Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Keine Ruhe um Stupa-Projekt

Nach einer privaten Flugblatt-Aktion mischt sich jetzt auch BZÖ-Chef Stadler ein, und spricht von einem "Götzentempel".

Keine Ruhe will um das Stupaprojekt in Gföhl, Bezirk Krems, einkehren: Nach Streit im Gemeinderat und einer angekündigten Volksbefragung, hat jetzt eine pensionierte Lehrerin in einem Postwurf zum Widerstand gegen den Sakralbau aufgerufen. Und nun mischt sich auch noch BZÖ-Landeschef Ewald Stadler mit den Worten "Wir brauchen diesen Götzentempel nicht" ein. Indessen bleibt die katholische Amtskirche stumm.

Wie berichtet, war eine Wiener Stiftung auf ihrer Suche nach einem Standort für das größte europäische buddhistische Friedensdenkmal - Stupa genannt - auf Gföhl gestoßen. Mit Unterstützung von VP-Bürgermeister Karl Simlinger fand sie - im zweiten Anlauf - ein passendes Grundstück. Wie berichtet, warf die Opposition dem Stadtchef vor, die Vorbereitungen hinter ihrem Rücken getroffen zu haben. "Dabei habe ich in einer Sitzung gleich zu Beginn alle informiert", betont Simlinger.

Jedenfalls haben sich SPÖ, Bürgerliste WFG und der freiheitliche Mandatar - er ist eigentlich Koalitionspartner der VP - zu einer Volksbefragung entschlossen. "Ich bin persönlich für das Projekt, aber man darf die Bevölkerung nicht übergehen", hatte SP-Chef Günter Steindl erklärt.

Er und seine Mitstreiter haben jetzt einen Unterstützer gewonnen, den sie sich nicht gewünscht haben: Der Jurist, BZÖ-NÖ-Chef und ehemalige Volksanwalt Ewald Stadler sichert einer Initiative zur Verhinderung des Baus seine rechtliche Unterstützung zu. "Wir brauchen diesen Götzentempel nicht", sagt er.

Vorgangsweise

"Das haben wir gerade noch gebraucht", seufzt Johannes Pernerstorfer, Chef der Gföhler Bürgerliste WFG: "Es soll gar nicht ums Religiöse und nicht ums Politische gehen. Was mir dabei nicht gefällt, ist die Vorgangsweise", betont er. Aus seiner Sicht hätten Vertreter der Stiftung "vergessen" zu erwähnen, dass sie bereits an mehreren anderen Orten abgeblitzt seien. "Ob es sein muss, dass ein Stupa das erste ist, was man von Gföhl sieht, wenn man anreist, weiß ich nicht. Aber ich werde auch damit leben können, wenn die Anlage kommt", ergänzt Pernerstorfer.

Der katholische Diözesanbischof Klaus Küng, der angeblich Kontakt zur Stiftung hat, will sich jedenfalls ebenso wenig zum Projekt oder den Aktivitäten seiner Schäfchen im Zusammenhang damit äußern wie Kardinal Christoph Schönborn.

Die Donauuni Krems veranstaltet übrigens 2012 ein viertägiges Seminar zur Mediation bei interreligiösen Konflikten an.