Zentrale der Hypo NÖ in St. Pölten

© KURIER/Wolfgang Atzenhofer

Interview
06/15/2016

"Ja, der Name birgt eine Hypothek"

Hypo NÖ-Vorstand Günther Ritzberger über das Ende des Bargelds und die Zukunft der Bankberater.

von Matthias Hofer

Die Ausläufer des Bebens, das die Pleite der Kärntner Hypo mit sich brachte, sind für Österreichs Hypo-Landesbanken nach wie vor spürbar. Einer ihrer Vertreter ist Günther Ritzberger, Vorstand der Hypo NÖ Landesbank. Im Interview spricht er auch über die schwieriger werdende Rolle der Banken.

KURIER: Das Ende des 500-Euro-Scheins hat die Diskussion um Abschaffung des Bargelds wieder befeuert. Wie lange zahlen wir noch mit Bargeld?

Ritzberger: Ich glaube nicht, dass ich das Verschwinden des Bargelds noch erleben werde. Es gibt noch genügend Menschen, die mit Bargeld einfach besser zurechtkommen. Bei der kommenden Generation ist das Zahlungsmedium der Wahl vielleicht das Smartphone. Aber es wird immer Gelegenheiten geben, wo Bargeld das bevorzugte Zahlungsmittel ist. Ich denke etwa an Orte ohne Mobilnetzempfang.

Fast jede Bankstelle betreibt auch einen Bankomat. Wie stehen Sie zur Bankomatgebühr?

Damit beschäftigen wir uns gar nicht. Es kann dann zum Thema werden, wenn andere damit beginnen. Dann wird man nicht umhinkommen, nachzuziehen.

Die Banken haben ihre Kunden zunehmend zum Online-Banking erzogen. Die Filialen verlieren doch damit an Bedeutung.

Nein, das tun sie nicht. Das klassische Transaktionsgeschäft, wo ich in eine Filiale gehe, um Geld zu überweisen, ist heute schon unbedeutend. Allerdings gehen Leute trotzdem noch in eine Filiale, wenn sie sich über Anlageformen beraten lassen wollen. Da wird das Face-to-Face-Gespräch bevorzugt.

Das klingt ein bisschen nach dem Sozialbereich, wo ebenfalls die Meinung vorherrscht, dass es immer den Menschen als Arbeitskraft brauchen wird.

Lassen Sie es mich mit der Medizin vergleichen: Ich kenne zwar meine Symptome, aber ich gehe zum Arzt, um zu erfahren, was zu tun ist. Darum bin ich überzeugt, dass es in Zukunft noch Filialen und Berater geben wird.

Aber wie lange noch?

Für die nächsten zehn Jahre bin ich mir ziemlich sicher, dass dieses Szenario so existieren wird.

Wie viele klassische Privatkunden hat die Hypo NÖ derzeit?

Wir liegen derzeit bei rund 76.000 Privatkunden.

Und wie viele wollen Sie in den von Ihnen angesprochenen zehn Jahren haben?

Die 100.000 zu erreichen, wäre schön.

Aber wie wollen Sie in Zeiten der Direktbanken 24.000 Kunden dazugewinnen?

Wir müssen versuchen, so attraktiv wie möglich zu sein. Wir sind in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Es ist uns gegen den allgemeinen Trend gelungen, Spareinlagen einzusammeln. Im heurigen ersten Quartal konnten wir in diesem Bereich um elf Prozent an Geldsumme zulegen.

Stichwort sparen: Was raten Sie den Niederösterreichern, wie sollen sie ihr Geld anlegen?

Das Patentrezept gibt es nicht. Was es gibt, sind auf den jeweiligen Kunden zugeschnittene Angebote. Eine zentrale Frage ist, welchen Risikobegriff hat der Kunde. Für einen ist es nervlich kaum auszuhalten, wenn er ein Wertpapier hat, das im Kurs schwankt. Für den anderen beginnt Risiko beim Totalverlust des Kapitals. Wenn jemand sehr sicherheitsorientiert ist, würde ich zu einem Pfandbrief raten. Das ist ein Finanzinstrument, das noch niemals ausgefallen ist.

Zuletzt war zu hören, dass es in Österreich zu viele Banken gibt. Wie schaut die Zukunft der Hypo als Landesbank aus? Zuletzt stand eine Fusion mit dem Mutterkonzern, der Hypo NÖ Gruppe Bank AG, im Raum.

Wir sind eine mittelgroße Regionalbank und haben eine gewisse Beweglichkeit. Wir sind etwa der klassische Wohnbau- und Wohnraumfinanzierer. Da sehe ich auch weiterhin genügend Marktchancen für uns. Zur Fusion ist zu sagen, dass das Retailgeschäft (Privatkundengeschäft, Anm.) auch künftig sehr wohl seine Existenzberechtigung hat, weil es ein stabiles ist.

Ist bei einer Fusion eine Namensänderung angedacht? Der Begriff Hypo hat ja seit der Pleite in Kärnten einen deutlichen Beigeschmack.

Ja, Sie haben recht, der Name Hypo birgt eine Hypothek in sich. Wer aber bereits Kunde bei uns ist, weiß, dass die Hypo NÖ mit dieser gescheiterten Bank im Süden Österreichs nichts zu tun hat. Bei Neukunden tun wir uns mit unserem Namen etwas schwerer. Eine Fusion ist Teil von Überlegungen. Dass man aber über eine Namensänderung nachdenkt, wenn man immer mit dieser Bank aus dem Süden in einen Topf geworfen wird, ist durchaus legitim. Aber es gibt derzeit dazu keine Beschlüsse.

In der gesamten Hypo NÖ Group läuft ein "Fitnessprogramm" genannter Sparkurs. Was heißt das für die Bank?

Für uns heißt das in erster Linie, dass wir all unsere Ausgaben hinterfragen. Wir werden aber jetzt nicht anfangen, in Niederösterreich großflächig Filialen zu schließen. Es kann sein, dass wir Standorte ein wenig verkleinern. Wir schließen aber nicht aus, dass wir an neuen Standorten aufsperren.

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