© Anna-Maria Bauer

Chronik Niederösterreich Krems
07/22/2021

Kremser Kaiserschmarren für Londoner East End

Ein kleines Café versorgt das hippe Ostlondon mit österreichischen Spezialitäten.

Von Anna-Maria Bauer

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Ein Geschäft mit dem Namen „Monster Supplies“, das Drachenzähne, Meerjungfraueneier und Gelächter zum Verkauf anbietet; ein stylischer Tattooladen; eine Gruppe Musiker, die auf der Straße eine Jazzperformance abliefern. Hoxton Street bietet alles, was man sich von einer Einkaufsstraße im trendigen Osten Londons erwartet. Und dann weht einem plötzlich vertrauter Kaffeeduft entgegen.

Auf Höhe der Hausnummer 189 hat ein kleines Café mit „Austrian Twist“ (Österreichischer Note, Anm.) eröffnet. Die gebürtige Kremserin Mona Saad hat sich mit ihrer besten Freundin und Partnerin Carly Churchill den Traum vom eigenen Lokal erfüllt und versorgt mit „Monaliciousfood“ die Ostlondoner neben All-Day-Breakfast oder Halloumisalat auch mit österreichischen Speisen.

Kuchenvorrat

Beim Betreten des Gassenlokals mit Backsteinwänden und Holztischchen fällt der Blick auf die leuchtend rote Kaffeemaschine, darüber die roten Kaffeetassen mit dem ikonischen weißen Meinl-Profil. Im Fenster wartet Sachertorte und soeben trägt Mona Saad eine Portion Apfelstrudel zu den Gästen ins Freie. Der Kuchenvorrat ist an diesem Sommernachmittag fast ausverkauft. Trotz der eigentlich so vielfältigen Österreichischen Küche sind in der englischen Millionenmetropole Lokale mit diesem Fokus Mangelware. So unbekannt seien vielen die Speisen, sagt Carly Churchill, dass neue Gäste oft verdutzt fragen würden: „Austrian? Do you mean Australian Twist?"

Und so sieht die 35-jährige Mona Saad in ihrem kleinen Lokal vielleicht ein bisschen auch einen Bildungsauftrag; sie möchte ein Verständnis für qualitätsvolle, frische Küche verbreiten. Bei der Zubereitung hat sie sich an den Klassikern orientiert, und ein wenig adaptiert. „Ich koche nicht gern nach Rezepten. Ich sehe sie mir an und dann mach ich mein eigenes Ding. Als Erstes verringere ich meist den Zucker um ein Drittel.“ Sie lacht. Die Sachertorte hat dann gerade den richtigen Süßegrad, ist weich, saftig, wie daheim. In der ersten Zeit hat ihre Mama dafür hausgemachte Marillenmarmelade aus Niederösterreich geschickt. Mittlerweile ist die Nachfrage dafür zu groß.

Das Kochen hat Mona Saad in der HBLA in Krems gelernt, die Leidenschaft gibt es schon länger. „Meine Oma war ein wichtiger Einfluss. Bei ihr hat alles nach Liebe geschmeckt. Und sie hat so riesige Marillenknödel gemacht, daran kann ich mich noch gut erinnern, die habe ich immer verschlungen.“

Kennenlernen

An eine Karriere in der Gastronomie hat Mona Saad trotzdem lange nicht gedacht. Nach England ist sie vor elf Jahren für einen Master in Sport gezogen. Der Zufall hat sie bei den Olympischen Spielen 2012 mit Carly zusammengebracht; nach dem Ende der Meisterschaften bleiben sie in Kontakt. Carly erkennt Monas Kochleidenschaft und hilft, ein Catering für das Fotostudio, in dem Carly arbeitet, zu organisieren. Beim Zubereiten ist Mona ganz in ihrem Element, aber etwas fehlt: „Ich habe gekocht und die Speisen bloß abgeliefert. Da war kein Austausch mit den Gästen, keine Interaktion.“

Nach Geschäftslokalen haben sie 2019 eigentlich nur zum Spaß gegoogelt. „Und dann haben wir das hier gefunden“, sagt Carly Churchill, „preislich vollkommen in Ordnung, ein bisschen überholungsbedürftig, aber die Energie hat gestimmt. Uns war klar: Da müssen wir zuschlagen.“

Innerhalb eines halben Jahres adaptieren sie die Küche, richten den Gästebereich neu ein, finden Vertragspartner für die österreichischen Produkte – sind bereit fürs Aufsperren.

Bei den Londonern kommt das Konzept an. Noch wenige Minuten vor Ladenschluss kommen neue Gäste und fragen, ob sie einen Bagel und Palatschinken haben könnten.

Seit Corona gibt es alle Speisen auch zum Mitnehmen. Nun steht Mona meist um sechs Uhr früh in der Küche. „Aber ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen.“

Besonders beliebt ist der Neuzugang auf der Speisekarte: Kaiserschmarren mit selbst gemachtem Zwetschkenkompott. „Natürlich ohne Rosinen.“

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