Genossenschaftsobmann der Berglandmilch Mostviertel, Johann Schoder aus Aschbach

© KURIER/Wolfgang Atzenhofer

Landwirtschaft
06/13/2016

Milchbauern kämpfen ums Überleben

Forderungen und Marketing – Agrarpolitiker rühren vor dem Milchgipfel die Werbetrommel.

von Wolfgang Atzenhofer

"Blockaden der Supermarkt-Lager helfen uns nicht weiter. Unsere einzige Chance ist der Konsument."

Im Kampf gegen desaströse Preise für Milch- und Schweinebauern habe man Ideen für radikale Aktionen gegen Schleuderpreise in den Geschäftsvitrinen "rasch wieder verworfen", versichert der Milchbauer und Kammerfunktionär Johann Aigner aus dem niederösterreichischen Mostviertel.

In ihrer Not setzen die Bauernorganisationen große Hoffnungen in den bundesweit aufgezogenen Milchgipfel mit Agrarminister Andrä Rupprechter (ÖVP) am 14. Juni. Zudem sind vielfältige Initiativen geplant, um den Konsumenten die Dramatik der Lage bewusst zu machen.

Mit den 27 Cent, die Milchbauern derzeit im Schnitt für einen Liter konventionelle Milch bekommen, "kann man nur den Betrieb aufrecht halten, aber Investitionen sind unmöglich", schildert Aigner. Die Lage sei für viele Bauernfamilien im Rinder- und Schweinesektor existenzgefährdend. Stephan Pernkopf, ÖVP-Landesrat im größten Agrarland Niederösterreich: "Wenn weiter Betriebe sterben, geht die Versorgungssicherheit für Österreich verloren".

Entlastung gefordert

Die Frage der Wettbewerbsfähigkeit der Bauern betreffe längst nicht nur den Berufsstand, sondern das ganze Land. Pernkopf hat Forderungen an den Milchgipfel. Unter anderem jene, die bäuerlichen Betriebe aufgrund der Notsituation für ein Quartal von den Sozialversicherungsbeiträgen zu entlasten. Bundesweit würde das 170 Millionen Euro kosten; für einen durchschnittlichen Milchbetrieb mit 15 bis 25 Kühen brächte das eine Kostenersparnis von 1500 bis 2000 Euro.

Weil Österreichs Landwirte den dritthöchsten Brutto-Dieselpreis unter den 28 EU-Ländern zahlen müssen, fordert Pernkopf auch hier eine steuerlichen Erleichterung. Zum Vergleich: Französische Bauern können ihre Traktoren um 45 Prozent billiger betreiben als österreichische. Beeindruckt zeigt sich Pernkopf von internationalen Beispielen, wo es zum Schulterschluss zwischen Handel, Konsumenten und Bauern gekommen ist. In Schweden zahlen zwei Drittel der Konsumenten an der Supermarktkassa freiwillig einen kleinen Aufschlag pro Milchpackerl – aus Solidarität zum Bauernstand.

Auch die heimischen Landwirte werden nicht müde, die Konsumenten von der Qualität ihrer Produkte zu überzeugen. "Wir entwickeln ständig neue Produkte, die dem Zeitgeist entsprechen um den Konsum anzukurbeln", schildert der Mostviertler-Obmann der Berglandmilch-Genossenschaft, Johann Schoder. 1,25 Milliarden Liter Milch von 12.000 Bauern werden jährlich zu Produkten veredelt.

Trendige Produkte

Aus der Region Aschbach bei Amstetten, wo sich Österreichs größte Molkerei befindet, kommt auch die neue nö. Milchkönigin Elisabeth Hamberger: "Milchbauern sind Qualitätsproduzenten. Die Molkereiprodukte sind jung, vielfältig und trendig", rührt die Marketing-Studentin die Werbetrommel.

Zusätzlich hat die nö. Bauernkammer die "Woche der Landwirtschaft" ausgerufen und bewirbt die Aktion "Unser Essen – Wo’s herkommt": Gut 200 Gastwirte bekunden mit dem AMA-Gastro-Gütesiegel, dass sie bevorzugt Produkte heimischer Bauern verkochen. "Wir sitzen im selben Boot wie die Bauern. Wer Speisen handwerklich herstellt, braucht dafür regionale Qualität", sagt Gafringwirt Johann Hochholzer aus Euratsfeld bei Amstetten. Ab kommenden Sommer schließen sich in NÖ auch die Großküchen an und weisen die heimische Herkunft von Fleisch und Eiern aus.
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