Chronik | Niederösterreich
11.03.2012

Lebensgefahr beim Joggen im Wald

Nachdem eine Hobby-Läuferin von einem fallenden Baum getroffen wurde, warnen Forst- und Sport-Experten vor Gefahren im Wald.

Beinahe hätte die entspannende Jogging-Tour für eine 45-jährige Mostviertlerin tödlich geendet. Bei der gemütlichen Laufrunde um ihren Heimatort wurde die Frau aus Weistrach an einem Waldrand plötzlich von einem Baumwipfel zu Boden geschmettert und schwer verletzt. Die von einem Bauern gefällte 20 Meter hohe Fichte war anders gefallen als geplant. An den Folgen des Halswirbelbruchs leidet die Frau auch nach sechs Wochen noch massiv.

Der dramatische Vorfall bei Weistrach, der durch fehlende Sicherheitsmaßnahmen des 64-jährigen Landwirts passiert war, ließ bei den Forstfachleuten, aber auch bei Sportverantwortlichen die Alarmglocken schrillen. Jetzt, wo es wärmer wird, zieht es Freizeitsportler zu Fuß oder auf ihren Fahrrädern wieder in die Natur und auch in die Wälder hinaus. Dort herrscht aber auch bei den Waldbauern Hochbetrieb. Der heizintensive Winter und der gute Holzpreis verstärken die Betriebsamkeit. Für beide Gruppen gelten im Rahmen des Forstgesetzes klare Spielregeln, die tragischen Ereignissen vorbeugen sollen.

"Baum fällt"

"Auch kleine Waldbesitzern schlagen derzeit viel ein. Leider vergessen viele, ihre Arbeitsplätze im Wald gut sichtbar abzusichern und sind sich ihres Eigenrisikos gar nicht bewusst", sagt Werner Löffer, Forstdirektor der NÖ Bauernkammer. Nicht nur fallende Bäume, auch die verwendeten Arbeitsgeräte – von Motorsägen bis zu mächtigen Erntemaschinen – bergen Gefahren. "Die erholende Nutzung des Waldes zu Fuß steht bei uns jedermann frei. Im Gegenzug ist man verpflichtet, Absperrungen strikt einzuhalten", erklärt Löffler. Die lauten Geräusche der Sägen und Traktoren und der Ruf "Baum fällt" sollten Spaziergänger und Läufer zum Abstandhalten bewegen.

Die Praxis zeige aber das Gegenteil, berichtet Löffler. Immer wieder seien Jogger oder Mountainbiker mit Kopfhörern im Wald anzutreffen, die Musik aus ihren iPods hören und daher weder Warnrufe noch Maschinenlärm wahrnehmen.

Kritische Manager aus der Sportwelt bestätigen diese Fahrlässigkeiten: "Leider sind wegen allfälliger Haftungen durch die Waldbesitzer viele Forstwege für Mountainbiker tabu. Aber daran muss man sich eben halten", sagt der Ex-Radweltmeister und NÖ-Radsport-Koordinator Franz Stocher. Zudem gibt es in Niederösterreich ohnehin 5800 Kilometer offizielle Mountainbike-Strecken – so viel wie in keinem anderen Bundesland.

Stocher und der ebenfalls in Landesdiensten aktive Ex-Kicker Toni Pfeffer appellieren vor allem an den Hausverstand der Sportler: "Absperrungen im Forst sind keine Schikane. Und ohne etwas hören zu können durch einen dichten Wald zu laufen, ist höchst problematisch."„Baum fällt“

Absperrung, Markierungen und ein Warnruf

Laut Forstgesetz darf sich beim Fällen von Bäumen im Umkreis von eineinhalb Längen des Baumes keine Person aufhalten, die nicht mit den Schlägerungsarbeiten beschäftigt ist. Oft wird auch an uneinsichtigen Stellen gearbeitet, oder Geländekuppen versperren unbeteiligten Waldbesuchern die Einsicht auf die Arbeitsstelle. Dann ist der Holzfäller verpflichtet, ein entsprechend großräumiges Areal abzusichern. Vor allem wenn Forstwege das Arbeitsgebiet durchlaufen ist diese Maßnahme unbedingt notwendig. Zur Absperrung können im besten Falle die offiziell dafür vorgesehenen Tafeln mit einer genauen Information verwendet werden. Aber auch Absperrbänder, Traktoren oder Anhänger, die deutlich als Sperre eines Weges positioniert sind, sollte man aus Eigeninteresse nicht als Schikane interpretieren, sondern sehr ernst nehmen.

Letztendlich bleibt der Warnruf "Baum fällt", bevor der Holzfäller den entscheidenden Schnitt ausführt, als die letzte verpflichtende Warnung. Laut Bauernkammer-Forstdirektor Werner Löffler ist der Ausbildungsgrad der heimischen Waldbauern mittlerweile auf hohem Niveau. Dennoch beweisen eine Reihe tödlicher Unfälle bei Holzschlägerungen das hohe Gefährdungspotenzial. Umso wichtiger ist, dass Freizeitsportler Eigenverantwortung zeigen – schon aus Gründen des Selbstschutzes.