Die Schlagzeile von 2009

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Chronik Niederösterreich
02/12/2019

Mordverdächtige als „nicht gefährlich“ aus Haft entlassen

Nach brutalem Raubüberfall nur halbe Strafe abgesessen. Nun soll sie eine Bekannte erschlagen haben.

von Patrick Wammerl, Jürgen Zahrl

Als einen der „brutalsten Raubüberfälle einer kaltblütigen Frau“ bezeichneten die Ermittler die Messerattacke, bei der am 26. Februar 2009 eine 34-jährige Postamtsleiterin in Klosterneuburg-Kierling nur knapp dem Tod entronnen ist. Die damals zweifache Mutter Tamara B. hatte der Mitarbeiterin bei dem Überfall ein Messer in den Oberkörper gerammt. Sie überlebte nur knapp.

Obwohl die Geschworenen sie dafür zu zwölf Jahren unbedingter Haft verurteilten, musste die Räuberin nur sechs davon absitzen. Ein fataler Fehler? Die Vorzeige-Haftinsassin, die als bestens resozialisiert galt, soll Ende Jänner in Ebergassing im Bezirk Bruck/Leitha die 64-jährige Pensionistin Hedwig Sch. in ihrer Wohnung erschlagen haben.

Falls die Vorwürfe stimmen, sind alle Experten mit ihren Einschätzungen falsch gelegen. Sie hielten Tamara B. nach jahrelanger Beobachtung für „nicht gefährlich“. Die 43-Jährige habe sich im Frauengefängnis Schwarzau nie etwas zu Schulden kommen lassen. Sie hatte sich in einen Mitinsassen verliebt, diesen in Haft geheiratet und sich später wieder getrennt. Zum Halbzeit-Stichtag ihrer Strafe im Jänner 2014 wurde ihr Antrag auf eine bedingte Entlassung vom Landesgericht Wiener Neustadt zunächst abgewiesen, acht Monate später allerdings am 28. Juli 2015 doch bewilligt. „Es gab besondere Auflagen. Eine Probezeit von fünf Jahren und Bewährungshilfe“, erklärt Gerichtssprecher Hans Barwitzius.

Eineinhalb Jahre lang wurde Tamara B. vom Bewährungshilfe-Verein „Neustart“ betreut. Im März 2017 erachtete Neustart die Bewährungshilfe wegen des „positiven Betreuungsverlaufs“ für nicht mehr notwendig. „Die Weisung des Gerichts wurde daher aufgehoben“, so Barwitzius.

Tresor verschwunden

Kurz darauf bekam die 43-Jährige ihr drittes Kind. Der Vater des kleinen Mädchens und Lebensgefährte von Tamara B. kannte das Mordopfer bereits mehr als 30 Jahre. Er hatte sich um die Pensionistin gekümmert.

Nachdem die Mordverdächtige zunächst leugnete, in der Wohnung des Opfers gewesen zu sein, revidierte sie diese Aussage später. Die Ermittler hatten ihre DNA-Spuren bei der Leiche gefunden. „Sie war immer wieder bei der Frau zu Besuch. Mit der Tat hat sie aber nichts zu tun“, sagt Anwalt Wolfgang Blaschitz. Aus der Wohnung fehlt ein Tresor. Das darin befindliche Geld könnte das Motiv für die Bluttat gewesen sein.