Land schließt Internat: "Kinder werden auf die Straße gesetzt"

Birgit Zöchling-Päsler (li.) vom Elternverein und Betroffene kämpfen gegen die Internatsschließung
Widerstand gegen die Schließung des Internats für schwer behinderte Kinder in der Waldschule

„Es klingt sehr hart. Aber in Wahrheit werden hier behinderte Kinder auf die Straße gesetzt“. Birgit Zöchling-Päsler ist die Obfrau des Elternvereins der Wiener Neustädter Waldschule. In der Sonderschule werden seit Jahrzehnten schwerst und mehrfach behinderte Kinder professionell betreut und beherbergt.

Neben dem Schulunterricht und der Nachmittagsbetreuung hat sich zur Entlastung alleinerziehender und berufstätiger Eltern auch ein Internat etabliert, in dem die Kinder dauerhaft versorgt werden – auch mit medizinisch-therapeutischer Rehabilitation. Mit 1. November schließt das Land Niederösterreich allerdings diese Internatseinrichtung. Die betroffenen Kinder sollen bis 18 Uhr in der Waldschule bleiben und in der Nacht und an den Wochenenden in anderen Heimen und Betreuungseinrichtungen untergebracht werden.

Land schließt Internat: "Kinder werden auf die Straße gesetzt"

Die Waldschule beheimatet insgesamt knapp 100 Kinder

Für die fünf betroffenen Familien ist die Sache ein untragbarer Zustand. Zusammen mit dem Elternverein kämpfen sie nun gegen die angekündigte Schließung an. „Die Eltern sind, was die Betreuung ihrer Kinder anbelangt, am Limit. Da sind Kinder darunter, die aufgrund ihres Autismus schwer aggressiv sind, auf ihre eigenen Geschwister losgehen und 24 Stunden Aufsicht brauchen. Das Internat ist für die Familien ein Back-up, wenn bei der privaten Betreuung zu Hause gar nichts mehr geht“, sagt Peter Ramharter vom Elternverein.

Wenn man bedenke, dass die Kinder Monate benötigen, um sich an ihre Umgebung und neue Betreuer zu gewöhnen, sei es unverantwortlich sie jeden Tag wegzubringen, argumentiert Zöchling-Päsler.

Zahlen rückläufig

Auf Anfrage des KURIER heißt es dazu vom Land NÖ, dass die Anmeldezahlen für das Internat stark rückläufig sind. „Wir hatten früher 50 Kinder, jetzt sind es nur noch fünf. Mit denen haben wir auch versucht individuelle Lösungen zu finden. Andere Einrichtungen sind auf eine Betreuung spezialisiert“, sagt Marion Gabler-Söllner von der Abteilung Schulen & Kindergärten.

Das Argument, dass es kaum noch Nachfrage nach dem Internat gibt, will der Elternverein nicht unkommentiert stehen lassen. „Früher wurden behinderte Kinder aus der Obersteiermark, dem benachbarten Burgenland und aus ganz Niederösterreich im Internat aufgenommen. Heute werden schon Kinder aus dem Bezirk Baden abgelehnt. Klar, dass damit die Zahlen zurückgehen“, heißt es von Seiten des Elternvereins.

Mit Briefen an die verantwortlichen Politiker des Landes versuchen die Eltern noch ein Einlenken zu bewirken. Sollte dies scheitern, weigern sich die Eltern, ihre Kinder im Schwedenstift in Perchtoldsdorf oder in einer der anderen vorgeschlagenen Einrichtungen unterzubringen. Unterstützung erhalten die Betroffenen bereits von Vereinen, wie dem Schwarzataler Social Club und dessen Initiative „Hope for Children“. „Den Wert einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit Kindern, Alten, Kranken und Menschen mit besonderen Bedürfnissen umgeht. Selbst wenn es um einen einzigen Menschen ginge, darf die Entscheidung nicht aus Rentabilitätsüberlegungen auf Kosten der Lebensqualität hilfloser Menschen erfolgen“, meint Obmann Günther Schneider.

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