Mehr Schiffe, mehr Gäste: Hohe Nachfrage bei Flusskreuzfahrten
Das Flusskreuzfahrtschiff MS Viking Gullveig ist öfter auf der Donau unterwegs.
Mit den beiden übereinandergestapelten Balkonreihen und großflächigen Fensterfronten ähnelt die MS Viking Gullveig auf den ersten Blick eher einem Hotel als einem Schiff. Langgezogen und ruhig liegt sie am Mittwochvormittag bei der Donaustation 23 vor Krems am Ufer. Draußen glitzert das grünliche Flusswasser, innen dominieren beige Ledermöbel, helles Holz und grauer Stoff.
Wo sich normalerweise Gäste zum Essen und Trinken einfinden, hat die Donau Niederösterreich Tourismus GmbH zu einem Pressegespräch geladen, um über die Bedeutung der Flusskreuzfahrten für die Region zu sprechen. Mehr als eine halbe Million Menschen sind laut der Organisation jährlich auf dem österreichischen Donauabschnitt unterwegs. Hunderttausende Gäste und rund 25 Millionen Euro Umsatz bringe die Branche pro Jahr nach Niederösterreich.
1.500 Schiffe am Kremser Hafen
Die Anzahl der Schiffsreisenden sei in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen, erzählt Birgit Brandner‑Wallner. Sie ist Geschäftsführerin der Donau Schiffsstationen GmbH, die 36 Anlegestellen von Linz bis Budapest betreut. Während bei der Gründung im Jahr 1999 noch etwa 71 Schiffe jährlich in Krems anlegten, sind es heute rund 1.500. Mit circa 8.000 Kreuzfahrtbuchungen habe sich die Zahl der Reservierungen in dieser Zeit zudem vervierfacht.
Die Donau sei nicht nur Verkehrsweg, sondern zentraler Wirtschaftsfaktor und wichtigster Korridor für Flusskreuzfahrten in Europa, sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl‑Leitner (ÖVP). Über 43 Prozent der Gäste, die in Niederösterreich von Bord gehen, kommen aus dem deutschsprachigen Raum. Zudem seien viele Reisende aus den USA, Kanada und Großbritannien auf der Donau unterwegs. Von ihrem Aufenthalt würden vor allem Gastronomie, Kultur und regionale Produzenten profitieren, so Mikl‑Leitner.
Pater Maurus Kocher, Harald Seebacher, Birgit Brander-Wallner, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Bernhard Schröder, Heinrich und Georg Wallner beim Mediengespräch.
So habe die Schifffahrt etwa große Bedeutung für das Stift Göttweig, wie Pater Maurus erzählt. Seit über 10 Jahren kooperiert das Benediktinerkloster mit Viking Cruise. In dieser Zeit hätten sich die Besucherzahlen mehr als verdoppelt, so der Geistliche.
Balanceakt
Die Balance zwischen dem Tourismus als Wirtschaftsmotor und der Lebensqualität Einheimischer war ebenfalls Thema auf der MS Viking Gullveig. Denn die Kabinenschifffahrt bringt nicht nur Reisende, sondern auch Probleme mit sich. So kämpft etwa Dürnstein seit Jahren mit den Massen an Besucherinnen und Besuchern, die durch den kleinen Ort strömen. Bereits im Vorjahr wurde daher damit begonnen, Maßnahmen zu setzen.
Besucherlenksystem notwendig
Und diese greifen, wie Bürgermeister Johann Riesenhuber (ÖVP) sagt. Nach Absprache mit dem Unternehmen Brandner wurde etwa die Anzahl der Schiffe, die maximal gleichzeitig anlegen dürfen, reduziert. Das brachte keine Reduzierung, sondern eine Entflechtung der Gäste mit sich. Ein erster Schritt. "Aber wir sehen schon auch die Aufgabe, das zu optimieren", räumt der Ortschef ein.
Aktuell werde daran gearbeitet, ein Besucherlenksystem zu installieren. Gänzlich verstummt sind die kritischen Stimmen aus der Bevölkerung zwar nicht. Die Beschwerden hätten sich laut Riesenhuber jedoch deutlich reduziert.
Konkrete Bestrebungen, mehr Schiffe auf die Donau zu bekommen, gibt es seitens der Donau Niederösterreich Tourismus GmbH derzeit nicht. Ziel sei es, durch bessere Vernetzung mit regionalen Partnern an Land mehr Wertschöpfung in der Region zu erzielen - und das mit Rücksicht auf die Bevölkerung.
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