Chronik | Niederösterreich
10.03.2018

Land schließt Heime wegen Missständen, lobt aber deren Mitarbeiter als qualifiziert

Der Betreiber der Heime steht vor der Insolvenz, bis zu 80 Menschen verlieren ihre Arbeit.

Immer größer wird die Verwirrung um die überraschende Schließung dreier therapeutischer Kinder- und Jugendheime durch das Land NÖ am Mittwoch. Wie berichtet, hat eine von Landesrat Franz Schnabl (SPÖ) eingesetzte Sonderkommission in den Häusern der Therapeutischen Gemeinschaften (TG) gravierende Missstände festgestellt. In Schließungsbescheiden wurden Ausübung psychischer und physischer Gewalt oder Vernachlässigung genannt. Alle 16 Bewohner wurden abgeholt.

Qualifiziert

Nach einem Pressegespräch am Donnerstag, bei dem Schnabl über den Kommissionsbericht informierte, ohne Details zu nennen, bekamen mehrere Mitarbeiter der Einrichtungen Gelegenheit, Schnabl zu treffen. "Er hat gesagt, wir seien gute und hoch qualifizierte Mitarbeiter, die leicht wieder Arbeit finden. Auf die Frage, wer dann die vorgeworfenen kriminellen Handlungen begangen haben soll, haben wir keine Antwort bekommen", berichtet Mitarbeiter-Sprecherin Eva Pieler dem KURIER und fragt: "Was soll man dabei denken?"

Das Büro von Schnabl bestätigt auf Anfrage dazu lediglich, dass man die Mitarbeiter unterstützen werde, falls es zu Kündigungen kommt. Und zwar durch eine Plattform zur Wiedervermittlung beim AMS mit Unterstützung durch Expertise der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe.

Vorwürfe

Die TG steht jedenfalls laut Auskunft ihres Geschäftsführers Hermann Radler nach der Kündigung aller Verträge durch das Land vor der Insolvenz. Betroffen sind 70 bis 80 Mitarbeiter. Er will sich trotzdem gegen die erhobenen Vorwürfe wehren, die aus seiner Sicht nicht der Wahrheit entsprechen. "Ich weiß bis heute nicht, was man uns eigentlich vorwirft. Das ist eine Vorgangsweise, die in einer Demokratie eigentlich nicht vorkommen sollte", sagt Radler.

Er weist mehrere Aussagen Schnabls zurück. Etwa, dass das Land zur Unterstützung Mitarbeiter geschickt habe, sei einfach falsch. "Einmal waren zwei Leute ein paar Stunden da, aber das war nur zur Kontrolle." Insgesamt sei die Zahl der Kontrollen zuletzt so hoch gewesen, dass die Auskunftstätigkeit der Hausleiter deren eigentliche Arbeit stark behindert habe.

Mitarbeiter hatten im Rahmen der Soko-Ermittlungen den Eindruck, es gehe nur darum, das "System Radler" zu zerschlagen. Radler selber meint dazu: "Unterstellt man mir, mich zu bereichern? Die Rede ist von Heimen im Ausland, die gibt es nicht. Es gibt eine Firma in Rumänien, die EDV-Arbeit macht. Und Unterstützung für eine Schule in Afrika, aber das ist nicht TG selber."