Chronik | Niederösterreich
20.07.2017

Landesschau im Schatten des Kaisers

Bewerbung um NÖ-Ausstellung 2023 mit k.u.k.-Architektur, "Irrenanstalt" und Remise.

Mit zwei historisch, aber auch aktuell bedeutsamen Schauplätzen bewerben sich die Stadt und die Region Amstetten um die Niederösterreichische Landesausstellung 2023. Die alte Remise am Bahnhofsgelände der Eisenbahnerstadt Amstetten und das Jugendstil-Ensemble des psychiatrischen Zentrums und Landesklinikums Mauer werden Landeshauptfrau Johann Mikl-Leitner im September als Schauplätze für die nächste Landesschau im Mostviertel angeboten.

Im Gepäck haben die Bewerber ein Konvolut an historischen, aber auch zukunftsträchigen Themen. Voll bepackt mit brisanten geschichtlichen und sozialpolitischen Themen ist das als k.u.k.-Irrenanstalt errichtete Klinikum Mauer. Am 2. Juli 1902 war Kaiser Franz Joseph höchstpersönlich mit der Bahn angereist, um den Schlussstein beim Bau der Pflege- und Heilanstalt Mauer-Öhling zu setzen. 1000 Pfleglinge fanden dort fortan ein sicheres Umfeld.

Im geplanten Ausstellungsstoff zur Entwicklung der psychiatrischen Pflege wird man auch dem dunklen Kapitel der Anstalt während der Nazi-Zeit Platz geben, sagte Kliniken-Manager Stefan Krauter. In einem der 16 Jugendstilpavillons, die heute teils noch als Pflegestationen genutzt werden, aber bis 2023 frei sein sollen, soll mit dem Landesarchiv eine Dauerausstellung entstehen. Das Schicksal der 600 bis 1000 Pfleglinge, die von den Nazis von Mauer ins Euthanasie-KZ Hartheim geschickt wurden, soll hier verewigt werden.

Psycho-Zukunft

Zudem möchte man in Mauer auch dramatische Zukunftsaspekte thematisieren. Krauter: "Die WHO hat errechnet, dass 2050 rund 40 Prozent der Bevölkerung unter psychischen Störungen leiden werden. Der geistigen und seelischen Gesundheit wollen wir einen großen Teil der Ausstellung widmen".

In Amstetten sollte die mächtige historische Remise im Mai abgerissen werden. ÖBB und Stadt planen auf einem neun Hektar großen, rückgebauten Bahnhofsareal einen neuen Stadtteil für junges Wohnen, Gesundheit und Bildung. Im Winter zeigte sich aber bei Events, dass die Remise enorme Zugkraft hat. Deshalb wird sie nicht abgerissen, sondern in ein "Future Hub" und Dialogcenter umgeplant, kündigte ÖBB-Manager Günther Sterlike an.

Vision

Bürgermeisterin Ursula Puchebner will den Aufstieg Amstettens vom Dorf zum Eisenbahn- und Wirtschaftszentrum dokumentieren, aber mit der Landesschau auch Visionen entwickeln. Amstetten soll Fachhochschulstadt werden und 2040 30.000 Einwohner haben (heute sind es 23.600). Touristische Chancen rechnet sich Michaela Hinterholzer, Chefin der Leaderregion Moststraße, aus. 31 Gemeinden stehen hinter der Bewerbung.