Kaplan in Waidhofen/Ybbs lässt Brauch des Agatha-Brots aufleben

Kaplan und Ministrant mit Agatha-Brot
Alte Tradition als symbolischer Akt gegen Gewalt an Frauen.

Tradition mit Symbolkraft ist in der katholischen Kirche rund um den Lichtmess-Tag (2. Februar) mit dem Blasiussegen sehr lebendig. In Waidhofen/Ybbs hat der junge Kaplan Luca Fian einen weiteren uralten Brauch zum Festtag der Heiligen Agatha am 5. Februar übernommen. Das Agatha-Brot wird an diesem Tag gebacken und in der Kirche gesegnet. Gerade in der heutigen Zeit, mit der so massiven Gewalt gegen Frauen, ist diese Tradition ein Fingerzeig aus der Vergangenheit.

Der Brauch des Agatha-Brots ist in vielen Regionen Europas bekannt und lebendig. Im Mostviertel eher unbekannt, holte es der aus Kärnten stammende Kaplan Luca Fian ins Ybbstal. Unterstützt von der Waidhofner Bäckerei Piaty wurden am 5. Februar des Vorjahres in der Pfarrkirche im Rahmen der Frühmesse in Waidhofen Zell kleine runde Brotlaibe, die Piaty in ihrer speziellen Form gespendet hatte, gesegnet. In der Bäckerei wurde das Agatha-Brot ebenfalls angeboten und von der Kundschaft mit viel Interesse aufgenommen.

Märtyrerin

Dabei ist die Geschichte hinter den Broten, die eine weibliche Brust darstellen sollen, alles andere als genüsslich: Das Schicksal der Agatha von Catania, die im 3. Jahrhundert auf Sizilien gelebt haben soll, gehört nämlich zu den grauenhaftesten Märtyrergeschichten der Kirche. Als junge Frau verschrieb sie sich jungfräulich dem Glauben und lehnte den Heiratsantrag des heidnischen Statthalters, Quintinian, ab.

Weil Agatha ihn zurückgewiesen hatte, ließ sie der Statthalter quälen und zwangsweise in ein Bordell verschleppen. Da sie ihn nach dieser Zeit immer noch ablehnte, wurde sie verurteilt und der barbarische Statthalter ließ ihr die Brüste abschneiden. Auf glühenden Kohlen soll Agatha dann gestorben sein.

Brauchtum

Das Agatha-Brot soll es seit Jahrhunderten geben und es soll Glück sowie Schutz vor Feuer in die Häuser bringen. Nach Agathas Tod soll ein von ihr getragener Schal, der am Boden aufgelegt worden war, verhindert haben, dass Catania beim Ausbruch des Ätna von der glühenden Lava vernichtet worden ist. Agatha ist auch eine Schutzheilige der Feuerwehren.

Kaplan Fian sieht aber vor allem im Tod der Heiligen eine Botschaft. "Es ist ein alter, aber auch noch heutzutage gepflogener katholischer Brauch, der sich symbolhaft gegen die Unterdrückung der Frau wendet“, sagt er. In der Zeller Stadtpfarrkirche gibt es am Donnerstag Gelegenheit, diese Tradition um die italienische Heilige mitzuerleben. Die Messe mit der Brotsegnung beginnt um 7.30 Uhr. Danach wird der Kaplan auch das Brot in der Bäckerei Piaty am Unteren Stadtplatz segnen.

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