© Angelika Morgenbesser

Chronik Niederösterreich
08/26/2019

Licht und Schatten im Tourismus

Flauten und Rekorde: Ein Ort steigt wie Phönix aus der Asche, der andere verliert Zehntausende Gäste.

von Patrick Wammerl

Wie nahe Licht und Schatten im heimischen Tourismus beieinanderliegen, symbolisiert kaum ein Beispiel besser als das zweier Orte in Niederösterreich.

Als das Land Niederösterreich 2014 die defizitären Liftbetriebe in St. Corona am Wechsel schloss, rechneten viele mit gröberen wirtschaftlichen Problemen. Doch ein neues touristisches Ganzjahreskonzept – mit nur einem Lift, aber mit Kinderskischule, Bike- und Motorikpark sowie mit einer Sommerrodelbahn – beschert der krisengeschüttelten Region eine neue Hochblüte samt Gästerekord.

Anders sieht es wenige Kilometer weiter aus: Dort hat der beliebteste Sommerfrischeort der Wiener mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Weil mit dem Grandhotel Panhans am Semmering nach der Übernahme durch ukrainische Investoren das Flaggschiff des Weltcup-Ortes bereits seit drei Jahren für eine Generalsanierung geschlossen ist, haben sich die Nächtigungszahlen nahezu halbiert.

Semmerings Bürgermeister Horst Schröttner hat in den 50 Jahren, in denen er bereits im Gemeinderat vertreten ist, viele Hochs und Tiefs erlebt. Die derzeitige Durststrecke macht aber auch ihm zu schaffen. „Durch die Sperren der großen Hotels wie Panhans und Kurhaus Stühlinger fehlen uns fast 50.000 Nächtigungen pro Jahr. Da leidet natürlich jedes andere Unternehmen im Ort darunter, vom Friseur bis zum Taxifahrer“, so Schröttner.

Während die Tagesgäste den Semmering im Sommer wegen des Bikeparks und im Winter wegen der Weltcup-Strecke, der Nachtpiste und der Rodelbahn regelrecht stürmen, mangelt es an Übernachtungen und Mehrtagestouristen. Vor allem die Kurgäste fehlen, besonders seit die ukrainische Gruppe das Kurhaus Stühlinger geschlossen hat.

„Von Freitag bis Sonntag herrscht reges Treiben durch die Tagesausflügler“, sagt Schröttner. Von Montag bis Donnerstag verkomme der Tourismusort jedoch zu einer Geisterstadt. Eine baldige Veränderung dieser Situation ist nicht in Sicht. Denn wie der Geschäftsführer der Panhans-Bergbahnen und Hotel-Gruppe im Gespräch mit dem KURIER erläutert, steht der Eröffnungstermin des Grandhotels noch in den Sternen. Viktor Babushchak möchte auch keine Prognose abgeben, ob es in der kommenden Wintersaison endlich soweit sein wird.

„Auffallend ist am Semmering, dass durch den Wegfall der 4-Sterne-Bettenkategorie die anderen Anbieter sehr gut performen“, sagt Gerda Walli vom Tourismusbüro „Wiener Alpen in NÖ“. Besonders die 3-Stern-Betriebe und Privatzimmer-Vermieter verzeichnen ein deutliches Nächtigungsplus.

Biker brechen Rekorde

Schauplatzwechsel: St. Corona war jahrzehntelang bekannt als etwas verstaubtes, aber charmantes Familienskigebiet. Zur Hochblüte hatte der Ort 600 Gästebetten. Als 2014 die Lifte abgebaut wurden, fürchtete man den wirtschaftlichen Todesstoß für die Region. „Dass es so kam, wie es jetzt ist, hat niemand erwartet. Die Entwicklung ist schneller und besser, als wir zu träumen gewagt haben“, sagt Bürgermeister Michael Gruber.

Mit nur einem Tellerlift samt Kinderskischule verzeichnete die Familienarena in der letzten Saison mehr als 25.000 Wintergäste. Dazu kommen fast 75.000 im restlichen Jahr. Als touristisches Vorzeigeprojekt in Ostösterreich hat sich die Idee der „Wexl-Trails“ entpuppt: Mehr als 70 Kilometer legale und ausgeschilderte Mountainbike-Strecken sind der absolute Publikumsmagnet im Sommer. Wer nicht nach oben strampeln möchte, den bringt ein Shuttlebus zum Start der Downhill-Strecken auf den Berg. „Wir haben derzeit mit 220 Gästebetten viel zu wenig, um die Nachfrage zu bedienen. Langsam reagieren die Leute in der Region darauf und beginnen wieder in Unterkünfte zu investieren“, so Gruber.

Dem Sommertourismus kommt auch in NÖ immer größere Bedeutung zu. Alleine im Juni gab es mit 769.000 Nächtigungen ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist das beste Ergebnis seit Aufzeichnungsbeginn. Wie die Halbjahresbilanz von Jänner bis Juni zeigt, wurde mit 3,4 Millionen Nächtigungen ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber 2018 erzielt.