Chronik | Niederösterreich
08.08.2017

Mehr Geburten: Mödlinger Spital testet Online-Anmeldung

In Mödling ist die Geburtenstation ausgelastet, in Wien gibt es weiterhin Versorgungsengpässe.

Nirgendwo in Niederösterreich kommen so viele Kinder zur Welt wie im Landesklinikum Mödling. Mit rund 2000 Entbindungen pro Jahr ist die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe die größte im Bundesland. Doch steigende Geburtenzahlen in der Region – auch bedingt durch die Flüchtlingsbewegung – könnten bei gleichbleibendem Personal auch im Wiener Umland zu Engpässen in der Versorgung der werdenden Mütter führen, fürchten Spitals-Insider.

39 Geburten pro Woche könne man auf der Station maximal bewältigen, heißt es. Damit sei man mit den rund 2000 jährlichen Geburten ausgelastet. Unter Experten wird jedoch kolportiert, dass es im Raum Baden/Mödling sogar Bedarf für 3000 Geburten gäbe.

Um die Ressourcen und die Versorgung der werdenden Mütter planen zu können, hat die nö. Landeskliniken-Holding nun ein Pilotprojekt zur Geburten-Frühanmeldung gestartet. Dabei kann es auch passieren, dass Schwangere abgelehnt werden.

Über ein Online-Formular oder auch telefonisch können sich Schwangere anmelden, sobald sie im Besitz eines Mutter-Kind-Passes sind. Per eMail erhalten die Frauen eine Bestätigung. Sobald die Anmeldung bearbeitet wurde, werden sie per Post über die weitere Vorgehensweise informiert. Im Falle einer Zusage erhalten sie laut Holding dann bereits die Daten zur eigentlichen Geburtsanmeldung.

"Auf Basis der Frühanmeldung erfolgt eine wochenweise Planung der Kapazitäten", erklärt Holding-Sprecherin Cornelia Bunkrad. Gemäß dem Versorgungsauftrag werde speziell darauf geachtet, dass alle Patienten aus dem Einzugsgebiet Baden und Mödling versorgt werden. Aber: "Sind die Kapazitäten zum jeweils geplanten Geburtstermin bereits voll, kann die Anmeldung leider nicht angenommen werden."

Die Frauen werden dann gebeten, sich mit ihrem Gynäkologen in Verbindung zu setzen, um eine andere wohnortnahe Klinik auszuwählen. Allerdings müssen Notfälle, die ohne Anmeldung im Spital auftauchen, trotzdem versorgt werden. Bewährt sich das Projekt, will die Holding eine Ausweitung an anderen Standorten andenken.

Nicht übergehen

Im Spital wird das neue Tool goutiert: "Das ist die einzige Chance, damit wir nicht übergehen", heißt es. Schon jetzt sei man an der Kapazitätsgrenze. Mehr Mitarbeiter seien aber aktuell nicht vorgesehen.

Dramatischer ist die Situation in Wien. Nach wir vor gibt es Versorgungsengpässe; eine der Ursachen ist die Schließung der Geburten-Abteilung im Hanusch-Spital. Dass Betroffene nach NÖ ausweichen, sei aber nicht der Fall, betont die nö. Spitalsholding.

Dazu kommen auch in Wien steigende Geburtenzahlen. 2018 könnte sich die Situation weiter verschärfen, wenn die Geburtenabteilung des "Göttlichen Heiland" mit jener des St.-Josef-Spitals zusammengelegt wird. Im Vorjahr kamen beide Häuser auf rund 4000 Geburten. Nach der Übersiedlung könnten laut Vinzenz-Gruppe 3500 übernommen werden. Für die restlichen suche man noch eine Lösung mit dem Wiener Krankenanstaltenverbund. Dort verweist man auf die geplante zentrale Geburten-Anmeldestelle, die die Situation weiter verbessern soll.