Polizist verteilt gegen Bares Ein- und Ausreisestempel auf dem Flughafen Schwechat, Angeklagter Goran Strezoski, Rechtsanwalt Erich Gemeiner

© Michaela Reibenwein

Prozess
07/10/2013

Grenzpolizist verteilte gegen Bares Stempel

40-Jähriger fasst zwei Jahre Haft aus. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

von Michaela Reibenwein

Er nahm sich die Arbeit quasi mit nach Hause: Ein 40-jähriger Beamter der Grenzpolizei auf dem Flughafen Schwechat stempelte auch in der Freizeit. 73-mal hat er laut Staatsanwaltschaft serbischen Landsleuten einen Einreise- oder Ausreisestempel in den Pass verpasst. Gegen Bares.

Denn Ausländer ohne Aufenthaltstitel müssen nach drei Monaten das Land verlassen – und dürften erst nach weiteren drei Monaten wieder einreisen. Das ersparten sich die Landsleute. Am Mittwoch wurde im Landesgericht Korneuburg abgerechnet: Der – seit Februar suspendierte – Polizist kassierte zwei Jahre unbedingte Haft (rechtskräftig). Sechs weitere Angeklagte, die ihm die Landsleute vermittelten, kamen mit bedingten Strafen zwischen acht und 20 Monaten aus – ebenfalls rechtskräftig.

„Ich hatte Schulden“, erklärt der Angeklagte mit serbischen Wurzeln. Der Schwiegervater hätte ihn auf die Idee gebracht und ihm Kunden vermittelt. Die kamen mit einem Spickzettel im Pass vorbei. Darauf stand – je nach Begehr – Einreise oder Ausreise. „Ich habe das Wenigste bekommen. 100 bis 150 Euro pro Stempel.“ Den Rest – bezahlt wurden bis zu 850 Euro – hätten die Vermittler eingestreift. 6000 Euro dürften für den Polizisten übrig geblieben sein.

Prostituierte

„Aber damit haben Sie keine Schulden gezahlt. Hotelzimmer und bestellte Damen dürften auch 4000 Euro gekostet haben“, zweifelt Richter Helmut Neumar. „Die waren für einen bosnischen Bekannten, der kein Deutsch kann“, behauptet der Angeklagte.

Von Juni 2012 bis Februar 2013 verteilte der Beamte Stempel. Dann wanderte er in U-Haft. In Haft bleibt er. „Sie haben Ihre Beamtenstelle missbraucht. Das ist keine Kleinigkeit, dafür geht man ins Gefängnis“, sagt der Richter.

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