Hochwasserforschung in NÖ: Ein Projekt blickt Jahrhunderte zurück
Auch Melk wurde vom Hochwasser immer wieder hart getroffen.
Die Hochwasserkatastrophe vom September 2024 wird vielen Niederösterreichern für immer in Erinnerung bleiben. Es gab Todesopfer und in weiten Teilen des Landes massive Schäden.
Doch Niederösterreich wurde in der Vergangenheit immer wieder von enormen Überschwemmungen heimgesucht – auch bereits vor dem 19. Jahrhundert. So etwa im Juli 1736, als ein Sommerhochwasser zu erheblichen Überflutungen führte.
Die Historie zeigt jedenfalls, wie anfällig viele Regionen entlang von Flüssen für extreme Wetterereignisse sind.
Lehren für die Zukunft
Aus dieser Erfahrung heraus startet nun ein wissenschaftliches Projekt, das weit in die Vergangenheit blickt: Historische Hochwässer sollen systematisch erfasst und ausgewertet werden, um daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen.
Geleitet wird das Projekt von Gertrud Haidvogl vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). Ziel ist es, Hochwasserereignisse über mehrere Jahrhunderte hinweg zu dokumentieren und ihre Häufigkeit sowie Intensität besser einordnen zu können. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels sollen langfristige Entwicklungen sichtbar gemacht werden, die in modernen Messreihen allein nicht erkennbar sind.
Denn verlässliche Pegelmessungen existieren erst seit dem späten 19. Jahrhundert. Um weiter zurückzugehen, greifen die Forscher auf historische Quellen zurück: Hochwassermarken an Häusern und Brücken, handschriftliche Chroniken, Pfarr- und Gemeindearchive sowie private Aufzeichnungen. Diese oft unbeachteten Zeugnisse liefern wertvolle Hinweise darauf, wie stark und wie häufig Flüsse in früheren Zeiten über die Ufer traten.
Pernkopf sagt Unterstützung für das Projekt zu.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf jenen Gemeinden und Gewässern, die vom Hochwasser im September 2024 betroffen waren. Die jüngsten Ereignisse sollen in einen größeren zeitlichen Zusammenhang gestellt werden. Für viele Betroffene ist dabei eine zentrale Frage von Bedeutung: Handelte es sich um ein einmaliges Extremereignis – oder reiht es sich in ein länger bestehendes Muster ein?
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Bevölkerung selbst. Bürger sind eingeladen, als sogenannte „Citizen Scientists“ aktiv mitzuwirken. Sie können Hochwassermarken in ihren Heimatorten dokumentieren und diese in eine öffentlich zugängliche Online-Datenbank eintragen.
Auch Erinnerungen, lokale Überlieferungen und historische Hinweise fließen so erstmals systematisch in die Forschung ein. Das Land Niederösterreich unterstützt das Projekt mit 54.500 Euro.
Bürger können sich melden
Wissenschaftslandesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) betont die Bedeutung dieses Ansatzes: Die Hochwasserkatastrophe 2024 habe eindringlich gezeigt, dass Extremereignisse reale Bedrohungen für Gemeinden darstellen. Gerade deshalb sei es entscheidend, aus der Vergangenheit zu lernen und wissenschaftliche Erkenntnisse mit dem Wissen der Menschen vor Ort zu verbinden.
In der Vorbereitungsphase des Projekts werden seitens des BOKU-Projektteams die Topothek und die Datenbank eingerichtet sowie die Guidelines für die Citizen Scientists ausgearbeitet (Beschreibung der zu erfassenden Parameter und Daten). Weiters werden die Citizen Scientists kontaktiert und im Rahmen von Informationsveranstaltungen geschult.
Interessierte können sich unter wissenschaft-vermittlung@noel.gv.at melden.
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