Chronik | Niederösterreich
29.12.2011

Hafner fand eine halbe Million Jahre alte Menschenspuren

Haidershofen – „Eigentlich habe ich die Spuren der ersten Mostviertler gefunden.“ Der Hobbyarchäologe Franz Mitterhuber aus Haidershofen, Bezirk Amstetten, hat mit Geduld, Glück und geschultem Auge der europäischen Wissenschaft eine neue Sensation verschafft. Wie berichtet, fand der 54-jährige im Vorjahr prähistorische Steine. Die Keile mit scharfkantigen Abschlägen waren zwar als Werkzeuge erkennbar, doch deren Alter ließ Mitterhuber von Experten untersuchen.

Die sieben Artefakte stellten sich mit einem Alter von rund 500.000 Jahren als Sensation heraus. Im Zuge des Aushubs einer Straße bei Haidershofen hatte dem gelernten Hafner sein besonderer Blick für steinerne Schätze wieder einmal alle Ehre gemacht. Schon im Vorjahr machte er Schlagzeilen, als er bei Ernsthofen eine Freilandstation der Neandertaler fand. „Solche Stücke erkennt man nicht sofort. Als dann mehrere Artefakte an der Stelle aufgetaucht sind, war mir klar, dass die Steine keine zufällige Form haben“, erzählt Mitterhuber.

Erst die von ihm zu Rate gezogenen Experten, der auch bei der Analyse des Ötzi aktive Geoarchäologe Alexander Birnsteiner und der Linzer Chefarchäologe Erwin Ruprechtsberger konnten die Einmaligkeit der gefundenen Steine kundtun. Mitterhuber hatte bislang im Alpenraum noch nie gefundene Spuren des Homo erectus, des Vorfahren des Neandertalers, gefunden.

Der bescheidene Hobby-Forscher macht sich aber keine Illusionen. So berühmt wie die Venus von Willendorf oder der Eiszeitmann Ötzi werden seine Faustkeile nicht werden. Doch er und der Haidershofner Bürgermeister Manfred Schimpl sind sich einig: „Es wird eine Ausstellung über diese und andere Fundstücke in Haidershofen geben.“