Betroffene ärgern sich seit einer Woche über leere Briefkästen

© KURIER/Gilbert Weisbier

Niederösterreich
10/11/2016

Kranke Postler lösen Chaos aus

In Großebersdorf sind sieben Briefträger krank. Selbst RSB-Briefe verspätet.

von Gilbert Weisbier, Ricardo Peyerl

"Seit einer Woche kommt einfach keine Post mehr", erzählt Franz Höld aus Großebersdorf im Bezirk Mistelbach. "Sogar die Empfangsbestätigungen für RSA-Briefe der Gemeinde kommen zu spät. Man weiß nicht, ob alle Anrainer bei einer Bauverhandlung wirklich geladen wurden", klagt Bürgermeister Georg Hoffinger. Eines haben Gemeindeverwaltung und Private gemeinsam: Ihre mehrfachen Beschwerden haben bisher nichts genützt. Bei der Post hofft man, die Probleme in dieser Woche in den Griff zu bekommen.

Am stärksten betroffen dürfte der Ortsteil "Am See", sein, aber auch in Putting oder Manhartsbrunn gibt es laut Bürgermeister Hoffinger Probleme.

Krankenstände

"Seit Anfang voriger Woche kommt nichts mehr. Bei der Beschwerdetelefonnummer fliegt man mehrmals hinaus, bevor man jemanden erreicht, der auch nicht hilft. Und ins zuständige Verteilerzentrum in Wolkersdorf wird man nicht einmal eingelassen, um mit jemandem zu sprechen", erzählt ein ander Gemeindebürger, der gehört hat, dass angeblich zwölf Zusteller gleichzeitig im Krankenstand sind. "Das würde einiges über den Umgang der Post mit ihren Mitarbeitern sagen", meint der Kritiker, der seinen Namen nicht bekannt geben will.

"Nein, so viele waren es nicht, aber sechs, sieben schon. Wir mussten sogar Verstärkung aus Korneuburg einsetzen. Und es ist klar, dass jemand, der einspringt, einen Rayon nicht so gut kennt wie jemand, der das 20 Jahre macht", betont Michael Homola von der Österreichischen Post.

Man sei in einigen Gebieten noch etwas im Rückstand, aber länger als zwei oder drei Tage Verzögerung habe es nie gegeben, betont der Postsprecher. Zur Zustellung von RSA-Briefen der Gemeinde vermutet Homola, dass die Betreffenden nach einem vergeblichen Zustellversuch die hinterlegten Briefe bei der Post spät abgeholt haben. "Das ist für uns ein normaler Brief, der in ein, zwei Tagen zugestellt wird", betont Homola.

"Ich habe das Gefühl, dass nur jeden zweiten Tag jemand kommt", meint jedenfalls Grafiker Hanns Peter Andress. Er hofft wie viele andere, dass die Zustellung bald wieder klaglos funktioniert.

Zeitdruck

Ein Wiener Briefträger stopfte kistenweise Postsendungen in eine Tischlade bzw. warf sie in den Altpapier-Container. Die Disziplinarkommission verhängte 1200 Euro Strafe. Ein Kollege versteckte 141 Poststücke unter der Bodenplatte seines Zustellkarrens, wurde aber wegen Einschränkung der Konzentration sowie der „kognitiven Breite“ im Disziplinarverfahren freigesprochen. Der KURIER berichtete.
Nun kommt ein Zusteller dazu, der ein sperriges Paket einfach in den Briefkasten gestopft und die Unterschrift des Adressaten gefälscht hat. Er wurde mit einer Geldbuße über 150 Euro belegt, die er in drei Monatsraten abstottern darf.
Der Briefträger hatte ein Paket des Absenders Amazon zuzustellen. Inhalt: Ein eBook-Reader der Marke Kindle. Weil niemand daheim war, steckte er das Paket in den Briefschlitz, wobei es deutlich herausragte. Den Empfang quittierte er selbst mit unleserlicher Paraphe. Das Paket wurde gestohlen.
Amazon schickte dem Kunden den eBook-Reader freundlicherweise ein zweites Mal und forderte von der Post bisher keinen Regress. Der Briefträger redete sich auf Zeitdruck aus.

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