© Asfinag

Chronik Niederösterreich
02/21/2020

Marchfelder Ortschefs sind ratlos: „Vogel- geht vor Menschenschutz“

Die Bürgermeister sind über den Stopp der geplanten Marchfeld Schnellstraße verärgert. Grüne und Umweltorganisationen jubeln.

von Kevin Kada

„Für uns und alle Betroffenen ist das eine Katastrophe“, sind sich Walter Krutis (VP-Bürgermeister in Raasdorf) und Friedrich Quirgst (VP-Bürgermeister in Deutsch Wagram) einig. Dass die Marchfeld Schnellstraße nun doch nicht gebaut werden dürfte, ist für die beiden Ortschefs nicht zu akzeptieren. „Hier geht Vogel- vor Menschenschutz. Das ist ja keine Verhältnismäßigkeit“, ärgert sich Quirgst.

Durch Raasdorf rollen täglich rund 20.000 Fahrzeuge, durch Deutsch Wagram sogar 35.000, wie die beiden Bürgermeister erklären. „Und davon sind rund 3.000 Lkw. Man versteht in Raasdorf sein eigenes Wort nicht mehr“, hat sich Krutis vom Bau der S8 eine erhebliche Verbesserung für seine Gemeinde erhofft.

Krutsi: "Ich bin es leid"

Die Marchfeld Schnellstraße, die immerhin bereits seit fast 20 Jahren geplant wird, dürfte vom Tisch sein. Doch Alternativen gibt es für die Ortschefs keine. „Raasdorf und Deutsch Wagram haben keinen Platz für eine Umfahrung. Auch bei anderen wird es schwer. Da kommen wir wieder in die Trasse der S8 und haben das gleiche Problem. Und ich bin es leid, wieder zehn Jahre oder mehr zu prozessieren“, ist Krutis ratlos.

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes ergeht erst in einigen Wochen schriftlich, dementsprechend versucht man beim Land Niederösterreich gute Miene zum bösen Spiel zu machen: „Wir haben unsere Vorarbeiten im Straßenbau geleistet und gehen davon aus, dass man seitens der Asfinag und des Verkehrsministeriums auch alles für die weitere Umsetzung tun wird“, sagt Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP).

So optimistisch sieht man die Situation in der betroffenen Region nicht, wie Krutis das Stimmungsbild im Ort zusammenfasst: „Die Leute hier sagen schon, dass die S8 nie kommen wird. Und das verstehe ich auch. Ich sage auch schon Jahre lang nichts mehr zu meiner Bevölkerung, weil dann steh ich ja als Lügner da.“ Ähnlich wie sein Kollege Quirgst, versteht auch der Raasdorfer Ortschef nicht, wie ein Zugvogel ein 310 Millionen Euro Projekt stoppen kann. „Ich bin sprachlos, dass zwei Vogelpaare so etwas anrichten können und 50.000 Einwohner so stören.“

Positive Reaktionen

Für die Bürgermeister steht fest, dass das Unverständnis und der Ärger in der Bevölkerung groß sind. Doch es gibt auch positive Rückmeldungen auf ein Ende der Marchfeld Schnellstraße. „In diesem Verfahren ist es um die Auswirkungen auf Mensch und Natur gegangen. Wenn die negativen überwiegen, ist das Projekt abzulehnen“, meint Beate Kainz, Bezirkssprecherin der Grünen Gänserndorf.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Bettina Bergauer von den Grünen in Deutsch Wagram: „Die Schnellstraße wäre auch mit einem klimaneutralen Wirtschaftssystem nicht vereinbar.“ Auch die Umweltschutzorganisation WWF begrüßt den Abschluss der Verhandlungen und die Absage an das Projekt.

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