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Analyse
05/18/2020

Höbarts fliegender Wechsel: Strache zählte mehr als die FPÖ

Warum sich Christian Höbart in seiner Landespartei nicht mehr wohlfühlte und zum Team HC Strache überlief.

von Martin Gebhart

Als in der Vorwoche durchsickerte, dass Heinz-Christian Strache bei der Präsentation seiner neuen Bewegung "Team HC Strache – Allianz für Österreich" auch einen prominenten FPÖ-Mann aus Niederösterreich dabei haben wird, tippten die meisten Politbeobachter sofort auf Martin Huber. Der ehemalige Klubobmann der FPÖ im Landtag, den Bundesparteiobmann Norbert Hofer eine Woche vor der Nationalratswahl wegen eines Postings im Zusammenhang mit dem Hitler-Geburtstag suspendiert hatte, war zuletzt mehrmals mit Strache gesehen worden. Einmal tauchte der nun parteifreie Landtagsabgeordnete bei einer Raucher-Demo auf, ein anderes Mal saß er bei Straches Rede in der Prateralm in Wien in einer der vordersten Reihen.

Auf der Bühne des neuen Team Strache stand dann aber Christian Höbart aus Guntramsdorf im Bezirk Mödling. Dessen Promifaktor allerdings innerhalb der FPÖ zuletzt stark gesunken war. Wobei 2013 war das noch ganz anders gewesen. Nach der verlorenen Landtagswahl wurde Barbara Rosenkranz als Landesparteiobfrau abgesetzt und eine neue Führung installiert. Der nunmehrige Volksanwalt Walter Rosenkranz aus Krems wurde Landesparteiobmann, Christian Höbart sein geschäftsführender Landesparteiobmann. Bei dieser Neuaufstellung hatte Strache damals fest mitgemischt.

Österreichweit war Höbart zu diesem Zeitpunkt bereits wegen eines Postings auf Facebook bekannt und heftig kritisiert worden. Er hatte Asylwerber als "Erd- und Höhlenmenschen" bezeichnet. In seiner Partei schadete ihm das damals nicht. Der Nationalratsabgeordnete sah sich als enger Vertrauter von Strache. Und das dürfte auch gestimmt haben. Jedenfalls tauchte der ehemalige FPÖ-Bundesparteiobmann bei Wahlveranstaltungen von Höbart ganz besonders oft auf. Nach der Landtagswahl 2018 wurde sein Name kurz sogar als möglicher neuer Klubobmann im Landtag gehandelt.

Abwahl auf Parteitag

Zu diesem Zeitpunkt gärte es aber bereits in der Landespartei. Vor allem wegen Höbarts Umgang mit Parteimitgliedern. Beim Landesparteitag in Wiener Neustadt folgte schließlich eine drastische Abmahnung durch die Delegierten. Eine Streichorgie hatte zur Folge, dass Höbart aus allen Vorstandsfunktionen in der Landespartei fiel. Der nächste Schlag folgte dann bei der Nationalratswahl 2019. Höbart wurde von seiner Partei so schlecht gereiht, dass er es nicht mehr in das Parlament schaffte.

Dennoch war der Wechsel zu Strache für viele seiner ehemaligen Weggefährten in der FPÖ eine Überraschung, auch wenn die FPÖ-Führung in einer ersten Reaktion von "absehbar" geschrieben hat. Höbart hatte sich bis zuletzt als FPÖ-Gemeinderat und als Funktionär des Freiheitlichen Wirtschaftsverbandes engagiert. Eng verbunden mit dem Spitzenkandidaten für die Wirtschaftskammerwahl Reinhard Langthaler. Und er hatte im Namen der FPÖ viel gepostet. "Außerdem hätte ich erwartet, dass er trotz der Rückschläge genug Charakter hat, in der Partei zu bleiben", sagt ein ehemaliger Weggefährte zum KURIER. Es habe im Hintergrund immer wieder Gespräche mit ihm gegeben.

Höbart selbst sah und sieht sich von seiner Partei auf das "Abstellgleis" gestellt. Deswegen habe er das Angebot seines ehemaligen Parteifreundes Strache angenommen. Von der FPÖ wurde er jedenfalls sofort ausgeschlossen. In Guntramsdorf bleibt Höbart parteilos im Gemeinderat. Allerdings nur noch mit insgesamt drei Sitzen, der Rest seiner Liste ist bei der FPÖ geblieben. Dass Höbart noch viele weitere FPÖ-Funktionäre aus NÖ zu Strache lotsen wird, ist eher nicht anzunehmen. Auf der Gerüchtebörse wird da weiterhin nur Martin Huber als Kandidat gesehen. Mit dem Handikap, dass Höbart und Huber während ihrer Zeit in der FPÖ Gegner waren.