Klare Kriterien für die Impfstoff-Verteilung gefordert

Impfung
Wer eine Grippeimpfung bekommt und wer nicht, müsse einem Plan folgen, der von Experten ausdiskutiert wurde, fordert man.

Für Verunsicherung sorgen in diesem außergewöhnlichen Jahr nicht nur die zu geringen Mengen des Grippe-Impfstoffs in Österreich – wie der KURIER berichtete –, sondern nun auch dessen Verteilung.

Deutlich mehr Menschen als üblich wollen sich dieses Jahr impfen lassen. Eine Entwicklung, die zwar theoretisch von allen Seiten begrüßt wird, praktisch aber schwierig ist – denn der Impfstoff ist knapp. Mit einer solchen Knappheit sei man noch nie konfrontiert gewesen, stellt der nö. Patientenanwalt Gerald Bachinger fest. Ein solcher Engpass sei aus seiner Sicht nicht rechtzeitig absehbar gewesen.

Damit die Verteilung also sinnvoll und fair funktioniert, brauche es einen klaren Plan, der auch ausdiskutiert werden solle, fordert Bachinger. Vor allem im Hinblick auf einen möglichen Corona-Impfstoff sei es wichtig, eine solche Diskussion schon jetzt anzustoßen, um einheitliche und durchdachte Kriterien festzulegen. Eine solche breit angelegte Diskussion fehle momentan noch.

Risikogruppen impfen

In den nö. Apotheken sind die Impfstoff-Vorräte laut Apothekerkammer größtenteils aufgebraucht. Das Land NÖ beschaffte nun noch 80.000 Impfdosen, die im Dezember ankommen und mit denen Risikogruppen gratis geimpft werden sollen. Eine Übersicht, wer zu einer solchen Gruppe gehört, gibt es zwar auf der Webseite des NÖ-Notrufs – das sind etwa chronisch Kranke, Menschen über 65 oder auch mobiles Pflegepersonal –, eine rechtliche Basis hätte das laut Bachinger aber noch nicht.

Die zuständige nö. Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) hält fest, man habe sich bei der Definition der Risikogruppen an die Empfehlungen des Gesundheitsministeriums gehalten. Ärzte sollen außerdem die Impfung „nach ihrer fachlichen Expertise“ verabreichen. Gegenüber der Ärzteschaft seien aber viele Fragen offen gelassen worden, schreibt der Hausarzt Oliver Rückert am Mittwoch in einem offenen Brief an die Landesregierung und die nö. Ärztekammer (ÄKNÖ). Fragen seiner Patienten müsse er deshalb momentan noch unbeantwortet lassen. Vom Land verwies man schon zuvor auf den NÖ Notruf für Fragen.

Die ÄKNÖ arbeite laut Hausärzte-Sprecher Max Wudy noch an den Details zur Impfaktion. Geplant ist wohl eine Webseite, über die Ärzte den Impfstoff direkt bestellen sollen. Über Finanzielles werde momentan noch mit der Gesundheitskasse verhandelt. Erst wenn die Gespräche abgeschlossen sind, soll es genaue Infos für die Hausärzte geben. 

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