Chronik | Niederösterreich
03.12.2018

Lebensgefahr durch Billig-Böller

Das Unglück bei Perchtenumzug geschah mit verbotener Pyrotechnik vom tschechischen Schwarzmarkt. Die Polizei warnt.

Die illegalen Böller aus China oder dem ehemaligen Ostblock haben in Österreich schon Menschenleben gefordert. Die Unfälle mit den Billig-Importen werden immer mehr, schlägt die Polizei Alarm. Auch das Unglück im Rahmen eines Perchtenlaufes am vergangenen Wochenende in Ramsau im Bezirk Lilienfeld ist auf verbotene Pyrotechnik aus Tschechien zurückzuführen. Einem 16-jährigen Krampus-Darsteller explodierte ein Böller in seiner rechten Hand. „Der junge Mann verlor zwei Finger. Den Daumen versuchen Ärzte noch zu retten“, sagt Polizeisprecher Johann Baumschlager.

Mitglieder der Krampusgruppe der „Unterberger Höhl’n Teufl’n“ aus Ramsau waren vor kurzem in Tschechien, um bengalische Feuer für den Perchtenlauf zu kauften. Dabei haben sie allerdings auch sechs Stück „Viper“-Böller der Pyrotechnikklasse IV mitgenommen. „Besitz und Einfuhr ist bei uns streng verboten. Man benötigt dafür eine Pyrotechnikausbildung und eine behördliche Lizenz“, erklärt Chefinspektor Erich Rosenbaum vom nö. Landeskriminalamt.

Während sie fünf der gefährlichen Böller bereits schon länger vor dem Perchtenlauf unerkannt in die Luft jagten, schummelte sich ein Böller in die Tasche mit den Bengalen. Ein 45-jähriger Helfer zündete die Bengalen und teilte sie an die verkleideten Perchten aus. Dabei dürfte der Böller irrtümlich in die Hand des 16-Jährigen geraten sein, wo er detonierte. Laut Baumschlager wurden sechs Personen zwischen 16 und 45 Jahren wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung angezeigt. Außerdem muss die Gruppe mit einer Anzeige nach dem Pyrotechnikgesetz rechnen.

Nachdem die illegalen Feuerwerkskörper früher eher ein Problem waren, dass immer nur vor Silvester auftrat, gibt es mittlerweile das ganze Jahr über Unfälle. „An der tschechischen Grenze kann man die Böller das ganze Jahr kaufen“, so Rosenbaum. Aufgrund der teils sehr schlechten Qualität der Produkte, stellen diese laut Polizei ein enormes Sicherheitsrisiko dar. „Es sind zum Großteil Selbstlaborate, die nicht professionell hergestellt werden. Abgesehen von der enormen Sprengkraft weiß man nicht, wann die Böller tatsächlich durchzünden“, erklärt Rosenbaum.

Warnung

Welche zerstörerische Explosionskraft von den Krachern ausgeht, hat das Landeskriminalamt vor einiger Zeit an Hand einer Telefonzelle getestet. Die Druckwelle einer am Schwarzmarkt erhältlichen Kugelbombe war so groß, dass alle Seitenwände der Zelle meterweit weggesprengt wurden. „Wir appellieren, wirklich die Finger davon zu lassen“, warnt Baumschlager.

Die illegalen Böller beschäftigen längst auch die Politik. „Hände weg von Eigenbau-Rakten und bedenklichen Billigimporten. Diese stellen oft ein hohes Sicherheitsrisiko dar“, warnt Landesvize Franz Schnabl.