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Kommt das „Spiel des Jahres 2026“ aus dem Mostviertel?

Markus Slawitscheck erfindet Brettspiele für Jung und Alt. Mit „Morty Sorty“ ist er für die begehrte Auszeichnung nominiert.
Ein Paar in Hexenkostümen spielt das Brettspiel „Morty Sorty Magic Shop“ an einem Holztisch.

Man ist der Lehrling im berühmten Zauberladen von Morty Sorty. Dort ist es die erste Aufgabe, die Regale einzuschlichten – aber nicht irgendwie, die Zauberzutaten wollen nach bestimmten Kriterien eingeräumt werden. – So beschreibt Markus Slawitscheck das Spiel „Morty Sorty Magic Shop!“. Er kennt das Brettspiel für Kinder ab acht Jahren wohl am besten, denn er hat es erfunden. 

Er ist es, der dafür die Auszeichnung „Spiel des Jahres 2026“ erhalten könnte. Verliehen wird der Preis am Sonntag in einer Woche in Berlin. „Es wäre mein dritter Sieg. 2023 habe ich den Preis in der Kategorie Kennerspiel erhalten und 2024 den der Kategorie Kinderspiel. Schaffe ich es diesmal wieder, dann hätte ich in jeder Kategorie den Preis erhalten – was bisher noch niemand erreicht hat“, erzählt der 34-jährige Spieleautor aus Hofamt Priel im Bezirk Melk.

Das besagte Kennerspiel „Challengers“ hat er gemeinsam mit Co-Autor Johannes Krenner erfunden, das Kinderspiel „Die magischen Schlüssel“ mit Arno Steinwender. Beide sind bekannte Namen in der Spieleentwickler-Szene Österreichs.

Erste Gehversuche

Markus Slawitscheck hat bereits neun Spiele herausgebracht. Einige warten noch in seinem Regal auf Fertigstellung oder darauf, veröffentlicht zu werden. „Fünf Spiele werden heuer oder nächstes Jahr erscheinen“, sagt er.

Mit 19 Jahren hat er seine ersten Gehversuche als Spieleautor gestartet. „Man braucht ja nicht viel – eine Schere, Papier und Stifte“, betont der Mostviertler – und auch heute arbeitet der Spieleautor und HTL-Lehrer so. „Die ersten Versionen sind oft einfach nur ein Zettel oder Karten, die ich beschrifte. Haben sie die ersten Testrunden überstanden und scheint es so, als ob daraus etwas wird, setze ich mich an den Computer für ein schöneres Design“, erzählt er, es würde aber immer etwas Selbstgebasteltes bleiben.

Die Testerinnen und Tester sind Freunde und Familie. „Meine Freundin July hat ,Sorty Morty Magic Shop!’ bestimmt 200 Mal mit mir gespielt“, betont er. Außerdem gibt es Stammtische für Spielemacherinnen und- macher in Wien. „Da habe ich wirklich Glück, dass es da so eine Gemeinschaft gibt. Dort bekommt man Feedback, arbeitet gemeinsam an Ideen oder bekommt Hilfe, wenn man bei der Spielmechanik nicht weiter kommt “, so Slawitscheck, der fast jede Woche dort ist.

Vier Männer posieren mit einer großen Challengers!-Spielebox und Holzpokalen vor einer Messewand.

2023 hat Slawitschecks und Co-Autor Johannes Krenners „Challengers“ als Kennerspiel des Jahres überzeugt.

Seinen Beruf vergleicht er gerne mit jenem von Schriftstellerinnen und Schriftstellern. „Ich habe eine Idee, dann arbeite ich daran. Wenn ich selbst zufrieden bin, kontaktiere ich Verlage“, sagt er. Hat er einen gefunden – oft passiert das bei der Spielemesse in Essen (Deutschland), bei der alle Verlage der Welt vertreten sind – wird gemeinsam mit Redakteurinnen und Redakteuren des Verlags am Spiel weitergearbeitet. So kam es auch, dass „Morty Sorty Magic Shop“ nun ein magischer Laden ist und nicht der Wiener Naschmarkt. „Beim Durchschlendern am Markt holte ich mir Inspiration, dort ist immer alles so schön sortiert. Aber Kinder finden wahrscheinlich das Sortieren von Chilis, Feigen und Oliven nicht sehr aufregend“, sagt der 34-Jährige.

Er selbst war als Kind kein großer Brettspiele-Fan. „Ich habe lieber gebastelt oder gezeichnet“, blickt Slawitscheck zurück.

Österreich-Szene

Die Wende brachte sein älterer Bruder mit nach Hause als er ungefähr 13 Jahre alt war: Das Spiel „Die Siedler von Catan“ (Spiel des Jahres 1995). „Das hat mich wirklich fasziniert, dann kam Carcassonne und irgendwann habe ich bemerkt, dass auf den Schachteln Namen stehen. Und da wurde mir bewusst, dass Spieleautor ein Beruf ist.“ Ein Beruf, von dem er heute leben könnte, trotzdem unterrichtet er weiterhin in Wien. Bei den Spielen verdient man pro verkauftes Exemplar – die „Spiel des Jahres“-Auszeichnungen seien da sehr hilfreich, gibt der Erfinder einen Einblick.

In Österreich sind etwa vier Personen hauptberuflich Spieleerfinder – darunter Arno Steinwender – geben tut es laut Slawitscheck zwischen 30 und 40. Bis er selbst erfolgreich war, musste er, wie er selbst sagt, einen „langen Atem“ haben, in den ersten sechs Jahren konnte er nichts veröffentlichen. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wenn ich zum Beispiel eine Tischlerausbildung beginne, wird das erste Handwerk auch nicht das beste sein. 

So ist das auch mit Spielen, man fängt einmal an und wenn man dran bleibt, wird man mit der Zeit besser“, ist er überzeugt. Und dann sitzt man vielleicht auch einmal an einem Sonntag in einem Hotel in Berlin und wartet freudig und aufgeregt, bis die Preisverleihung für das „Spiel des Jahres“ beginnt.

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