© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Niederösterreich
08/31/2020

Langer Weg aus der Liederbuch-Affäre mit neuem Gesicht

Ein Wienerlied rückt die Burschenschaft Germania wieder in den Fokus. Es gibt einen neuen Vorsitzenden und eine klare Ansage

von Patrick Wammerl

Nachdem es nach der Liederbuch-Affäre um die Burschenschaft Germania ruhig geworden ist, haben zwei Künstler das unrühmliche Kapitel Geschichte wieder aufleben lassen. Das spitzzüngige Akustikduo „Die Strottern“ hatte im Zuge der „Walking Concerts“ ihre mobile Bühne vor dem Rabenturm, dem Sitz der Burschenschaft in Wiener Neustadt, aufgeschlagen und coram publico ein Wienerlied dazu geträllert. Der Text stammte aber nicht aus dem Germania-Liederbuch.

Im Jänner 2018 hatte die Affäre einen politischen Paukenschlag ausgelöst, der vor allem die FPÖ Niederösterreich stark getroffen hat. Wenige Tage vor der Landtagswahl war publik geworden, dass ein Liederbuch der Burschenschaft Germania Nazi-Texte enthält. Bei einer Hausdurchsuchung wurden mehrere Exemplare mit teils geschwärzten Passagen sichergestellt. Prominentestes Mitglied der Germania war zu diesem Zeitpunkt FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer.

Vier Verdächtige im Visier

Landbauer nahm sich aus der Schusslinie und zog sich für mehrere Monate aus der Politik zurück, die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen vier Verdächtige, die sich für das 1997 neu aufgelegte Liederbuch mit NS-verherrlichenden Inhalten verantwortlich zeichneten. Schließlich wurden alle Verfahren ohne Ergebnis eingestellt und auch die Vereinsauflösung der Germania scheiterte aus formalrechtlichen Gründen.

Einige Burschenschafter sind wegen des Wirbels rund um die Affäre aus der Burschenschaft ausgetreten. Als Personen des öffentlichen Lebens war ihnen die Sache doch zu heiß geworden – darunter auch Udo Landbauer.

Und auch sonst gab und gibt es einiges „aufzuräumen“, erklärt der neue Vorsitzende der schlagenden und farbentragenden Schülerverbindung, Thomas Frühbeck.

Der Diplomingenieur und Softwareentwickler hat sich vor knapp einem Jahr bereit erklärt, den Vorsitz der Germania zu übernehmen. Damit hat er, wie er selbst weiß, ein schwieriges Erbe angetreten. „Wir sind mit dieser, für uns hochnotpeinlichen und ärgerlichen Affäre, Bestandteil der österreichischen Geschichte geworden. Das kann man nicht so stehen lassen. Daher ist es wichtig, dieses Thema entsprechend aufzuarbeiten“, erklärt Frühbeck.

Deutschnational

Als deutschnationale Verbindung sei man leider gefährdet, dass die Jugend in eine „gewisse Richtung abdrifte“. Deshalb sei man in Zukunft gefordert, ganz klare politische und ideologische Abgrenzungen zu setzen, meint Frühbeck. Burschenschafter hätten bereits im Zuge der Napoleonischen Kriege für Freiheit und Bürgerrechte gekämpft. Ebenso kämpfe man nun um Rehabilitation. „Wenn wir keine Stimme mehr erheben können, dann ist das für eine Burschenschaft ein existenzielles Problem“, betont der neue Vorsitzende.

Gegründet ie Burschenschaft wurde in Wiener Neustadt 1917 gegründet. Nachdem 1934 alle Aktivitäten eingestellt wurden, kam es 1960 zur Reaktivierung. 2017 feierte man das 100-jährige Bestehen der Germania.

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