Breitere Wege, großer Ärger: Streit im "Paradies" in NÖ eskaliert
Causa Badesiedlung beschäftigt bald wieder den Gemeinderat.
Die Bewohner nennen es ihr „kleines Paradies“, wo sie Ruhe und Erholung finden wollen. Die Badesiedlung Greifenstein-Altenberg in der Gemeinde St. Andrä-Wördern, Bezirk Tulln, ist zudem ein Ort mit Geschichte. In den 1920er-Jahren entstand diese Siedlung am rechten Donauufer; heute sind viele der Häuschen, die einst als Badehütten dienten, ganzjährig bewohnt.
Nun droht jedoch Ungemach im Paradies – es geht um die kleinen, drei bis vier Meter breiten Wege, die durch die Badesiedlung führen.
„Massiver Widerstand“
Die Gemeinde will eine flächendeckende Verbreiterung aller Wege auf bis zu sechs Meter im örtlichen Raumordnungsprogramm verankern. „Dieses Projekt wurde bereits Anfang der 2000er-Jahre angedacht, damals aber wieder verworfen, weil sich massiver Widerstand regte. Jetzt wird es von der Gemeindeführung wieder aus der Schublade geholt“, zeigt sich Alexander Klauser empört.
In St. Andrä-Wördern wird demonstriert.
Der Rechtsanwalt ist Obmann eines Vereins, der die Straßenverbreiterung bekämpft. Die Gegner gingen bereits auf die Straße, rund 1.500 Menschen unterschrieben eine Online-Petition. „Durch die Maßnahme würde das Ortsbild zerstört, es droht der Abbruch von Zäunen und Hecken, zudem besteht Gefahr für Fußgänger, Radfahrer und Kinder durch den schnelleren Autoverkehr“, so Klauser.
Aufgeheizte Stimmung
Bürgermeisterin Susanna Kittinger (ÖVP) versucht unterdessen, aufzuklären. Am Donnerstag fand zu der Causa eine Infoveranstaltung statt. „Leider war die Stimmung sehr aufgeheizt, obwohl überhaupt nur 38 Prozent der Grundstücke betroffen wären“, berichtet die Gemeindechefin. Es bestehe Unsicherheit darüber, ob gepachtete Flächen nach einer Umwidmung weiterhin wie bisher genutzt werden dürfen.
Kittinger verweist darauf, dass den Pächtern angeboten werde, die Flächen auch künftig gemäß den gesetzlichen Bestimmungen weiter zu nutzen. An den baurechtlichen Rahmenbedingungen ändere sich vorerst nichts. Dieser Vorschlag sei jedoch von Teilen der Bevölkerung nicht als ausreichende Lösung wahrgenommen worden.
Rechtssicherheit soll geschaffen werden
Betont wird weiters, dass die geplanten Widmungen langfristig gedacht sind. Ziel sei es, Flächen vorsorglich zu sichern, um bei Bedarf künftig Infrastrukturmaßnahmen wie Geh- und Radwege, Beleuchtung oder Straßen umsetzen zu können. Gleichzeitig wird klargestellt, dass auf den betroffenen Pachtflächen weder nachträgliche Baubewilligungen noch Verkäufe vorgesehen sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der Schaffung von Rechtssicherheit, so die Politikerin: „Grundstücksgrenzen sollen künftig auch digital eindeutig nachvollziehbar sein. Das ist derzeit aufgrund der tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort oft nicht der Fall.“
Kommende Woche könnte es bei der Gemeinderatssitzung zu diesem Thema zum Showdown kommen. „Wir werden wieder protestieren“, kündigt Klauser an.
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