Förderung weg: Entrüstung über Jugendheim-Aus in Amstetten
Sparen nicht mit Kritik: SPÖ-Vizebürgermeister Gerhard Riegler und Sozialstadtrat Helfried Blutsch.
Mit Bestürzung und Kritik wurde in Amstetten die Ankündigung aufgenommen, dass das traditionsreiche Don Bosco-Jugendheim der Salesianer wegen gestrichener Fördermittel zugesperrt werden soll. Wie berichtet, wurde dem Jugendhort durch die Integrationsabteilung im Ressort von FPÖ-Landesrat Martin Antauer die Förderung in der Höhe von 50.000 Euro für heuer gestrichen.
Verschiedene politische Repräsentanten, aber auch zahlreiche Privatpersonen aus dem Mostviertel zeigen sich über Antauers Entscheidung empört. In der Jugendarbeit zu sparen, sei ein absolut falscher Weg, kommentierten Kritiker in Stellungnahmen und auf Social-Media-Kanälen.
Sperre zum Jubiläum
In der Schulstadt Amstetten wuchsen viele Generationen an Jugendlichen aus dem Bezirk mit dem Don Bosco-Heim auf. Nun hatte Regina Schmid, die Geschäftsführerin des Sozialwerks Don Boscos, das zum Orden der Salesianer gehört, gegenüber dem KURIER angekündigt, gleichzeitig mit der 60-jährigen Bestandsfeier im September das Haus sperren zu müssen.
Schriftlich war die Arbeit des Don Bosco-Heims in einem Schreiben aus Antauers Büro in höchsten Tönen gelobt und als vorbildlich bewertet worden. Doch aufgrund des Spardrucks müsse man mit Bedauern mitteilen, „dass eine weitere Förderung derzeit nicht gewährt werden kann“, wurde dem Sozialwerk Don Bosco mitgeteilt.
Das Don Bosco-Heim Amstetten beherbergte Generationen von Jugendlichen.
Es sei komplett unverständlich und kurzsichtig, dass seitens des Landes die Förderung gestrichen wird und die Betroffenen vor vollendete Tatsachen gestellt würden, ist Amstettens Vizebürgermeister Gerhard Riegler (SPÖ) aufgebracht. Im Don Bosco-Heim würde hervorragende Arbeit geleistet. Landesrat Antauer hätte es nicht einmal der Mühe wert gefunden, sich vor Ort über die Jugendarbeit zu informieren und stattdessen die Streichung veranlasst. Wie berichtet, ist die Stadt selbst ebenfalls 20-prozentiger Fördergeber für das Heim, das Land NÖ steuerte bislang 40 Prozent bei.
Für Riegler setzt Antauer falsche Prioritäten und er kritisiert die FPÖ: „Für unnötige Posten oder blaue Prestigeprojekte ist im Land Niederösterreich genug Geld da, aber einer wichtigen und erfolgreichen sozialen Einrichtung streicht FPÖ-Landesrat Antauer eiskalt die Unterstützung.“ Man werde sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass „diese wichtige Einrichtung für unsere Jugendlichen bestehen bleibt“, kündigten Riegler und der SPÖ-Sozialstadtrat Helfried Blutsch in einer Aussendung an.
Auch der Amstettner Gemeinderat der Grünen und Landtagsabgeordnete Dominic Hörlezeder zeigt sich entrüstet und fordert Landesrat Antauer zur sofortigen Rücknahme der Streichung der Förderung auf. „Was hier passiert, ist ein Anschlag auf die soziale Infrastruktur unserer Region. Sechs Jahrzehnte Jugendarbeit, Integration und Chancengerechtigkeit werden blindlings geopfert – das ist nicht nur kurzsichtig, sondern zutiefst unsozial“, so Hörlezeder.
Wertvolle Arbeit
Das Don-Bosco-Heim sei weit mehr als ein Jugendhort. Es sei ein offener Ort für Kinder und Jugendliche aus finanziell benachteiligten Verhältnissen, für junge Menschen mit Migrationshintergrund, die dort Orientierung, Gemeinschaft und Unterstützung gefunden hätten, beschreibt Hörlezeder.
Das Don Bosco-Heim in Amstetten.
„Solche Einrichtungen übernehmen gesellschaftliche Aufgaben, die wir als Gemeinschaft schulden. Sie fangen auf, was in Familien, Schulen und Behörden nicht aufgefangen werden kann. Wer das kaputtspart, zahlt später ein Vielfaches an Kriseninterventionen, Sozialleistungen und an verpassten Lebenschancen“, teilt Hörlezeder weiters mit.
FPÖ-Landesrat Antauer trage die politische Verantwortung für die Schließung des Don Bosco-Heims und damit für vertane Zukunftschancen für jedes betroffene Kind, so Hörlezeder. Die notwendigen 50.000 Euro seien bereitzustellen, fordert er.
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