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"Der Weg zur Lehre ist genauso wertvoll, wie der Weg zur Matura"

Die Polytechnische Schule ist besser als ihr Ruf, findet Direktor Thomas Lederer. Der KURIER hat seine PTS in Horn besucht.
Zwei junge Burschen arbeiten mit Metall in einer Werkstatt und werden dabei von einem Lehrer beaufsichtigt.

Bei Polytechnischen Schulen, sagt Thomas Lederer, da denken viele an Notnagel, an die letzte Wahl, an einen Ort für die „schlechten Schüler“. Zu Unrecht, wie er findet. Und Lederer sollte es wissen, schließlich ist er selbst Direktor einer solchen Bildungseinrichtung in Horn. An diesem Montagnachmittag sitzt er in seinem Büro, hinter ihm der Lehrplan, vor ihm Computer, Stifte und Büroartikel.

Über seine Arbeit spricht Lederer gerne und wann immer sich die Gelegenheit bietet. Denn bis heute halten sich die Vorurteile hartnäckig. Auch der Direktor selbst hatte vor dem ersten Besuch an seinem heutigen Arbeitsplatz eine ernüchternde Erwartungshaltung: „Das ist dieses eine Jahr, das hinten dranhängt. Das muss man machen, damit alle Kinder zu ihrer Schulpflichterfüllung kommen.“ 

Er sei eines Besseren belehrt worden. Von einer Verlegenheitslösung könne seiner Meinung nach heute keine Rede mehr sein: „Der Weg zur Lehre ist genauso wertvoll wie der Weg zur Matura. Und der Weg zur Lehre beginnt in der PTS.“

Zwischenschritt zum Beruf

Entstanden sind die Polytechnischen Schulen in den 1960er–Jahren im Zuge der Verlängerung der Schulpflicht auf neun Jahre. Ursprünglich als Polytechnischer Lehrgang konzipiert, wurden sie in den 1990er–Jahren schrittweise neu ausgerichtet und schließlich als eigene Schulform etabliert. Die Bildungseinrichtung kann an eine allgemeinbildende Pflichtschule angeschlossen oder selbstständig organisiert sein - wie etwa in Horn.

Mann mit Brille und Bart sitzt lächelnd im Büro am Schreibtisch.

Lederer findet, dass PTS noch immer unterschätzt werden.

Das Schuljahr besteht laut Lederer im Wesentlichen aus zwei Teilen: der Berufsfindung und der Berufsvorbereitung. Insbesondere die ersten Wochen seien dafür gedacht, eine passende Richtung einzuschlagen und die getroffene Wahl zu prüfen - auch im Rahmen berufspraktischer Tage. Ob die Jugendlichen mit konkreten Berufswünschen kommen oder sich erst für eine Ausbildung entscheiden müssen, variiere von Jahrgang zu Jahrgang und von PTS zu PTS, so der Pädagoge.

Ein Blick in die Werkstätten

Das Herz der Schule befindet sich im Erdgeschoss, sagt Lederer, während er die Stufen hinuntersteigt. Was sich dort befindet, ist sofort zu riechen und zu hören: die Werkstätten, in denen Jugendliche erste Erfahrungen für die Lehre sammeln. Aus der Küche weht der Geruch von frisch gebackenen Kuchen und Frittierfett auf den Gang. Die Schülerinnen und Schüler des Tourismus-Schwerpunkts sind dabei, ihre Gerichte zu finalisieren.

Im Raum gegenüber steht Niko vor einer mit Kabeln, Steckklemmen und Schaltern überzogenen Wand. Eigentlich wollte er Elektriker werden und hat sich daher für die Elektrik–Werkstatt entschieden. Da es in seiner Nähe keine passende Lehrstelle gibt, fiel die Wahl nun auf eine Schlosser–Lehre. Die Vorbereitung für diese Ausbildung findet nebenan statt.

Dort kreischt der Winkelschleifer, zischt das Schweißgerät, schabt die Feile über Metall. „Der Fachbereich, wo man es gerne ein bisschen laut hat“, sagt Lederer. Wer hier steht, möchte mit Metall arbeiten. Wie Tobi: „Ich habe mich von Kind auf für den Beruf Mechaniker interessiert“, sagt er. 

Besonders das Thema Unabhängigkeit spricht aus Tobis Sicht für die Lehre: „Ich möchte eigentlich so früh wie möglich arbeiten, mein eigenes Geld verdienen.“

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Franziska schraubt an ihrem Werkstück.

Am Ende des Gangs bestreicht Franziska mehrere Holzstücke mit Öl. „Seit ich elf Jahre alt bin, hat mir das Arbeiten mit Holz richtig gefallen“, erzählt sie. Erste Erfahrungen mit dem Material hat Franziska beim Arbeiten mit ihrem Onkel gesammelt, der selbst Zimmerer ist. „Ich geh auch gerne in den Wald, schneide mit meinem Onkel Holz, zum Einheizen.“ Nach einem Jahr in der PTS sei sie sich sehr sicher, dass dieser Berufszweig der richtige ist.

„Ein wirklich guter Weg“

Neben Tourismus, Elektro, Metall und Holz werden die Schwerpunkte Bau, Handel und Büro sowie Gesundheit, Schönheit und Soziales angeboten. Die Fachbereiche können – etwa mit Blick auf die Berufseinstiegschancen in der Region – zwischen den Einrichtungen variieren.

Für die Zukunft hofft Lederer auf ein gesellschaftliches Umdenken: dass die Matura nicht der einzige Weg zu beruflichen Möglichkeiten ist, insbesondere mit Blick auf den Fachkräftemangel. „Die Lehre ist auch ein wirklich guter Weg und der gehört gleichgestellt.“ Niko, Tobi und Franziska sind davon längst überzeugt.

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