© Johannes Weichhart

Chronik | Niederösterreich
05/22/2019

„Kein Fall wird zu den Akten gelegt“

Hannes Fellner, der neue Chef der Mordkommission, über seinen „heftigen Start“ und die Vernetzung mit EU-Behörden

Seine hünenhafte Erscheinung hilft vielleicht, das ein oder andere Geständnis zu bekommen. Darauf kann sich Hannes Fellner aber nicht verlassen. Der 48-jährige aus dem Mostviertel ist der neue Leiter der Mordkommission im niederösterreichischen Landeskriminalamt. Seit 1. April ist er offiziell mit dem Chefposten betraut.

Polizist ist Fellner seit 1988. Nachdem die Arbeit am damaligen Gendarmerieposten Alland „nicht das war, was ich mir vorgestellt hatte“, wechselte er schon nach drei Jahren als „Kieberer“ zur Kriminalabteilung. Seither hat er es mit den aufsehenerregendsten Kriminalfällen und damit auch mit menschlichen Tragödien zu tun. In Erinnerung bleiben vor allem Fälle wie jener von Josef Fritzl oder jener des Wilderers von Annaberg, der drei Polizisten und einen Sanitäter erschoss.

Serie an Bluttaten

Bis Ende 2018 machte Hannes Fellner eine spannende Berufserfahrung im Ausland. Als österreichischer Verbindungsbeamter bei Europol in Den Haag kümmerte er sich um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Kampf gegen Verbrecherbanden. „Wir haben offene Grenzen. Kriminelle agieren international. In einem Land begeht ein Täter einen Raub, in einem anderen einen Diebstahl. Wichtig ist die Zusammenarbeit der Behörden“, sagt der Chefinspektor.

Etwas anders vorgestellt hatte er sich seine Rückkehr zum nö. Landeskriminalamt Anfang des Jahres. Innerhalb von wenigen Wochen erschütterten fünf Frauenmorde in Kurzer Folge Niederösterreich.

„Der Start war schon eher heftig “, sagt er. Weil in drei Fällen die tatverdächtigen Asylwerber oder Zuwanderer sind, wurde eine Debatte über die gesteigerte Gewaltbereitschaft verschiedener Ethnien vom Zaun gebrochen.

„So etwas muss man sich über einen längeren Zeitraum hinweg ansehen. Die aktuellen Fälle sind genau analysiert worden. Keinen einzigen hätte man im Vorfeld verhindern können“, betont Fellner im Gespräch mit dem KURIER.

Die kriminalistische Arbeit der Ermittler hat sich gewandelt. Im Fall eines 42-Jährigen, der gestanden hat, in Krumbach seiner Ex-Lebensgefährtin aufgelauert und sie erstochen zu haben, verbrachten die Kriminalisten stundenlang mit Computeranalysen. „Man konnte über Jahre hinweg massives Stalking nachweisen“, erklärt der Mordermittler.

Fellner und seinem Team ist aber auch die Klärung von Bluttaten, die manchmal schon Jahrzehnte zurückliegen, ein großes Anliegen. „Bei uns wird kein Fall einfach so zu den Akten gelegt. Aber natürlich muss einem Ermittler immer auch klar sein, dass man nicht jede Tat klären kann. Das bringt der Job einfach mit sich.“