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Zündstoff
03/29/2013

Pfarrer warnt vor Pakt mit dem Teufel

Geistlicher eckt mit Beichtspiegel an - Experte findet Inhalt bedrohlich für die Psyche.

von Gilbert Weisbier

Empfängnisverhütung mittels Spirale, Tattoos oder jede Form von Esoterik sind für einen Pfarrer im Niederösterreich schwere Sünde. Zudem warnt der umstrittene Geistliche vor einem „Blutpakt mit dem Satan“.

Der Inhalt eines Beichtspiegels, den der Geistliche kürzlich aufgelegt hat, sorgt jetzt in Langenhart bei St. Valentin für Zündstoff. Ein Therapeut findet die Formulierungen sogar bedrohlich für die Psyche von Kindern oder Erwachsenen, die sich in Ausnahmesituationen befinden.

Das alles passiert ausgerechnet vor einem für kommende Woche angesetzten runden Tisch, bei dem die Diözese St. Pölten in der Pfarre für Ruhe sorgen wollte.

Seit einem Jahr kritisieren viele Gläubige den als erzkonservativ beschriebenen Pfarrer. Ein Beichtspiegel – er dient als Hilfsmittel bei der Gewissenserforschung, vor allem in der Vorbereitung auf die Beichte – den der gebürtige Pole in der Kirche aufgelegt hat, treibt nun vielen Menschen die Zornesröte ins Gesicht.

Angst um Kinder

Der Langenharter Pfarrkirchenrat Josef Mayrhofer ist besorgt: „Wenn so etwas Kindern in die Hände fällt. Von einem liebenden Gott dürfte er (der Pfarrer, Anm.) noch nicht viel gehört haben. Nur noch ein Bruchteil der Menschen geht zur Messe.“ Dass der Pfarrer seinen Namen und sein Foto von der Pfarr-Homepage gelöscht hat, wundert ihn nicht.

Pfarrer Krzysztof Sobczyszyn verurteilt im ersten Teil des Beichtspiegels alle Arten „esoterischer“ Techniken – von Reiki über Kartenlegen bis Prana-Therapie. Weiters bezeichnet er die Verwendung der Spirale als schwere Sünde. Er verurteilt auch das Anbringen von Piercings. Zudem ermutigt er Gläubige, sich zu prüfen, ob sie „einen Blutpakt mit dem Satan“ geschlossen hätten.

Für Franz Schmatz, Psychotherapeut und Professor an der pädagogischen Hochschule „ist der vorgelegte Text geprägt von einem längst – auch theologisch – überholten Gottes-, Welt- und Menschenbild. Geprägt ist der Inhalt von einer höchst bedenklichen Leib- und Sexualfeindlichkeit. Die Methode dieses Beichtspiegels kommt gerade im Abschnitt mit dem Teufel zum Ausdruck: Menschen Angst machen, sie in Schuldgefühle treiben und massiv bedrohen. Bleibt die Frage: Wer übernimmt die Verantwortung für die Folgen, die das für einzelne Menschen haben kann?“

Dass sogar beim Piercing der Teufel lauern soll, kann Schmatz nicht verstehen. Mehrere Punkte darin sind aus seiner Sicht „psychotherapeutisch, theologisch und seelsorglich betrachtet höchst bedenklich“.

„Was da drin steht, ist letztlich nicht falsch. Aber man kann das nicht in einer so moralisierenden Sprache sagen“, erklärt der Leiter der Pressestelle der Diözese St. Pölten, Markus Riccabona.

Auch wenn ein Großteil aller in der Pfarre Engagierten gegen ihn auftritt – Pfarrer Sobczyszyn hat auch Anhänger. Unter ihnen befindet sich die 20-jährige Studentin Elfriede Wall: „Er steht zu seiner Überzeugung. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn sich Menschen gegen ihn stellen. Ich habe das Gefühl, dass sie selber Chef sein wollen. Aber das ist nun einmal der Pfarrer. Gerade letzte Woche hat er sich sehr bemüht und eine super Messe gehalten.“ Der Pfarrer wollte keine Stellungnahme abgeben.

Was halten Sie vom Pfarrer und seinem Beichtspiegel?

Franz Schmatz: "Beim Durchlesen stellt sich die Frage: Was muss ein Mensch erlebt haben, der das schreibt.Was spielt sich in seiner Psyche ab? Psychotherapeutisch betrachtet ist dieser Beichtspiegel über weite Strecken ein neurotischer Text, der auch Leserinnen neurotisiert, wenn sie nicht gelernt haben, sich zu schützen. Unglaublich, dass dieser Text aus dem Jahr 2013 stammt."

Elfriede Wall: "Er hat viele Gegner. Aber ich finde es nicht richtig, wenn sich die Leute gegen den Pfarrer stellen. Er ist der Chef. Ich setzte mich in der Gemeinde für Gerechtigkeit ein. Es stimmt, dass viel weniger Menschen in die Kirche gehen. Aber er steht eben zu seiner Überzeugung. Vergangene Woche hat er sich ganz besonders bemüht und eine wunderbare heilige Messe gehalten."

Josef Mayrhofer: "Man kann leider mit ihm nicht reden. Er lässt nichts anderes gelten. Das, was im Beichtspiegel steht, ist genau sein Denken. Ich habe wirklich Sorge, dass so ein Papier einem Kind in die Hände fällt. Die liegen ja offen in der Kirche zur Entnahme auf. Der Kirchenbesuch ist auch dramatisch zurückgegangen. Leider dürfte er von einem liebenden Gott noch nichts gehört haben."

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