Pfarr-Jubiläen unter verschiedenen Vorzeichen

Drei Personen stehen vor dem Eingang einer Kirche, zwei davon tragen schwarze Talare mit bunten Stolen.
Die evangelische Kirche feiert heuer ihr 150-jähriges Bestehen – in Herz Jesu bangt man zum 100. Geburtstag um die Kirche.

Das Jahr 2025 stand in Mödling im Zeichen des Jubiläums „150 Jahre Stadterhebung“. Zahlreiche Veranstaltungen waren von der Stadtgemeinde und von den Vereinen in Mödling dazu organisiert worden. Ebenso alt wurde in diesem Jahr die evangelische Kirche. Auch sie beging ihr 150-jähriges Bestandsjubiläum.

Am ersten Adventsonntag des Jahres 1875 war das Gebäude in der Scheffergasse eingeweiht worden. Den Bau einer Kirche samt angeschlossenem Pfarrhaus hatte der Verein evangelischer Glaubensgenossen am 14. Juni 1874 beschlossen, schon einen Tag später wurde der Grundstein gelegt. Mödling gehörte damals zur Wiener Pfarrgemeinde A.B.

Architekt Eugen Sehnal, Schüler des bekannten Architekten Heinrich von Ferstel, wurde mit der Bauausführung betraut. Er sollte später auch markante Gebäude in Mödling wie den Posthof, das Waisenhaus und die Waisenhauskirche errichten. Ihm zur Seite wurde der evangelische Baumeister Djurre Duursma gestellt. Und schon nach eineinhalb Jahren war das Gotteshaus vollendet, man konnte das Kirchweihfest begehen. Am selben Tag wurde auch Pfarrer Johann Waldemar Heck feierlich in sein Amt eingeführt.

Die Fassade im Stil italienischer Frührenaissance ist teilweise mit Sgraffito-Ornamenten verziert. Eine Freitreppe führt in das zwei Meter über Straßenniveau liegende Kircheninnere. Dessen Gestaltung entspricht dem Wiener Historismus der Ringstraßenzeit.

Zum Festgottesdienst anlässlich des 150-jährigen Bestehens konnten nun Pfarrer Markus Lintner, Pfarrerin Anne Tikkanen-Lippl und das Presbyterium auch Bürgermeisterin Silvia Drechsler, ihre Amtskollegen Herbert Janschka (Wiener Neudorf), Anton Jenzer (Gaaden) und Andreas Linhart (Brunn) begrüßen. In ihrer Dialogpredigt erinnerten Lintner und Tikkanen-Lippl an die Anfänge der evangelischen Gemeinde, sprachen vom „Mut und der Aufbruchsstimmung der Gründerzeiten.“ Sie betonten die Aktualität des Glaubens, der gerade derzeit wichtig sei: „Denn solange es Kirche gibt, hat sie den Auftrag, sich für Menschen einzusetzen – ohne Ausgrenzung.“

Lintner freut sich über eine lebendige Gemeinde: „Der Gottesdienstbesuch ist nach Corona wieder im Aufwind, das entwickelt sich gut, auch im Bereich der Jugend.“ Die Zahl der Mitglieder sei allerdings leicht rückläufig. Besonders dankbar ist der Pfarrer für rund 150 ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich in Mödling engagieren: „Sie bekommen bei uns viel Freiraum und Eigenverantwortung. Ohne sie hätte das Jubiläum nicht so toll organisiert werden können und das Gemeindeleben wäre nicht so bunt gestaltet.“

Kampf um „Herz Jesu“

Auch die römisch-katholische Pfarre Herz-Jesu in Mödling beging 2025 übrigens ein rundes Jubiläum – ihren 100. Geburtstag. Hier waren die Feierlichkeiten allerdings von der Sorge um den Fortbestand der Kirche im Stadtteil Schöffelstadt überschattet. Seitens der Erzdiözese Wien wurde die Auflassung des Gotteshauses bereits im Jahr 2023 verlautbart. Ein Verkauf steht im Raum.

Im Gegenzug soll der Theresiensaal auf dem Grundstück für Messen und Veranstaltungen adaptiert werden. In der Pfarre will man sich mit dieser Entscheidung aber noch nicht abfinden. Rund um das Ehepaar Elisabeth und Klaus Pollheimer hat sich eine Initiative für den Erhalt der Kirche gebildet. Diese konnte nun rechtzeitig zum Weihnachtsfest eine frohe Botschaft verkünden: „Wesentlich ist, dass nach den vorliegenden Informationen die Herz-Jesu-Kirche entgegen Gerüchten nicht mit Jänner 2026 geschlossen wird.“

Fest steht bereits, dass Herz Jesu mit der Mödlinger Stadtpfarre St. Othmar und Wiener Neudorf zum Pfarrverband „Am Mödlingbach“ zusammengefasst werden soll. Doch auch hier sei der schon für 1. Jänner 2026 festgesetzte Termin für den Start der neuen Großpfarre verschoben worden, so Klaus Pollheimer.

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