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Chronik Niederösterreich Krems
04/08/2021

Intensivstations-Leiter: "Lockdown allein hilft nicht gegen Pandemie"

Intensivmediziner Herbert Koinig schilderte im Interview mit dem KURIER die Lage auf der Intensivstation am UK Krems.

von Teresa Sturm

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Die Berichte √ľber ausgelastete Intensivstationen, vor allem im Osten des Landes, rei√üen nicht ab. Herbert Koinig, Leiter der Intensivstation des Universit√§tsklinikums Krems, erz√§hlt im Interview mit dem KURIER, wie die Lage in Krems ist. 

KURIER: Die Lage gilt auf den Intensivstationen in Niederösterreich mehr als angespannt. Wie ist die Situation in Krems? Wie viele Betten sind noch frei?

Herbert Koinig: Die Anzahl der CoVid-19-Patienten, die eine Behandlung auf einer Intensivstation ben√∂tigen, ist deutlich angestiegen im Vergleich zum Jahresbeginn. Dar√ľber hinaus gibt es aber auch noch andere akute Erkrankungen, die einer Behandlung auf einer Intensivstation bed√ľrfen. Zusammen ergeben sich aus diesem Bedarf manchmal Engp√§sse. Die Lage ist allerdings regional sehr unterschiedlich, und √§ndert sich auch laufend, sodass eine konkrete Zahl sehr schwierig zu nennen ist. Durch landesweite Koordination hat sich die Situation bisher gut bew√§ltigen lassen.

Von Intensivstationspersonal h√∂rt man, dass Patientinnen und Patienten, die aufgrund des Coronavirus auf die Intensivstationen kommen, j√ľnger werden. K√∂nnen Sie das best√§tigen? Warum ist das so?

Es ist tats√§chlich so, dass sich die Charakteristik der CoVid-19-Intensivpatienten im Vergleich zum Vorjahr etwas ver√§ndert hat. Die Patienten sind sicher j√ľnger und es gibt neben der Patientengruppe mit bekannten Vorerkrankungen auch schwere Verl√§ufe bei jungen Patienten ohne wesentliche Vorerkrankungen. Dies mag einerseits an der Dominanz der Virusmutante B.1.1.1.7 liegen, die im Vorjahr im Land noch nicht verbreitet war, und andererseits auch an der zum Teil schon vorhandenen Immunit√§t durch die Impfungen der besonders vulnerablen Bev√∂lkerungsgruppe in den Pflegeheimen.

Die Pandemie dauert nun in √Ėsterreich bereits ein Jahr. Das medizinische Personal muss Unglaubliches leisten. Wie ist die Stimmung im Team? Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon an ihren Grenzen?

Es ist tats√§chlich so, wie in der Normalbev√∂lkerung auch, dass alle in diesem Umfeld t√§tigen Personen schon des Themas m√ľde sind. Da es sich ja um eine ernsthafte Erkrankung mit ernster Prognose handelt, ist dies f√ľr das Behandlungsteam, neben der k√∂rperlichen Belastung auf Grund der Vorsichtsma√ünahmen, auch eine psychische Belastung. Dennoch nehme ich nach wie vor einen sehr professionellen und empathischen Umgang mit den Patienten und auch im Team wahr.

Neuartige Virus-Mutationen gelten als noch ansteckender als die bisherige Variante. Inwiefern bemerken Sie das in Ihrem beruflichen Alltag?

Die Tatsache, dass nun h√§ufiger auch j√ľngere Patientengruppen einen schweren Verlauf der Erkrankung aufweisen, ist zu einem gro√üen Teil durch das Auftreten dieser Virusmutationen zu erkl√§ren. Insofern ist die aktuelle Situation in Ost√∂sterreich und auch in anderen Teilen Europas Folge dieser Mutationen.

Im Osten √Ėsterreichs wurde der Lockdown nun bis 18. April verl√§ngert. Glauben Sie, hilft das, um die Lage zu entlasten?

Jede Ma√ünahme, die Kontakte, und somit die Wahrscheinlichkeit einer Virus-√úbertragung vermindert, ist eine Hilfe. Aus medizinischer Sicht ist aber auch ein Befolgen aller bisher getroffenen Ma√ünahmen wie Verringerung sozialer Kontakt, das konsequente Abstandhalten und Maskentragen durch alle Bev√∂lkerungsgruppen von besonderer Bedeutung. Alle Ma√ünahmen zusammen k√∂nnen helfen, die Zahl der Neuansteckungen zu reduzieren, und so das Gesundheitssystem zu entlasten und die Zeit bis zum Greifen der immunisierenden Wirkung durch die Impfung zu √ľberbr√ľcken.

Wenn die Intensivstationen komplett ausgelastet sind, was passiert dann?

Um diese Situation zu vermeiden, wurde in den vergangenen Tagen Intensivkapazit√§t zur Behandlung von Covid-Patienten umgewidmet, und zum Teil auch zus√§tzliche Kapazit√§t f√ľr diese Patientengruppe aufgebaut. Dies geschieht basierend auf Prognoseberechnungen und sollte aus jetziger Sicht somit einer v√∂lligen √úberlastung der Intensivstationen vorbeugen. Allerdings muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass diese Betten im Regelfall nicht leer stehen, sondern sonst zur Behandlung anderer akuter Erkrankungen vorgesehen sind und dies somit nur eine L√∂sung f√ľr den akuten Krisenfall darstellt.

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