Bausperren in der Altstadt von Waidhofen/Ybbs verlängert
Bgm. W. Krammer, H. Schedlmayer, StR M. Dowalil, P. Aichinger-Rosenberger und Th. Kummer vom Bauamt (v.l.).
Nicht nur angesichts der in einem Jahr anstehenden Gemeinderatswahl in Waidhofen an der Ybbs ist die Verhängung einer Bausperre in weiten Teilen des Stadtkerns ein Reizthema. Um schützenswerte Altstadthäuser und ein historisches Stadtbild vor Abriss oder wilden Umbauten zu schützen, wurde die Bausperre vor zwei Jahren verhängt und in der vergangenen Gemeinderatssitzung mit großer Mehrheit um ein weiteres Jahr verlängert.
Im Februar 2024 fast in einer geheimen Kommandosache im Gemeinderat beschlossen, sollten zügellose Bauwünsche der Stadtbewohner unter Kontrolle gehalten werden. Ziel sei es, eine Schutzzonenverordnung vorzubereiten, so Baustadtrat Martin Dowalil (Liste FUFU).
Darin würden genaue Leitlinien und ein Teilbebauungsplan strikte Vorgaben für Um- oder Neubauten in der Innenstadt, in der Vorstadt Leithen und im alten Teil von Zell vorgegeben.
Verlängerung
Weil die komplexe Schutzzonenverordnung noch nicht fertiggestellt werden konnte, musste eben nun nochmals die Bausperre verlängert werden, erklärte Dowalil im Gemeinderat. Wo ein Schlagabtausch Dowalils mit dem FPÖ-Gemeinderat Josef Gschandegger die politische Brisanz des Themas zeigte.
Der FPÖler kritisierte die Dauer der Bausperre und der Schutzzonenvorbereitung: "Was habt ihr die zwei Jahre gemacht?“ Die Stadt solle lebendig bleiben und dürfe nicht zum Museum werden, enthielt sich Gschwandegger als einziger der Stimme.
Polit-Geplänkel
Dowalil wies auf die komplexe Vorbereitung der künftigen Schutzzone hin und auch darauf, dass der FPÖ nahestehende Hausbesitzer Eingaben forcieren und so das Projekt verzögern würden. Die Planunterlagen wurden öffentlich aufgelegt sowie online auf der Website der Stadt zugänglich gemacht und umfassend erklärt.
Historische Baukultur soll erhalten bleiben.
Nun werden alle dazu eingelangten Rückmeldungen bearbeitet. „Die Hinweise von Anrainerinnen und Anrainern werden unmittelbar geprüft, die geplanten Schutzzonen nochmals gezielt diskutiert und anschließend so schnell wie möglich zur Beschlussfassung vorbereitet“ erklärte Bürgermeister Werner Krammer (ÖVP).
Persönliche Beratung
Die Auflage und die Einsicht in die Pläne des künftigen städtischen Schutzgebiets wurden jedenfalls intensiv genützt. Zusätzlich hat die Stadt für alle, die es ganz genau wissen wollten, persönliche Beratungen mit Peter Aichinger-Rosenberger (Amt der NÖ Landesregierung) und Raumplaner Herfrid Schedlmayer organisiert. In diesen Gesprächen sei es nicht nur um Gesetzespassagen gegangen, sondern auch um konkrete Fragen, Sorgen, Anregungen und auch um den Wunsch, dass bauliche Veränderungen zum Stadtbild passen müssen und dem Ambiente langfristig guttun sollen.
Hitzige Debatten
In der Stadt wird die Einschränkung für die Hausbesitzer und Bauherrn jedenfalls rege diskutiert. Neben zahlreichen privaten Eingaben zum Schutzzonenprojekt engagierte eine Gruppe von Hausbesitzern auch ein Anwaltsbüro, das eine 22-seitige Stellungnahme eingereicht hat.
Wichtig ist den Stadtverantwortlichen in der Diskussion immer wieder der Hinweis, dass die Bausperre kein Baustopp sei. Unter Einbeziehung des Stadtbaubeirats seien Bauvorhaben unter vorheriger Prüfung sehr wohl möglich, wie auch aktuelle Bauvorhaben zeigen, so Dowalil.
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