Kein Spardruck beim Hochwasserschutz in NÖ

Für heuer und 2027 sind Investitionen in der Höhe von über 160 Millionen Euro für 59 Schutzbauten vorgesehen. Viel Geld fließt auch in moderne Prognosesysteme für Wasserstände und Wetter.
UNWETTER: AUFRÄUMEN IN NIEDERÖSTERREICH / ZWETTL

Gäbe es den düsteren Hintergrund nicht, würden Investitionen der öffentlichen Hand im Ausmaß von über 160 Millionen Euro in Bauprojekte wohl für lauten Jubel sorgen. Doch diese respektable Summe wird heuer und nächstes Jahr für Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmungen ausgegeben.

Nach der historischen Hochwasserkatastrophe im Herbst 2024 ist der Schutz vor den Fluten kein Thema bei dem gespart wird: Der Schaden betrug über eine Milliarde Euro, 23.000 Häuser wurden überschwemmt, 360 Millionen Euro an Hilfsleistungen mussten an die Flutopfer ausbezahlt werden. „Was hat sich geändert?“, fragt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf in einer Replik auf die großen Katastrophen seit 2002. "Von Mal zu Mal sind wir besser vorbereitet. Seit 2002 wurden über 300 Gemeinden hochwassersicherer gemacht.“ Auch wurden seit 2002 1,7 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz in NÖ investiert – hier sind auch Gelder des Bundes eingerechnet.

Projektpräsentation

Flankiert von NÖ Wasserbauchef Martin Angelmaier und Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner berichtet Pernkopf im NÖ Flussbauhof Plosdorf bei Böheimkirchen von 75 Hochwasserprojekten.

Fahrafellner, Pernkopf, Angelmaier

Landesfeuerwehrchef Fahrafellner, LH-Stellvertreter Pernkopf, Wasserbauchef Angelmaier bei der Präsentation.

2024 habe deutlich gemacht, wie entscheidend Vorsorge sei. Dort, wo in den Flutschutz investiert wurde, konnten noch größere Schäden verhindert werden. Deshalb werde 2026 konsequent weitergebaut, so Pernkopf. Rund ein Drittel der Maßnahmen ziele darauf ab, Wasser zurückzuhalten und Gewässern durch Rückhaltebecken oder Flussaufweitungen mehr Platz zu geben.

Nachdem 2025 16 Projekte um rund 40 Millionen Euro abgeschlossen wurden, befinden sich derzeit 31 Baumaßnahmen in Umsetzung. Darunter sind große Vorhaben, etwa an der Piesting bei Wöllersdorf (15 Mio. Euro) oder am Hagenbach in St. Andrä-Wördern (12,8 Mio. Euro). Heuer fällt der Startschuss für 28 Projekte. Mit den Flüssen Perschling, Melk, Nadelbach oder Schwechat, an denen Schutzbauten errichtet werden, finden sich im Programm etliche der schlimmsten Überschwemmungsgebiete der vergangenen Jahre wieder. Die größten Brocken sind am Hassbach bei Warth (16 Mio. Euro) und am Unterlauf der Perschling (15 Mio. Euro).

Wetterprognose

Die Projekte brächten nicht nur Sicherheit, sondern seien auch ein kräftiger Wirtschaftsimpuls: Pernkopf weist darauf hin, dass die 160 Millionen Euro für heuer und 2027 mit 2.600 Arbeitsplätzen gleichzusetzen seien.

Großen Wert legen sowohl die Landeswasserbauer als auch die Feuerwehr auf moderne Prognosesysteme. Im letzten halben Jahr wurden 40 neue Pegelstationen an Bächen und Flüssen errichtet. Mit Prognosen an 59 Pegelstellen verfüge NÖ über mehr Vorhersagepunkte als alle anderen Bundesländer zusammen, erklärt Pernkopf. Insgesamt gibt es in NÖ 930 Messstellen, von denen 360 in Echtzeit auf der Landeshomepage einsehbar sind. Angelmaier hält fest, dass bei der Flut 2024 durch die Pegelkontrolle am Kamp weit größere Schäden vermieden werden konnten, weil durch die Prognosen frühzeitig Wasser vom Stausee Ottenstein abgelassen wurde.

Feuerwehr rüstet auf

Sechs Millionen Euro werden die NÖ Feuerwehren in Katastrophenschutzausrüstung mit Großpumpen, Sandsackfüllanlagen, Schlauchmaterial oder dem dritten Containerterminal in Tulln investieren. Überdies werden 100 Feuerwehrhäuser mit Wettermessstationen ausgerüstet, womit man über ein hochkomplexes Wetterprognosesystem verfügen werde, sagt FF-Landeschef Fahrafellner.

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