tafelrunde groß geschrieben.Vor allem die mittlerweile nachrückenden Jungbarone keltern und brennen moderne Cider-Sorten, Gin oder Whisky.

Zeilinger produziert für seinen Betrieb zehn Edelbrände. 160 Birnen- und Apfelbäume, aber auch Zwetschke, Kriecherl oder Marille finden sich in seinen Gärten. Die eigenen Schweine und Stiere im Stall liefern das Fleisch für die Heurigenjausen. „Alles, was wir servieren, produzieren wir selber“, erzählt er stolz. Das bedeutet aber auch viel Arbeit. Der Adelstitel Primus hilft dabei wenig.

Sorgen

In seiner einjährigen Primus-Regentschaft will sich Zeilinger für die Einigkeit und das Miteinander in der Tafelrunde einsetzen. Und vor allem für die Rettung der Obstbaumkulturen. „Wenn die Politik nicht hilft, gibt es die Streuobstwiesen bald nicht mehr“, hatte der Euratsfelder Bürgermeister Johann Weingartner, ÖVP, bei der Primus-Angelobung gewarnt. „Klimawandel, Trockenheit und sehr niedrige Obstpreise bei so großen Ernten wie im Vorjahr sind große Probleme. Förderungen für Streuobstwiesen würden diesen Druck extrem entschärfen“, unterstreicht Zeilinger diese Warnung.

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