© Johannes Weichhart

Chronik Niederösterreich
08/23/2021

"Im Stich gelassen": Raubopfer wartet seit 18 Jahren auf Gerechtigkeit

Johann Ruzicka wurden nach einem brutalen Tankstellen-Überfall 40.000 Euro zugesprochen zugesprochen. Geld floß aber keines.

von Johannes Weichhart

Johann Ruzicka aus Kaumberg im Bezirk Lilienfeld ist verbittert. Obwohl jener Vorfall, der sein komplettes Leben verändert hat, bereits 18 Jahre zurück ist, kann er damit noch immer nicht abschließen. „Niemand interessiert ist sich für mich, niemand interessiert sich für meinen Fall“, sagt er.

Es war am 23. April 2003, als der Tankstellen-Pächter in Baden in Niederösterreich überfallen wurde. Unbekannte waren in den Shop gestürmt, fesselten ihn mit Handschellen und drückten ihm einen Gegenstand gegen die Schläfe. „Kein Laut, sonst bist du tot“, sagte einer der Männer. Die Räuber traten gegen seinen Körper – und gegen seinen Kopf. Beute: 60 Euro.

Trauma

Die Täter konnten später geschnappt werden, ihnen wurde der Prozess gemacht. Auf dem Zivilrechtsweg bekam Ruzicka, der nach der brutalen Attacke nicht mehr weiterarbeiten konnte, weil er ein Trauma erlitten hatte, 40.000 Euro zugesprochen. Gesehen hat der heute 73-Jährige davon fast nichts. „Zwei Raten wurden bezahlt, dann war es aus“, erzählt der Niederösterreicher im KURIER-Gespräch.

Das Problem: Der Haupttäter, der bereits nach der Hälfte der Haftstrafe entlassen wurde, begann ein Studium und meldete in weiterer Folge Privatkonkurs an. Auch die Rechtsschutzversicherung, die jahrelang in der Causa aktiv war, lässt Ruzicka mittlerweile im Stich. „Mir wurde gesagt, dass mein Kontingent ausgeschöpft sei“, berichtet der 73-Jährige.

Das Raubopfer versuchte auch die Politik auf seinen Fall aufmerksam zu machen – vergebens. „Ich habe der Justizministerin bereits mehrmals geschrieben, es kam bisher kein Gesprächstermin zustande“, beklagt er sich. „Auch die anderen Parteien lassen mich im Stich.“

Der Pensionist ist sich sicher, dass er kein Einzelfall ist. „Wenn ich Mitstreiter finde, dann möchte ich mich an den Europäischen Gerichtshof wenden“, sagt er.

Schmerzengeld

Tatsächlich gibt es in Österreich die Möglichkeit, eine Pauschalentschädigung für Schmerzengeld zu erhalten. Diese kann von Verbrechensopfern beantragt werden, die eine schwere Körperverletzung erlitten haben. Doch auch das Verbrechensopfergesetz, das neu geregelt wurde, bringt Ruzicka nichts. Denn es gilt nur für Opfer von Verbrechen, die nach dem 31. Mai 2009 begangen wurden.

„Es muss mir doch jemand helfen können“, klagt der Niederösterreicher, der die Welt nicht mehr versteht.

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