Chronik | Niederösterreich
26.01.2015

Jugendkandidat gewann ÖVP-Duell um Bürgermeister

In Haag gewann der 27-jährige Lukas Michlmayr das Vorzugsstimmenrennen um den Stadtchef. Die Stimmung trübt dort der plötzliche Tod von Altbürgermeister Andesner. Im Amstetten verlor die SPÖ die Absolute.

Unter etlichen spannenden Schauplätzen im Westbezirk Amstetten lieferte die Bezirkshauptstadt selbst die größte Sensation. Die Kampfansage von fünf Parteien gegen die SPÖ-Absolute in Amstetten ging auf. Die SPÖ unter Bürgermeisterin Ursula Puchebner büßte vier Mandate und mit jetzt 20 Sitzen auch die Mehrheit im Gemeinderat ein. Die FPÖ baute ihre Gemeinderatszahl mit plus zwei auf sieben aus, die Grünen holten einen dritten Sitz, die Neos erreichten ein Mandat, die ÖVP blieb auf zehn. Im ersten Schock machte Puchebner die geringe Wahlbeteiligung und das Antreten von sechs Gruppen für die Niederlage verantwortlich. Ihr Vorgänger, SPÖ-Langzeitbürgermeister Herbert Katzengruber „Kopf hoch“, stellte sich demonstrativ hinter Puchbener und erinnerte an seine Zeiten als Bürgermeisterneuling, wo die SPÖ auch einmal nur bei 19 Mandaten lag. ÖVP-Stadtvize Dieter Funke blieb mit zehn Sitzen gleich. Er will jetzt die Gespräche mit der SPÖ abwarten. Fix ist, dass die FPÖ von der SPÖ einen zweiten Stadtrat übernimmt. Grün-Spitzenmann Gerhard Haag hatte schon vor der Wahl angekündigt im Fall des Falles Regierungsverantwortung übernehmen zu wollen.

27-Jähriger Bürgermeister Schauplatzwechsel nach Stadt Haag. Mit einem ÖVP-internen Vorzugsstimmenrennen um den Anspruch auf das Bürgermeisteramt sorgte die ÖVP in Stadt Haag für separate Spannung. Lukas Michlmayr, 27, der Obmann der JVP Niederösterreich, bewarb sich gemeinsam mit dem amtierenden Haager Vizebürgermeister Rudolf Mitter um das Amt des Stadtchefs und konnte mit 679 zu 314 ganz eindeutig mehr persönliche Stimmen einheimsen als sein Mitbewerber. Michlmayr wird somit von der ÖVP im Gemeinderat als Bürgermeisterkandidat nominiert. Im Gemeindeparlament hielt die ÖVP Haag ihre Absolute mit 16 Sitzen, die SPÖ verlor zwei Mandate und hat sechs, die Liste „Für Haag“ gewann zwei und hält ebenfalls bei sechs. Die FPÖ holte einen GR-Platz.
„Die Freude über den Erfolg war Sonntag aber plötzlich weg“, erzählt Michlmayr. Josef Andesner, der Vorgänger des noch bis Februar amtierenden Stadtchefs Josef Sturm, starb 78-jährig am Nachmittag des Wahltags. Bis Mittag war der frühere Haager Stadtamtsdirektor und Bürgermeister noch Wahlbeisitzer.

Erdrutsch In Aschbach sorgte das Antreten einer neuen Bürgerliste für einen Erdrutsch bei der Mandatsverteilung. Die ÖVP und die SPÖ verloren massiv an die Liste „WIR“, die auf Anhieb mit sieben Sitzen in den Gemeinderat kommt. Die ÖVP mit Bürgermeister Franz Kirchweger büßte sechs Sitze ein und hält mit zwölf Mandaten nur mehr eine Absolute mit einem Gemeinderatssitz Vorsprung. Die SPÖ verlor drei ihrer fünf Gemeinderäte. Die FPÖ schaffte beim ersten Antreten zwei Sitze. Die Liste „WIR“ kritisierte mangelnde Transparenz bei Bauprojekten der Gemeinde. Viele Aktivisten der Liste stammen aus den Kadern der ÖVP und SPÖ.
Ein besonderer Hotspot war die Gemeinde Sonntagberg: Dort sorgte ÖVP-Bürgermeister Thomas Raidl für klare Verhältnisse. Die ÖVP, die 2010 mit Hilfe der von der SPÖ abgesprungen Liste Friedrich Huber die traditionelle Bürgermeisterpartei SPÖ aushebeln konnte, errang nun mit plus drei auf 14 Mandate die Absolute. Die SPÖ büßte vier Sitze ein, die Liste Huber verlor eines von zwei Mandaten. In Sonntagberg waren insgesamt um zwei Sitze weniger zu vergeben.
Nur zwei Stimmen zugusten der SPÖ hatten 2010 in St. Georgen am Reith SPÖ-mann Helmut Schagerl das Bürgermeistermeisteramt gerettet. Am Stimmenverhältnis 8 (SPÖ) zu 7 (ÖVP) hat sich am Sonntag in St. Georgen am Reith nichts geändert. Doch bei den Stimmen hängte die SPÖ die ÖVP mit 295 zu 251 deutlich ab.
Knapper wurde es in der Nachbargemeinde Hollenstein an der Ybbs für den erstmals als Spitzenmann kandidierenden SPÖ-Bürgermeister Manfred Gruber. Die SPÖ verlor einen Sitz an die ÖVP. Jetzt steht es 10 zu 9 im Gemeinderat.
Spannende Koalitionsverhandlungen stehen auch SPÖ-Bürgermeister Rudolf Bscheid in St.Pantaleon ins Haus. Er hält nur mehr zehn Sitze, ein Mandat ging an die FPÖ (nun zwei) verloren. Die ÖVP blieb auf neun . Die Bürgermeisterwahl wird spannend.
Klare Verhältnisse gibt es hingegen in der ehemaligen SPÖ-Hochburg Kematen an der Ybbs. Dort festigte ÖVP-Bürgermeisterin Juliana Günther ihre Position mit dem Zugewinn eines Sitzes. Die ÖVP hält nun 14, die SPÖ steht nach einem verlorenen Platz auf acht.