Blindverkostung am Südtirolerplatz in Krems

© Jürgen Zahrl

Chronik Niederösterreich
07/14/2019

KURIER-Test: Welche Marillen schmecken am vorzüglichsten?

Vier Regionen, vier Sorten und ein Ergebnis: Touristen und Promis verkosteten verschiedene Marillen mitten in Krems.

von Jürgen Zahrl, Gilbert Weisbier

„Bei uns gibt's die besten Marillen.“ Obstbauern in der Wachau sind von ihrem Produkt überzeugt. Aber wenn Konsumenten im Burgenland unterwegs sind, hören sie häufig den gleichen Satz. Welche Berechtigung solche Attribute haben, wollte der KURIER wissen und lud zur Blindverkostung. Prominente und Passanten hatten Gelegenheit, auf dem Kremser Südtirolerplatz Marillen aus vier verschiedenen Regionen durch Sehen, Fühlen und Schmecken zu testen.

Das Ergebnis ist jedoch mit Vorsicht zu genießen: Der Zeitpunkt der Vollreife ist abhängig von der geografischen Lage – im Burgenland oder in Italien ist er früher, als in Niederösterreich. In der Wachau wird die Vollreife ab Montag erwartet. Zudem hängen die Geschmacksgewohnheiten der Menschen von ihren Erfahrungen ab. Dazu kommt, dass es hunderte Marillensorten gibt, deren Früchte von Standort, Wetter oder Boden beeinflusst werden.

So war es überraschend, dass einerseits Menschen aus der Wachau, andererseits deutsche Touristen besonders treffsicher im Erkennen der Original Wachauer Marille waren. Diese Marke wird von einer Obstbauern-Vereinigung produziert, die sich freiwillig verpflichtet, nur bestimmte Sorten in einem klar abgegrenzten Gebiet anzubauen und zu vermarkten.

Obwohl es bei der ganztägigen Verkostungsaktion lange nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aussah, siegte schließlich die Wachauer Marille in der Gesamtbewertung vor der burgenländischen. Italienische und Weinviertler Früchte landeten auf den Rängen drei und vier.

„Das ist eindeutig die Süßeste“, war von vielen Verkostern zur Wachauer Frucht zu hören. Andere meinten: „Die Balance von Zucker und Säure ist ideal.“

Kabarettist Alexander Bisenz

Nachwuchsschauspieler Markus Freistätter

Starkoch Toni Mörwald

Schauspielerin Veronika Polly

Duftnote

Haubenkoch Toni Mörwald aus Feuersbrunn in Niederösterreich kostete nicht nur, er schnupperte auch intensiv an den Früchten. Er schwankte bei seinem Favoriten zwischen der burgenländischen Marille aus Kittsee („Ihr Duft ist gewaltig“) und jener aus der Wachau. Er gab allerdings zu bedenken, dass der Reifegrad bei jeder Frucht das Entscheidende sei und den Vergleich verfälschen könne. Er ist auch überzeugt, dass nur vollreife Früchte das ganze Aroma entfalten. Für weite Transportwege grün geerntete Marillen reifen aus seiner Sicht kaum mehr nach.

 

Die St. Pöltener Schauspielerin Veronika Polly, bekannt unter anderem für ihre Rolle der Gerichtsmedizinerin in in der Krimiserie „Soko Kitzbühel“, schmeckte das Fruchtfleisch aus dem Burgenland am besten. Sie schätzt die Früchte besonders in verarbeiteter Form, etwa als Röster oder Marmelade. Krapfen beispielsweise mag sie ausschließlich dann, wenn sie mit Marillenmarmelade gefüllt sind. Als St. Pöltnerin schätzt sie jedenfalls die Marillen der Wachau als leicht erreichbare, regionale Quelle. Obwohl sie gerade wieder mit dem Dreh einer neuen Krimifolge beschäftigt ist, nahm sie sich die Zeit, um zum Marillentest anzureisen.  "Mir ist es einfach wichtig, wenn Produkte aus der Region kommen", betont Polly.

Markus Freistätter aus Wien, mit der KURIER-Romy als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet, hatte Angst, sich zu blamieren, weil er bereits Auftritte bei den Wachaufestspielen hatte und im Gasthaus mehrmals Marillengerichte serviert bekam: Seine Sorge war aber unbegründet: „Die Dreier ist super, süß und säuerlich gleichzeitig, nicht so mehlig wie manche andere. Die schmeckt mir klar am besten“, stellte der Jungstar fest, nachdem er alle vier Proben gekostet hatte.

Geschmackssache

„Probe zwei ist sehr gut. Aber die Nummer drei liegt noch darüber“, stellte auch Alexander Bisenz die Wachauer noch etwas über die burgenländische Marille. Zur italienischen meinte der Kabarettist und Maler – so wie andere Tester: „Des is' nix.“

Extra aus Berlin angereist war Konrad Schur: „Die Wachauer Marillen sind intensiver als die anderen.“

Obwohl Roswitha Fallenegger aus Salzburg bereits 200 Kilogramm Marillen in der Wachau gekauft hatte, schmeckte ihr die burgenländische besser. Sie will mit den Früchten Marmelade, Knödel und Kuchen herstellen. „Ich finde die Weinviertler Marille auch gut. Es kommt aber auf die Verwendung an“, erklärte ein weiterer Passant.

„Ich finde es großartig, dass Sie diesen Test machen. Mehr Information und Vergleichsmöglichkeiten sind wichtig“, sagte Anita Schulz aus Furth bei Göttweig, die selber einige Bäume besitzt.

Wie sollen Marillen nun wirklich schmecken? „Nach Marillen“, antwortete eine Passantin.

Das große Ranking: Sorte, Preis, Genuss

- Italienische Marillen
Orange Rubis (Sorte)
Preis: 1,99 Euro/Kilogramm

Bei den italienischen Marillen aus dem Supermarkt vermuteten viele Tester, dass sie – wohl für den Transport – viel zu unreif geerntet worden sind. Deshalb waren  Geschmack und Süße  viel zu wenig ausgeprägt. Bewertung: Drei von fünf Sternen.


- Kittseer Marillen (Burgenland)
Ungarische Beste
Preis: 3,30 Euro/Kilogramm

Geschmack und Aussehen brachten die burgenländischen Früchte in die Spitzengruppe. Sie wurden als sehr geschmackvoll und recht süß empfunden.  Aber auch ihr Duft konnte die Tester überzeugen. Bewertung: Vier von fünf Sternen.


- Original Wachauer Marillen
Klosterneuburger Sorte
Preis: ab 3,70 Euro/Kilogramm

Das ausgewogene Verhältnis zwischen Süße und Säure haben viele Tester als das Besondere der Wachauer Früchte wahrgenommen. Die fast zu  weichen Früchte setzten sich  durch, obwohl sie nicht vollreif waren. Bewertung: Viereinhalb von fünf Sternen.
 

- Weinviertler Marillen
Goldrich
Preis: ab 3,50 Euro/Kilogramm

Ihr makelloses Aussehen war das stärkste Argument für die Weinviertler Marillen. Sie konnten allerdings wegen eines als etwas bitter empfundenen  Nachgeschmacks und zu starker Säure nur bei wenigen Testern punkten. Bewertung: Drei von fünf Sternen.