Chronik | Niederösterreich
31.10.2018

Letzter Urlaub für Krebskranken: „Die Zeit kann uns keiner nehmen“

Dank Spenden erlebte ein krebskranker Vater noch einmal einen Urlaub mit seiner Familie

Im Hause Rumpler hat Disney Einzug gehalten. Eine Keksdose mit Mickey und Goofy schmückt den Esstisch, eine Uhr in Form von „Herr von Unruh“ aus „Die Schöne und das Biest“ steht in der Küche. „Schau, meine Kette“, sagt Tochter Selina und zeigt stolz einen glitzernden Anhänger mit Maus-Ohren.

Vergangene Woche ist für die vierköpfige Familie aus Guntramsdorf, NÖ, ein Traum wahr geworden. Vier Tage verbrachte sie in Disneyland Paris. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, doch für Werner Rumpler war diese Urlaubsreise seine letzte. Der 37-Jährige leidet an einem Glioblastom, einem inoperablen Gehirntumor. Für Werner, der die Diagnose im Juli bekam, ist die Prognose düster: Weihnachten, wenn alles gut geht.

Die Reise, sie war der letzte Wunsch der Familie. Verspätete Flitterwochen mit dem zweijährigen gemeinsamen Sohn Damien und Nicoles sechsjähriger Tochter Selina nach der Hochzeit im Dezember 2017. Möglich wurde die Reise dank Spenden, etwa vom Veranstaltungsteam Guntramsdorf, denn neben einer Freundin begleitete eine Palliativ-Schwester die Familie.

Die Sorgen, die Trauer – zumindest für Momente waren sie vergessen. „Es war das Schönste, einmal in so einer Fantasiewelt zu sein. Das haben wir alle gebraucht“, erzählt Nicole wenige Tage später am heimischen Esstisch. „In der schweren Zeit, die wir gehabt haben, haben unsere Kinder schon lange nicht mehr so gestrahlt.“ Mittlerweile hat die Realität die Rumplers wieder eingeholt. Arzttermine stehen an. In Kürze wird sich entscheiden, ob Werner die nächste Chemo-Therapie beginnt. Nicole hat Listen mit Notfallnummern aufgehängt.

Doch 1000 Fotos, die bald sein Schlafzimmer und dann das Zimmer im Hospiz schmücken sollen, erinnern nun an den Urlaub. An das rosa Schloss und die beeindruckende Disney-Parade.

Die Sechsjährige bekam als „Die Schöne und das Biest“-Fan ein Prinzessinnenkleid samt Krone. Und als sie dann der lebensgroßen Belle gegenüberstand, flossen bei der Familie erstmals die Tränen. Damien traf sein Idol „Tigger“ von Winnie Puuh. „Ich habe meinen Sohn noch nie so hoch quietschen gehört“, erzählt Nicole.

Das Reisebüro hatte dem Paar einen Abend bei der Wild-West-Dinner-Show geschenkt. „Wir haben so gelacht. Das war wirklich toll“, erzählt Nicole, während Werner neben ihr lächelt.

Doch ganz ließ sich auch im Land der Fantasie die Realität nicht ausblenden: Nach dem Flug hatte Werner Probleme mit dem Hirndruck. Trotzdem beruhigte er Nicole, die an große Flugangst leidet, hielt ihre Hand. „Mein Mann hat schon Momente gehabt, wo es ihm gekommen ist, dass er das in Zukunft nicht mehr hat“, sagt Nicole, die ihren Werner genau kennt. Auch wenn er aufgrund des Tumors seine Gefühle nicht mehr so artikulieren kann. „Aber gleichzeitig war da sein Lächeln, wenn der Damian vor Freude gequietscht hat.“

„Ich verliere ihn schon“

Auch Nicole war sich bewusst, dass sie vieles zum letzten Mal als Familie erleben. „Das hast du dauernd im Kopf. Vor allem, wenn ich ihn ansehe, wenn er mit den Kleinen spielt. Die Fragen, wie lange kann ich das noch sehen? Wie lange nimmt er uns noch wahr?“, sagt die 32-Jährige. „Laut Palliativteam verliere ich ihn jetzt schon, den Mann, den ich kenne.“

Für die nächsten Wochen hat Nicole vorgesorgt, alle Weihnachtssachen bereits zusammengesucht und einen Kunstbaum gekauft. Wenn sich Werners Zustand verschlechtert, wollen sie Weihnachten vorverlegen. Angst vor den Untersuchungsergebnissen hat er nicht, sein Schicksal akzeptiert er. „Muss ich ja. Es ist ja blöd, wenn ich zurückschaue.“

Ohne Spenden, sagt Nicole, hätten sie den letzten Urlaub nie machen können. „Es war die beste Entscheidung. Auch die Kinder haben ein Recht, noch so viel mit ihrem Papa zu machen, wie es geht. Das kann uns keiner nehmen.“

Auf die Rumplers kommen weitere Belastungen zu. Spenden: Nicole Rumpler; IBAN:  AT50 3225 0080 0004 0147;  BIC: RLNWATWWGTD.