Chronik | Niederösterreich
28.12.2017

Land NÖ zog die Reißleine: Langjähriges Flüchtlingsquartier wurde stillgelegt

Mängel wurden zu lange gar nicht oder nur unzureichend behoben.

Es war das schäbigste Flüchtlingsquartier, das es damals gab. Jenes in Muthmannsdorf, Bezirk Wiener Neustadt. Bei einer Bewertung von 104 Asylquartieren in Niederösterreich, Salzburg, Bayern und dem Burgenland der Rechercheplattform Dossier im Jahr 2013 schnitt jenes in Muthmannsdorf am schlechtesten in NÖ ab. In Duschen und WC wucherte der Schimmel, die Räume waren verdreckt. Jetzt ist das Quartier geschlossen – das Land hat die Reißleine gezogen.

Am 22. Dezember wurden die 24 männlichen Asylwerber abgeholt und in andere Quartiere verlegt. Das habe "problemlos funktioniert", sagt ein Sprecher des zuständigen Landesrates Franz Schnabl (SPÖ). Dies wird auch von der Landespolizeidirektion NÖ bestätigt. Mehrere Beamte seien bei der Umsiedelung vor Ort gewesen, es sei zu keinen Vorfällen gekommen.

Dass das Quartier nun geschlossen wurde, sei "auf Vorschlag der Betreuungsorganisation und der Fachabteilung" erfolgt, der Landesrat habe "grünes Licht gegeben". Zuständig für die mobile Flüchtlingsbetreuung war die Caritas. "Es gab vor allem Probleme im persönlichen Umgang", sagt Generalsekretär Klaus Schwertner. Laut der zuständigen Fachabteilung im Land gab es immer wieder Mängel, die nicht oder nur unzureichend behoben wurden. Im Bewertungs- und Kontrollsystem für die Flüchtlingsquartiere, das einem Ampel-System gleicht, war das Quartier in Muthmannsdorf rot markiert. "'Es ist gut, dass das Land diesen Schritt gemacht hat", sagt Schwertner.

Insgesamt wurden heuer in Niederösterreich 15 Asylheime zugesperrt (fünf davon wegen Mängeln), sowie zwölf weitere für unbegleitete Minderjährige. Die Anzahl der Asylwerber in der Grundversorgung hat sich von 15.000 am Höhepunkt der Fluchtbewegung auf 8600 aktuell reduziert.