Babenbergerring: Der Wegbereiter des Gymnasiums wird 85
„Am 28. Juni werde ich 85 Jahre alt. Ich wusste daher schon als Schüler, dass der Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo am 28. Juni 1914 ermordet wurde“, sagt Hans Hagenhofer, der genau 27 Jahre nach diesen Geschehnissen geboren wurde.
Vielleicht ist diese historische Tangente auch der Grund dafür, dass Hagenhofer später Geschichte studiert und in dem Fach auch promoviert hat. Die Geschichte – besonders die seiner Heimatregion Bucklige Welt – lässt ihn bis heute nicht los. Davon zeugen Schriften und Bücher, die er in den vergangenen Jahrzehnten verfasst hat.
Eigentlich war Hagenhofers Weg so nicht vorgezeichnet. Seine Mutter stammte aus einer wohlhabenden Familie, verliebte sich aber in einen arbeitslosen Hilfsarbeiter, der aus Sicht des Großvaters nicht standesgemäß war. Trotzdem heiratete die Mutter Hagenhofers Vater im Jahr 1935. Fortan war es mit der Unterstützung der Familie vorbei. 1942 wurde der Vater zum Militär eingezogen, ein Jahr später kam er ein letztes Mal nach Hause, später kam die Nachricht, er sei vermisst.
Mehr als 20 Jahre lang Direktor
„Meine Mutter hat uns vier Geschwister mit zwei Hektar Ackerland, die ihr der Großvater vermacht hat, durchgebracht.“ Hagenhofers Lehrerin Margareta Fuchs war das große Glück des Kleinhäusler-Kindes, erkannte sie doch die große Begabung des Buben. Und so landete der kleine Hans am Gymnasium, das ihn nicht mehr loslassen sollte. 1968 wurde er an „seiner“ Schule, dem Bundesgymnasium Babenbergerring in Wiener Neustadt, erst Lehrer für Geschichte und Geografie, 1982 avancierte er zum Direktor. Und blieb das bis zur Pensionierung im Jahr 2003.
Neue Wege
Neue Wege zu beschreiten war in Hagenhofers gesamter Karriere ein Grundprinzip. Als Direktor knüpfte er Verbindungen zur Wirtschaft, um Geld für Projekte zu lukrieren. 1989 lancierte Hagenhofer am Gymnasium den Schulversuch „Informatik“; er hatte erkannt, dass das Fach künftig eine Kernkompetenz werden würde.
Zeitzeugen-Interviews2004 initiierte er Interviews mit Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges. Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen sollten sie führen. Die Lehrer hätten das erst nicht gewollt, derlei interessiere die Schüler nicht. Das Gegenteil war der Fall, Schüler, Zeitzeugen und letztlich auch Lehrer waren begeistert.
"Politische Nachbesetzung verhindern"
Auch bei seiner Nachfolge als Direktor wählte Hagenhofer einen ungewöhnlichen Weg. „Ich wollte eine politische Nachbesetzung verhindern, also setzte ich ein Publikumshearing der besten Kandidatinnen und Kandidaten an, aus dem meine Wunschnachfolgerin mit Abstand als Beste hervorging.“
Um seine oft außergewöhnlichen Ideen umsetzen zu können, knüpfte Hagenhofer über die Jahre viele Verbindungen: zu Wirtschaft, Politik und auch zu Künstlern. Für eine Veranstaltung in der Synagoge Kobersdorf im Jahr 2022 konnte er die Schauspieler Wolfgang Bachofner und Maria Hofstätter als Mitwirkende gewinnen. Erwin Pröll nennt er seit Langem seinen „Du-Freund“. Die Parteizugehörigkeit hat dabei nie eine Rolle gespielt: Hagenhofer saß für die SPÖ 40 Jahre lang im Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Hochwolkersdorf.
Dem Ort übrigens, an dem am 4. April 1945 die Sowjets mit Karl Renner über die Zukunft Österreichs verhandelten. Ein Faktum, das für den Historiker zu wenig bekannt war, weshalb er 1981 im Gemeindeamt einen Gedenkraum eingerichtet hat.
Auch, dass die Juden aus der Buckligen Welt 1938 verschwunden sind, hat dem Geschichtsfreak keine Ruhe gelassen. 2019 erschien sein Buch „Eine versunkene Welt“ über jüdisches Leben. Ein Jahr später legte er mit „Halterbub und Hofrat“ ein Werk über sein eigenes Leben vor. Möge es noch lange dauern.
Um seine oft außergewöhnlichen Ideen umsetzen zu können, knüpfte Hagenhofer über die Jahre viele Verbindungen: zu Wirtschaft, Politik und auch zu Künstlern. Für eine Veranstaltung in der Synagoge Kobersdorf im Jahr 2022 konnte er die Schauspieler Wolfgang Bachofner und Maria Hofstätter als Mitwirkende gewinnen. Erwin Pröll nennt er seit Langem seinen „Du-Freund“. Die Parteizugehörigkeit hat dabei nie eine Rolle gespielt: Hagenhofer saß für die SPÖ 40 Jahre lang im Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Hochwolkersdorf.
„Eine versunkene Welt“
Dem Ort übrigens, an dem am 4. April 1945 die Sowjets mit Karl Renner über die Zukunft Österreichs verhandelten. Ein Faktum, das für den Historiker zu wenig bekannt war, weshalb er 1981 im Gemeindeamt einen Gedenkraum eingerichtet hat. Auch, dass die Juden aus der Buckligen Welt 1938 verschwunden sind, hat dem Geschichtsfreak keine Ruhe gelassen. 2019 erschien sein Buch „Eine versunkene Welt“ über jüdisches Leben. Ein Jahr später legte er mit „Halterbub und Hofrat“ ein Werk über sein eigenes Leben vor. Möge es noch lange dauern.
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