Landesparteitag der SPNÖ: Mit 86,27 % kann Hergovich sehr gut leben
Kein Parteichef wünscht sich einen internen Putsch. Außer dieser wird so ungeschickt durchgeführt, dass er innerhalb weniger Tage wieder zusammenbricht. Und damit die Position des Parteichefs festigt. Das durfte der niederösterreichische SPÖ-Landesparteivorsitzende Sven Hergovich in den vergangenen Wochen erleben.
Mit Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig als Galionsfigur an der Spitze wollte eine Gruppe in der Landes- und Bundespartei wenige Wochen vor dem Landesparteitag einen Wechsel an der Spitze einläuten. Das Ergebnis: Ulrike Königsberger-Ludwig musste zurückziehen, und Sven Hergovich wurde am Samstag beim Landesparteitag mit 86,27 Prozent der Delegiertenstimmen in seiner Funktion bestätigt.
Zusammenhalt gepredigt
Damit liegt Hergovich zwar um zehn Prozentpunkte hinter dem Ergebnis bei seinem ersten Antreten als Landesparteivorsitzender, aber 46 Streichungen sind verschmerzbar. Eine befürchtete Streichorgie ist ausgeblieben. Noch dazu hat seine kurzfristige Widersacherin Ulrike Königsberger-Ludwig als Stellvertreterin nur 83,88 Prozent erreicht (54 Streichungen). Und Bundesparteiobmann Andreas Babler, mit dem Hergovich keine wirkliche Parteifreundschaft verbindet, konnte beim Bundesparteitag als einziger Kandidat nur auf rund 81 Prozent verweisen.
Andreas Babler saß auch in der ersten Reihe, als Sven Hergovich bei seiner Rede die Gemeinsamkeit innerhalb der Partei in den Vordergrund stellte. Er sprach dabei niemanden direkt an. Seine Ansage war vielmehr: „Unser politischer Gegner ist nicht in den eigenen Reihen zu suchen.“ Der Zusammenhalt entscheide, ob man unschlagbar wird. Am Ende seiner Rede verließ Hergovich dann demonstrativ die Bühne, reichte Babler die Hand und holte ihn für den Applaus zum Rednerpult, gemeinsam mit Ministerin Korinna Schumann und seinem SPÖ-Team aus NÖ.
Besondere Regie
Das war der Höhepunkt der Zusammenhalts-Regie der Landespartei, in die auch Königsberger-Ludwig bei ihren Worten einstimmte und die den Parteitag bestimmte. Ein Funktionär zum KURIER: „Der Putschversuch ist zum Turbo für Sven Hergovich geworden.“ Dazu gingen gleich mehrere Funktionäre wie der Wiener Neustädter Vizebürgermeister und Landtagsabgeordnete Rainer Spenger und der Pensionistenvorsitzende Rupert Dworak auf die Bühne, um für Hergovich die Werbetrommel zu rühren. Die Kritik an ihm, die vor allem 2025 mit seinen Avancen für ein Ministeramt in Wien aufgekommen war, wurde beim Parteitag nicht mehr zum Thema.
In seiner Rede ging Hergovich in erster Linie auf den Gesundheitspakt im Land ein. Er beharrte auf der Forderung, dass die Notarztstützpunkte erhalten bleiben müssen. Mit dem zynischen Nebensatz: „Darf man in Zukunft nur noch vor einem Landesklinikum einen Unfall haben, um rasch versorgt zu werden.“ Dazu wurde am Parteitag auch ein Dringlichkeitsantrag abgesegnet.
Kritik an der ÖVP und an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner kam von Hergovich vor allem in Zusammenhang mit der Gesundheitspolitik. Mit der FPÖ hingegen setzte er sich genauer auseinander. Diese Partei sei wie ein Geist. „Man spürt unheimliche Präsenz, sieht aber nie jemanden arbeiten.“
Auftritt von Marterbauer
Nach der Stimmabgabe der Delegierten tauchte auch SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer auf der Bühne auf. Er hatte am Vormittag noch Budgetverhandlungen geführt und war dann dazugestoßen. Gemeinsam mit Babler und Schumann wurde er von der Schwechater Bürgermeisterin Karin Baier interviewt. Er verwies darauf, dass die SPÖ mit dem Sanieren des Budgets ihre Wirtschaftskompetenz unter Beweis gestellt habe. Babler kündigte an, dass nun frische Gelder für den Wohnbau freigegeben werden. Und er erklärte noch einmal, warum man in die Dreierkoalition eingestiegen sei: Um Kickl zu verhindern. „Ich mache alles, um der Republik einen rechtsextremen Kanzler zu ersparen.“ Dafür erhielt er den meisten Applaus.
Kommentare