Wenn Möwenschwärme aufsteigen, ist ein großer Teil des Luftraums über dem Flugplatz Gneixendorf besetzt

© KURIER/Gilbert Weisbier

Krems
08/24/2015

"Luftkämpfe": Federn gegen Rotoren

Möwen tricksen bisher alle aus, die sie von einem Flugplatz und einer Kompostieranlage vertreiben wollen.

von Gilbert Weisbier

Gewitzte Möwen widersetzen sich allen bisherigen Versuchen, sie aus dem Bereich des Flugplatzes Krems-Gneixendorf zu vertreiben. Der große Schwarm, den sie bilden, nervt seit Jahren Privatpiloten. Seit aber auch der Christophorus-Notarzthubschrauber auf dem Platz stationiert ist, steigt der Druck, sie aus Sicherheitsgründen zu verscheuchen. Ein Sachverständiger fordert die Reduzierung der Möwen. Die aber wollen die wunderbare Kombination aus Futterquelle (in Form des nahen Kompostierplatz) und benachbartem Rastplatz mit Überblick (Flugfeld) offenbar um keine Preis aufgeben.

Ausweichmanöver

"Es ist nicht gefährlich, aber wenn wir vom Stützpunkt aufsteigen, muss ich immer wieder Ausweichmanöver machen", erzählt Günter Grassinger, der Kremser ÖAMTC-Chefpilot. Das Problem: "Krähen gibt es auch viele, doch die formen einen kompakten Schwarm, der relativ niedrig bleibt und dessen Bewegungen ich besser abschätzen kann. Aber die Möwen steigen gleich hoch auf. Ihr Schwarm aber ist ausgefranst und schwer berechenbar. Bei 220 Stundenkilometern Grundgeschwindigkeit hätte die Kollision des Helikopters mit einem so großen Vogel unangenehme Auswirkungen."

"Wir bemühen uns wirklich, decken auch den Kompost so weit wie möglich zu, aber es hilft alles nicht so sehr wie erhofft", beteuern Geschäftsführer Karl Weitzl und Anlagenleiter Karl Oberbauer von der NUA-Abfallwirtschaft GmbH, die die Deponie samt großer Kompostieranlage in Nachbarschaft des Flugplatzes betreibt. "Wir haben eine elektronische Abwehranlage installiert. Die stößt entweder einen Raubvogelruf oder einen Angstschrei der Möwen aus. Allerdings gewöhnen sich die Vögel sehr schnell daran, deshalb müssen wir das Gerät alle paar Tage umstellen", erklärt Oberbauer.

"Wir haben auch einen Falkner von der Rosenburg engagiert, der etwa drei Mal die Woche kommt", sagt Weitzl. Aber dessen Auto erkennen die Vögel bereits und bringen sich in Sicherheit.

Abschreckung

"Ich komme mit einem Falken oder einem Habicht und simuliere den Angriff. Mir geht es nicht um das Erlegen, sondern die Abschreckung", erklärt Falkner Vladimir Garaj. "Die Möwen hören sogar den Unterschied, ob ein Wagen mit geschlossenen Fenstern fährt, oder mit offenem, aus dem ein Raubvogel aufsteigen kann", erläutert er. Das macht er sich aber zunutze. "Oft reicht es bereits, mit dem Auto mit offenem Fenster zu fahren. Und ich nähere mich immer wieder von verschiedenen Seiten an. Ideal wäre eine Lösung wie früher in der CSSR, als es auf jedem Flugplatz hauptberufliche Falkner gab, die 16 Stunden am Tag anwesend waren."

"Wir bemühen uns auch um mehr Abschüsse, aber bei der Bezirkshauptmannschaft sind wir mit einer Aufhebung der Schonzeit bereits abgeblitzt. Jetzt gehen wir zur nächsten Instanz", sagt Weitzl.

"Die Abschüsse werden aber keine Lösung sein, auch die schrecken die Vögel nur für zwei Stunden auf. Die bequeme Futterquelle und der übersichtliche Rastplatz auf und neben dem Rollfeld ist ideal für die Möwen", meint dazu Rudolf Karl von der Jagdgesellschaft der Nachbarstadt Langenlois. "Die sinnvollste Lösung wäre, die Kompostieranlage mit Netzen zu überspannen, damit die Vögel vom Futter abgeschnitten sind", glaubt er.

Ornithologe Wolfgang Schweighofer aus Artstetten und seine Kollegen schätzen den Platz in Gneixendorf als den letzten, an dem man in Österreich Großmöwen gut beobachten kann. Er würde es bedauern, wenn sie verschwinden. "Die Tiere stammen im Sommer überwiegend von der Adria. Ab Dezember kommen aber auch welche aus dem Baltikum oder gar dem Raum Murmansk am Eismeer", erklärt der Experte Schweighofer.

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