Chronik | Niederösterreich
19.07.2018

Günstige Hundewelpen litten an tödlichem Virus

Prozess: Zumindest zehn Tiere, die ein Händler verkauft hatte, starben. Dennoch Freispruch.

Zwei Tage lang war Labrador-Welpe Emma bei seiner neuen Familie im Weinviertel. Dann hörte er auf zu fressen, erbrach sich und litt an Durchfall. Zwei Tage später musste das Hundemädchen eingeschläfert werden. Der Tierarzt diagnostizierte Parvovirose, eine hochansteckende Viruserkrankung.

So wie Emma erging es zumindest neun weiteren Hunden, die ein tschechischer Welpenhändler an Österreicher verkauft hatte. So viele Fälle listet am Donnerstag zumindest der Staatsanwalt im Landesgericht Korneuburg auf, der dem 64-Jährigen schweren gewerbsmäßigen Betrug vorwarf. Übrig blieb davon allerdings nichts. Der Mann wurde freigesprochen. Hauptgrund dafür: Sämtliche Tathandlungen wurden nicht in Österreich, sondern in Tschechien gesetzt.

Seriöser Eindruck

Dabei machte der Welpenhändler auf den ersten Blick einen seriösen Eindruck. Er betrieb eine österreichische Homepage, auch die angegebene Handynummer stammte aus Österreich. „Ich habe dort angerufen – am Telefon war aber nur der angebliche Schwiegersohn von Herrn Z.“, schilderte eine Hundekäuferin. Sie hatte sich in einen Labradorwelpen verschaut, den Herr Z. im Internet um 350 Euro angeboten hatte.

Den Hund, erklärte man ihr, müsse sie in Tschechien abholen. Dort fand auch die Geldübergabe statt. Wenig später wurde er krank, trotz intensiver Behandlung in einer Tierklinik starb er. Als die Frau den Schwiegersohn von Herrn Z. darüber informierte, habe sich dieser sehr bestürzt geäußert. „Aber dann war er nicht mehr für mich erreichbar.“

Der Welpenhändler gibt sich zerknirscht. „Seit meinem zehnten Lebensjahr arbeite ich mit Hunden. Ich habe selber drei, sie sind richtige Familienmitglieder. Das tut mir schrecklich leid.“

Impfung unklar

Ob die Welpen überhaupt geimpft waren, ist unklar. Zwar händigte man den Käufern einen EU-Impfpass mit entsprechender Eintragung aus. Doch „lege artis“ wurde der nicht ausgestellt. Der tschechische Tierarzt kletzelte die Impf-Etiketten aus dem tschechischen Impfpass und klebte sie im neuen wieder ein.

Und selbst wenn: Es lässt sich nicht ausschließen, dass der Impfschutz einfach nicht gewirkt hat. „Wenn der Welpe zu früh von der Mutter wegkommt und Stress durch eine neue Umgebung hat, greift der Impfstoff nicht“, wie ein österreichischer Tierarzt bestätigt. Ob die Hunde alt genug waren, um vermittelt werden zu dürfen, lässt sich nicht mehr feststellen.

Der Tierschutzverein Vier Pfoten warnt vor den Billig-Angeboten im Internet. „Ein Zuchthund kostet ab 800 Euro aufwärts. Seriöse österreichische Züchter sind in eine Liste eingetragen.“