Jauerling: Pistenheld ohne Siegestrophäe

Zwei Wochen lang kämpfte der Betriebsleiter rund um die Uhr gegen Tauwetter, um eine perfekte Weltcuppiste zu garantieren.

Es sind die unzähligen Helfer, die den Erfolg des Snowboard-Weltcuprennens auf dem Jauerling vergangenes Wochenende überhaupt möglich gemacht haben. Darin sind alle einig. Einen von ihnen bittet der KURIER – stellvertretend für eine ganze Heerschar – vor den Vorhang.

Durch seinen Job war der 53-jährige Betriebsleiter Leopold Haydn von Anfang dabei: Er arbeitet seit 1986 für den Jauerlinglift.

Nachtschichten

Doch als sich der Renntermin näherte und Temperaturen um den Nullpunkt das Beschneien zur Wissenschaft machten, nahm er das als persönliche Herausforderung: Fast zwei Wochen lang schlief er im Kartenhäuschen des Lifts, um nachts jede Stunde Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu kontrollieren. „Nur so weiß man, wann das Beschneien geht“, erklärt er.

„In der Zeit hab ich schlecht geschlafen. Immer wieder hab’ ich am ipod nachgeschaut. Einmal war das Schneien möglich, zwei Stunden später musste er wieder abstellen“, sagt Herta Mikesch, Präsidentin des Landesskiverbandes.

Am Tag hat Haydn normal weiter gearbeitet. „Es hat halt immer jemand was gebraucht. Ständig haben wir mit dem Motorschlitten und der Pistenraupe Material zugeliefert, oder gestreut, wenn die Ausladestellen glatt waren“, erzählt Haydn.

„Das ist nicht anders gegangen. Aber jetzt bin ich schon froh, dass es vorbei ist. Ich hab überhaupt keine Freizeit mehr gehabt. Meine Freunde haben mich schon besucht, um zu sehen, ob ich noch leb’“, lacht Haydn. Gab es Dank? „Nein, außer von der Herta“, sagt er leicht verwundert. Als ob er damit gar nicht rechnen würde.

Bau

Früher war Haydn als Bauarbeiter in ganz Österreich unterwegs, um Lawinenschutzbauten zu errichten. Bis es ihn heim auf den Jauerling zog.

Das Weltcuprennen war ein Abenteuer, das aber noch weiter geht: „Wir räumen immer noch Material weg. Am Samstag hatten die Skifahrer wenig Parkplätze, weil noch viel verstellt war. Beim nächsten Mal wird alles schon viel leichter. Und das Wetter kann nur besser werden“, lacht er.

„Es haben viele Enormes geleistet, aber den Lois muss man hervorheben“, sagt Herta Mikesch. „Ab dem Sommer war er in alle Vorbereitungen eingebunden. Immer hilfsbereit, geduldig, nie schlecht drauf“, betont sie.

Haydn fährt übrigens nicht Ski. Nur einmal im Jahr, jeweils zum Abschluss der Saison, rutscht er bei einem internen Nostalgie-Rennen über die eigene Piste ins Tal. Und im Sommer besucht er Liftbetreiber innerhalb von Österreich. Zum Fachsimpeln.

( Kurier ) Erstellt am 18.01.2012