Amstetten: Politischer Grund hinter Aus für Jugendheimförderung
Das Don Bosco-Heim Amstetten muss aus finanziellen Gründen nach 60 Jahren im Herbst zusperren.
Heftige Kritik muss FPÖ-Landesrat Martin Antauer wegen der Streichung der Landesförderung für das traditionsreiche Jugendheim Don Bosco in Amstetten einstecken. Der blaue Landesrat gibt aber nicht nach, verschärft nun den Ton in der Auseinandersetzung und attackiert seinerseits Events im Jugendheim, die sich mit der „LGBTIQ+“-Szene befassen.
Das vom Sozialwerk Don Boscos, einer Organisation des Salesianer-Ordens, seit 60 Jahren betriebene Heim, steht, wie berichtet, aufgrund der Förderstreichung im September vor der Sperre.
Integrationslandesrat
Der für Integration zuständige blaue Landesrat Antauer bekräftigte die Streichung nun in einer Aussendung sehr vehement. „Wir schützen Steuerzahler vor links-wokem Wahnsinn“, lässt Antauer in einer Aussendung wissen und startete eine Breitseite gegen das Don Bosco-Heim. Was allerdings zugleich auch für Irritationen sorgt.
Das Don Bosco-Heim in Amstetten.
Hatte doch Antauers Büro noch zuletzt in einer schriftlichen Absage der für heuer erwarteten 50.000 Euro Förderung, die Arbeit in dem Amstettner Heim außerordentlich gelobt. Das niederschwellige Freizeitangebot, die mehrtägige Öffnung während der Woche, die Einzelfallberatungen, das Mädchencafé, Ausflüge und Workshops wurden als Aktivitäten gelobt, „die Zusammenhalt, Fairness, Verantwortung und Orientierung vermitteln“. Doch mit Bedauern müsse man mitteilen, dass aufgrund des strikten Sparkurses die Förderung derzeit nicht gewährt werden könne, hieß es im Schreiben aus Antauers Büro.
Doch nun begründete der Landesrat seine Absage doch auch deutlich mit einer klaren politischen Entscheidung. „Wir ziehen selbstverständlich Projekte vor, die der Integration dienen, wie etwa sinnvolle Sprachschulungen und nicht irgendeinen links-woken Wahnsinn, der völlig an den Lebensrealitäten der Niederösterreicher vorbeigeht“, so der FPÖ-Landesrat und verweist dabei auf einen „LGBTIQ+“-Workshop oder ein „Pride Flaggen Quiz“, die im Juni im Amstettner Don-Bosco-Heim stattfinden sollen. Das sind übrigens nur zwei von sehr vielen Angeboten, die das Heim trotz schwieriger finanzieller Basis anbietet.
„Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Steuerzahler bereit ist, solche Workshops und Veranstaltungen zu finanzieren“, beruft sich Antauer allerdings nochmals auf die Notwendigkeit von budgetären Einsparungen.
Kritik auch an Regierungspartner ÖVP
Das politische Machtspiel Antauers treibt auch den Amstetten Gemeinderat und Landtagsabgeordneten der Grünen, Dominic Hörlezeder auf die Barrikaden. Auch der Regierungspartner ÖVP schaue tatenlos zu, „wie die FPÖ christliche Jugendarbeit in Amstetten zertrümmert“, kritisiert er. Hörlezeder sieht in Antauers durchschaubaren Provokationen durch den Förderstopp eine fatale politische Tragweite.
„Es entbehrt nicht einer gewissen Bitterkeit: Da leistet ein katholischer Orden seit über sechs Jahrzehnten genau jene stabilisierende, bodenständige Sozialarbeit, die sich bürgerliche Politiker in Sonntagsreden immer wünschen – und die FPÖ dreht dieser Einrichtung aus reinem parteipolitischem Kalkül den Geldhahn zu. Das ist mutwillige Zerstörung von sozialem Zusammenhalt. Das ist mutwillige Zerstörung von Zukunftschancen“, kritisiert Hörlezeder.
Er fordert eine Rückkehr zur sachlichen Vernunft und die sofortige Wiedereinsetzung der Fördermittel: „Wir brauchen in der Jugendarbeit Verlässlichkeit und keinen Populismus auf dem Rücken unserer Kinder. Die Landesregierung muss diesen katastrophalen Fehler umgehend korrigieren, damit die Betreuerinnen und Betreuer ihre unverzichtbare Arbeit für Amstetten fortsetzen können.“
Betroffen vom nun politischen Spiel, das um die Jugendeinrichtung tobt, ist Regina Schmid, die Geschäftsführerin des Sozialwerks Don Boscos. „Die vom Landesrat kritisierten Veranstaltungen sind ein wirklich kleiner Teil des breiten Angebots, das wir bieten. Er hätte sich davon gerne vor seiner Entscheidung persönlich überzeugen können. Das ist eine rein politische Entscheidung“, sagt sie.
Letzte Gespräche
Als kleiner Hoffnungsschimmer bleiben derzeit noch Gespräche mit Repräsentanten der Stadt Amstetten, die das Heim allerdings ohnehin bereits finanziell unterstützt. Schmid: „Bedauerlich ist, dass allen klar sein muss, dass es Folgekosten beschert, wenn eine derartige Jugendeinrichtung plötzlich nicht mehr da sein wird.“
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