Chronik | Niederösterreich
04.05.2018

Minderjährige von Pfarrer geschwängert

Niederösterreich: Junge Frau lebte in Hollabrunner Nonnen-Heim, als sie Zwillinge erwartete.

Das Leben meinte es nicht gut mit Clara D. (Name geändert, Anm.). Sexueller Missbrauch begleitete sie vom Kindesalter an. Mit 13 Jahren kam das Mädchen schließlich in das Jugendheim Hollabrunn, NÖ, – damals eine Einrichtung für schwer erziehbare Mädchen, die von Nonnen geführt wurde. „Bei den Schwestern habe ich mich zum ersten Mal sicher gefühlt“, schildert Clara D.; bis der neue Kaplan vorgestellt wurde.

Bei der ersten Beichte, so sagt die heute 41-jährige Frau, habe er gesagt: „Deine Sünden werden dir nicht vergeben. Vorher musst du mir noch einen blasen.“ Danach habe er das Mädchen regelmäßig sexuell missbraucht. „Er wartete mit seinem Auto beim Friedhof auf mich. Er hat gesagt: Wenn ich es jemandem sage, bringt er mich um.“ Sie wandte sich jetzt erst mit neuen Vorwürfen an die Klasnic-Kommission, eine kirchliche Opferschutzeinrichtung.

Als Clara 17 Jahre alt war, wurde sie schwanger – mit Zwillingsmädchen. Vater: Der Priester. Das steht sogar auf der Geburtsurkunde der Mädchen.

Doch die Babys wären fast nicht auf die Welt gekommen, schildert Clara. Eine Nonne habe sie so lange geschlagen, „bis die Fruchtblase platzte. Sie wollten, dass ich eine Totgeburt erleide.“ Es kam zu einer Frühgeburt. Wenig später habe sie die Mädchen zur Adoption frei geben müssen, sagt Clara.

Ein „Verhältnis“ zwischen der jungen Frau und dem Kaplan ist der Erzdiözese Wien bekannt. „Die Frau hat damals angegeben, dass es sich um eine freiwillige Beziehung gehandelt hat“, sagt Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien. „Heute sehen wir eine derartige Beziehung mit Minderjährigen natürlich auch kritischer.“ Das bekräftigt auch Kardinal Christoph Schönborn: „Heute würden wir in so einem Fall rigoroser vorgehen.“

Die Konsequenz für den Geistlichen damals: Er wurde in eine andere Pfarre in NÖ versetzt. Aktuell ist er in einer Wiener Pfarre eingesetzt.

Eizellen-Entnahme?

Die Frau schildert auch einen weiteren höchst brisanten Vorwurf: Bei monatlichen gynäkologischen Untersuchungen seien ihr Eizellen entnommen worden. „Auch andere Frauen wollen Kinder“, habe man ihr gesagt. Deshalb hätten die Mädchen täglich Hormone in Pillenform einnehmen müssen. Das bestreitet der Sprecher der Diözese vehement. „Derartige Vorwürfe haben wir noch nie gehört.“

Sepp Rothwangl, Obmann der „Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt“ zeigt sich empört. „Laufend kommen Schandtaten des Klerus ans Licht. Staat, Behörden sowie Justiz schauen zu und helfen beim Vertuschen.“

Die Diözese will mit der betroffenen Frau in Kontakt treten. Auch der Geistliche wird zum Gespräch geladen.

Reaktion

Die Erzdiözese Wien hat die schweren Vorwürfe der "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" klar zurückgewiesen. Der betroffene Priester sei erst im April 1994 in die Erzdiözese Wien gekommen und könne erst danach im betroffenen Landesschulheim Dienst getan haben. Dies sei knapp vor dem 17. Geburtstag der Betroffenen gewesen, strafbare Handlungen hätten daher "zweifelsfrei nicht stattgefunden".

Es gehe nicht darum, "die jedenfalls problematische Beziehung eines Priesters zu einer 17-Jährigen zu bagatellisieren, aber der suggerierte und nach österreichischem Recht strafbare Kindesmissbrauch durch den Priester hat zweifelsfrei nicht stattgefunden", heißt es in einer Stellungnahme der Erzdiözese gegenüber der APA. Aufgrund der Zeitabfolge sei es "nachweislich falsch", dass es bald nach dem Eintreffen des Mädchens im Jahr 1990 zu sexuellen Aggressionen durch den Priester gekommen sei - wie es die Plattform in ihrer Aussendung suggeriert habe, so die Erzdiözese.

Der Pressesprecher der Erzdiözese verweist in seiner Stellungnahme auch darauf, dass weder Jugendamt noch Bezirkshauptmannschaft eine Anzeige erstattet haben, "obwohl sie über alles informiert waren". Auch das zeige, dass kein Verdacht auf eine strafbare Handlung vorgelegen habe.

Falsch sei unter anderem auch die Behauptung, dass Kardinal Christoph Schönborn der jungen Mutter nicht geholfen habe. Vielmehr habe er erwirkt, "dass der Priester seine Kinder anerkennt und seinen Unterhaltspflichten nachkommt, was für die junge Mutter sehr wichtig war".