Luxus-Konzertsaal eines Gönners in NÖ: Das Geheimnis der 90 Deckensegel
Der Konzertsaal Hermannswörth gilt als Prunkstück in Sachen Architektur und Klangerlebnis.
Den Konzertsaal bezeichnet er als sein „letztes Abenteuer“. Gustav Ammerer (74) hat sich am Fuße der Rax im Bezirk Neunkirchen selbst ein Denkmal gesetzt. Der pensionierte Biochemiker hat auf seinem Anwesen in Prein an der Rax ein Vermögen in ein musikalisches Projekt investiert, das hierzulande seinesgleichen sucht.
An der Stelle eines alten Pferdestalls hat Ammerer ganz ohne öffentliche Mittel für über fünf Millionen Euro den privaten Konzertsaal Hermannswörth erbauen lassen. Das Architekturnetzwerk Orte bezeichnet das Juwel als „bemerkenswertes Beispiel für die Synthese von Architektur und Akustik“.
Gustav Ammerer fördert mit dem Projekt musikalische Talente.
120 exklusive Plätze
Verantwortlich für den Prachtbau zeichnet Architekt Johannes Kraus, der schon den „MuTh“-Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Augarten oder das Nitsch-Museum in Mistelbach mitentwickelt hat. Der vorwiegend aus Eichenholz errichtete, asymmetrische Saal, bietet im Parterre und auf zwei Balkonen 120 Besuchern Platz.
Zentrales Element ist eine Decke aus über 90 speziell entwickelten, diagonal geknickten Deckensegeln, die um eine horizontale Achse drehbar sind. Die feinjustierbare Konstruktion erlaubt es, die raumakustischen Eigenschaften des Saals präzise abzustimmen und zu optimieren, erklärt Kraus. Die akustische Feinabstimmung erfolgte im Rahmen einer kammermusikalischen Erprobung. Dabei seien alle variablen Elemente im Konzertsaal „optimal eingestellt und fixiert worden“, erklärt der Architekt.
Für die Architektur des Konzertsaals zeichnet Johannes Kraus verantwortlich.
Richard Strauss auf dem Anwesen zu Gast
Ammerer hat sich mit Hermannswörth ein Idyll von hohem musik- und gartenhistorischem Stellenwert gesichert. 1890 erwarb Fritz Schrödter, Tenor an der Wiener Hofoper, das damalige „Flacklhof-Anwesen“. Er machte daraus eine bedeutsame Gartenanlage mit Teichen, Villenplätzen und Gewächshäusern samt exotischer Vegetation.
1916 ging die Liegenschaft in den Besitz des Industriellen und Kulturmäzen Emanuel Grab von Hermannswörth über. Bis 1923 ging Richard Strauss auf dem Anwesen am Fuße der Rax ein und aus. 20 Jahre nach seiner Komposition der symphonischen Dichtung „Till Eulenspiegel“ war er in Prein oft zu Gast, weil sein Sohn in die Tochter des damaligen Besitzers von Hermannswörth verliebt war.
Konzertsaal Hermannswörth von außen.
Forschung für den Hepatitis-Impfstoff
Ammerer erwarb den malerischen Landsitz mit dem Ziel, ihn als „wissenschaftliche und kulturelle Wirkstätte mit Fokus auf Kammermusik zu etablieren.“ Der 74-Jährige, selbst begnadeter Cellist, hat sich in der Kammermusik-Szene als Mäzen einen Namen gemacht.
Möglich gemacht haben dies seine lukrativen Patente zum Sichtbarmachen des Hepatitis B-Virus in Hefe. Auf die Arbeit des Biochemikers fußte die Entwicklung des Hepatitis-Impfstoffes. Der Großteil seines Einkommens sei auf seine Laborarbeit zurückzuführen. Auf seine Art und Weise will der 74-Jährige etwas von seinem Wohlstand an musikalische Talente zurückgeben. Das von Harald Kosik, dem künstlerischen Leiter der Konzerte auf Schloss Walpersdorf, zusammengestellte Programm für den Konzertsaal Hermannswörth, dient ganz der Förderung junger Musiker.
An diesem Wochenende steht Hermannswörth im Rahmen der Architekturtage im Zentrum von Führungen und Konzert-Highlights. Das Programm ist schon lange ausgebucht.
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