Auch bei den Fünf- bis Neunjährgen steigt die Zahl der Keuchhusten-Infektionen. Bei Kleinkindern sind besonders schwere Krankheitsverläufe möglich.

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Chronik Niederösterreich
09/03/2020

Kinderärzte: Niederösterreich verlor die meisten Vertragsärzte

Die Gesundheitskasse prüft momentan ein mögliches Ambulatorium mit einem Kinder- und Jugendheilzentrum in St. Pölten.

von Theresa Bittermann

Aus einer Anfragebeantwortung der Neos geht hervor, dass Niederösterreich im Bundesländervergleich bei der kassenärztlichen Versorgung im Bereich Kinder- und Jugendheilkunde am schlechtesten aussteigt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Vertragsärzte für Kinder in ganz Österreich um 13 Vertragsärzte reduziert, fünf davon sind in Niederösterreich weggefallen. Das ist der höchste Wert eines einzelnen Bundeslands. In Wien zum Beispiel sind es vier Ärzte weniger, in Oberösterreich zwei.

Gleichzeitig hat die Zahl der offenen Kassenstellen in Niederösterreich stark zugenommen. 2009 waren es noch null offene Stellen, 2019 schon acht. Aktuell sind sogar elf Kassenstellen der Kindermedizin in Niederösterreich unbesetzt. Zwei weitere werden demnächst frei. Insgesamt sind in NÖ 20 Facharztstellen der Kasse ausgeschrieben, 13 davon betreffen die Kinder- und Jugendheilkunde.

Gleichzeitig zeichnet sich auch in Niederösterreich der Trend vom Kassenarzt zum Wahlarzt intensiv ab. Denn während es fünf Kinderärzte mit Kassenvertrag weniger gibt, ist die Zahl der Wahlärzte im selben Zeitraum um 22 gestiegen. Seitens der Ärztekammer NÖ (ÄKNÖ), der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) und der Landespolitik erkennt man das Problem. Neu ist es nicht: „In der Vergangenheit wurden zu wenig Kinderärzte ausgebildet, die Universitäten sind hier dringend gefordert“, so die Einschätzung der ÖGK. Eine Frage, die es auf Bundesebene zu lösen gelte, hieß es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Das Land NÖ unterstütze jedenfalls junge Leute beim Einstieg ins Medizinstudium zum Beispiel bei den Gebühren.

Robert Weinzettel, Fachgruppenobmann der Kinder- und Jugendheilkunde von der ÄKNÖ, macht das Problem an zwei wesentlichen Punkten fest: „Als Wahlarzt kann man sich wesentlich mehr Zeit für die Patienten nehmen. Auch Gesprächszeit kann ich dann verrechnen, was im Kassenvertrag nicht möglich ist. Etliche spezielle Behandlungen können außerdem nicht über die Kasse abgerechnet werden“, sagt er. Moderne Modelle der Zusammenarbeit unter Ärzten würden laut Weinzettel auch eine Aufwertung bringen.

Ambulatorium in Prüfung

Jenen Wunsch hat die ÖGK erkannt. In St. Pölten werde momentan ein mögliches Ambulatorium mit einem Kinder- und Jugendheilzentrum geprüft, heißt es auf Anfrage des KURIER. Wenn Stellen nicht nachbesetzt werden können, will die ÖGK außerdem versuchen alternative Lösungen in der Zusammenarbeit mit Spitälern zu schaffen.

Auch Edith Kollermann, Gesundheitssprecherin der Neos NÖ, sieht im Trend zum Wahlarzt eine gestärkte Zwei-Klassen-Medizin und übt Kritik: „Wer es sich leisten kann, geht mit den Kindern zum Wahlarzt. Wer es sich nicht leisten kann, bleibt zu Hause und hofft auf Besserung“, sagt sie. Eine Situation, die auch die ÖGK ändern will. Aus dem Büro Königsberger-Ludwig hieß es dazu: „Ziel muss es sein, die Versorgung innerhalb eines solidarisch finanzierten Gesundheitssystem möglichst flächendeckend mit Kassenärzten bestreiten zu können.“

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