Chronik | Niederösterreich
02.12.2014

Im Klammergriff des Eises

Feuerwehrleute, Straßendienste, ÖBB- und EVN Techniker im Dauereinsatz.

Straßensperren, geschlossene Schulen und Kindergärten, immer wieder Stromausfälle und vorerst keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil: Nach dem dramatischen Wochenende mit Hunderten Feuerwehreinsätzen wegen Eisregen und gefrierendem Nebel im Waldviertel nahmen am Montag die Niederschläge zu, außerdem kam Wind auf und die betroffene Fläche weitete sich vom südlichen Waldviertel deutlich aus. Bäume, die unter der Eislast brachen, blockierten Straßen und Bahnstrecken, zerstörten Elektroleitungen. Am Dienstag waren bereits 20 Pflichtschulen geschlossen, weil diese nicht gefahrlos erreicht werden konnten. Auch im nö. Wechselgebiet sowie an der Hohen Wand kam es zu großen Problemen.

Dauereinsatz

Besonders gefordert war die Feuerwehr von Kirchschlag, Bezirk Zwettl: "Seit Freitag sind wir praktisch pausenlos im Einsatz, haben mindestens 40 Einsätze erledigt", berichtet Kommandant Franz Walter.

"So etwas habe ich mit bald 50 Jahren noch nicht erlebt. Straßen sind versperrt, man kann nicht einmal zu Fuß gehen, weil es lebensgefährlich ist. Überall hört man das Krachen brechender Bäume", berichtet Petra Mayrhofer, Direktorin der Volksschule in Albrechtsberg, Bezirk Krems. Die ist seit Montag – wie viele weitere im Waldviertel – geschlossen. Die Dauer der Sperre hängt von der Wetterentwicklung ab.

Nonstop rackerten auch 300 Mitarbeiter des nö. Straßendienstes. Trotzdem waren am Dienstag bereits 50 Straßen gesperrt. Die Franz-Josefsbahn war Montag ab 4.15 Uhr zwischen Geras und Irnfritz für drei Stunden lahm gelegt, weil Äste auf der Oberleitung lagen. Zwischen 7.30 und 8.30 Uhr waren zwischen Limberg im Bezirk Hollabrunn und Eggenburg, Bezirk Horn, insgesamt sieben Warnblinkanlagen ausgefallen. Ein ÖBB-Mann, der ausrückte, um eine Kreuzung abzusichern, kam erst gar nicht durch, weil Bäume auf der Zufahrt lagen. "Deshalb hatte der Frühzug eine halbe Stunden Verspätung", sagt Christopher Seif von den ÖBB.

Alle verfügbaren EVN-Trupps, bis zu 120 Leute, kämpften den ganzen Montag um die Versorgung der Kunden im Wald- und Mostviertel. Montagmittag waren im Raum Zwettl, Groß Gerungs und Sallingstadt bis zu 2500 Haushalte ohne Strom. Im Mostviertel waren es im Raum Gresten und St. Leonhard/Wald, Bezirk Scheibbs, etwa 800 Haushalte. "Wir setzen ein Dutzend Notstromaggregate ein, um die Versorgung von Trafostationen aus wieder zu gewährleisten, und haben weitere aus anderen Landesteilen angefordert", sagte Stefan Zach von der EVN. Die oberirdisch verlaufenden Zuleitungen von Umspannwerken zu Trafostationen waren gefährdet. "Kaum haben unsere Leute einen Schaden behoben, kippt 200 Meter weiter ein neuer Baum auf die selbe Leitung. Manche Waldgebiete dürfen unsere Leute gar nicht mehr betreten, weil die Gefahr für sie zu groß ist", erläuterte Zach.