Chronik | Niederösterreich
02.03.2018

Göstling feiert die nächste Medaillenjägerin

Die 20-jährige Katharina Gallhuber ist mit ihrer Bronze- und Silbermedaille in die Fußstapfen ihres Vorbilds Kathrin Zettel getreten.

KURIER: Sie kommen aus Göstling an der Ybbs, ein Ort, der bereits die beiden Ski-Stars Thomas Sykora und Kathrin Zettel hervorgebracht hat. Warum kommen aus Göstling regelmäßig solche Top-Athleten?

Katharina Gallhuber: Ich glaube, das liegt vor allem an der guten Nachwuchsarbeit in unserem Skiklub SC Göstling. Die Kinder werden mit Spaß an den Sport herangeführt und bauen deswegen eine emotionale Verbindung auf. Daraus entsteht die Leidenschaft, die man braucht, damit man professioneller Skisportler wird. Außerdem bekommt man bereits in jungen Tagen ein paar Fähigkeiten mit, die man später gut brauchen kann. Wir sind zum Beispiel durch Waldwege gefahren. Da muss man teils engere Schwünge fahren, als man sie beim Slalom braucht.

Hat Ihnen der Legendenstatus von Sykora und Zettel Extra-Motivation gegeben?

An Thomas Sykora kann ich mich persönlich nicht mehr gut erinnern, aber Kathrin Zettel war natürlich mein großes Vorbild, an ihr hab ich mich immer orientiert.

Zettel beendete ihre Karriere überraschend. Sie waren danach die nächste in der Rangfolge. Lastete deshalb auch ein gewisser Druck auf Ihren Schultern?

Mir war klar, dass ich nach Zettel die nächste bin. Den Druck macht man sich aber irgendwie selbst. Kathrin war früher als ich im Weltcup und hat auch früher bessere Plätze eingefahren. Das gute ist, dass ich vonseiten des SC Göstling nie Erfolgsdruck auferlegt bekommen habe. Mich hat nie jemand gefragt "Wann ist es endlich so weit?" oder "Wann gewinnst du endlich?". Man hat mir in der Heimat die Zeit gegeben, die ich brauchte.

Im Weltcup sind Sie noch nie auf dem Podest gestanden. Bei Ihren ersten Olympischen Spielen holten Sie die Bronzemedaille. Was ging in Ihnen am Renntag vor?

Ich bin am Leaderboard (Anzeigetafel mit den Zwischenergebnissen des laufenden Rennens, Anm.) ganz oben gestanden und wusste, dass ich einen guten Lauf hatte. Als dann aber Mikaela Shiffrin an der Reihe war, dachte ich mir schon, dass ich gleich nicht mehr Erste bin. Und dann war sie plötzlich hinter mir. Da hab ich mich das erste Mal gefragt, ob ich träume. Als dann aber auch Anna Swenn-Larsson hinter mir war und ich somit den dritten Platz fix hatte, habe ich mich zu unserem Pressesprecher umgedreht und gesagt: "Das stimmt jetzt aber nicht, oder?". Und dann bin ich da gestanden und hab die Bronzemedaille umgehängt bekommen. Es war alles wie ein Traum.

Hinzu kam auch noch Silber mit dem Team. Welche Medaille hängt denn angenehmer um den Hals?

(lacht) Sie sind auf jeden Fall beide sehr schwer. Natürlich sind wir Einzelsportler und die Bronze-Medaille habe ich mir wirklich allein erarbeitet. Aber Silber mit dem Team ist ebenfalls toll, weil es für mich eine ganz neue Situation war. Ich bin noch nie im Teambewerb gestartet und es ist schön, wenn man sich mit dem Team mitfreuen darf, denn das verdoppelt alles.

Welche Ziele haben Sie noch bis zum Ende der Saison?

Ich habe gesehen, dass ich vorne mitfahren kann, will mir aber keinen Druck machen. Ich muss nicht gleich wieder aufs Podest fahren, aber mir ist klar, dass die Erwartungshaltung mir gegenüber jetzt natürlich sehr groß ist. Mein Ziel ist, dass ich alles gebe, was in mir steckt.

Skistars aus dem Mostviertel

Der SC Göstling-Hochkar bringt immer wieder Top-Sportler hervor

Die 2000-Einwohner-Gemeinde Göstling an der Ybbs, Bezirk Scheibbs, ist in Niederösterreich wohl die Gemeinde mit der höchsten Olympiamedaillen-Anzahl pro Einwohner. Der heimische Skiklub bot die Basis für Thomas Sykora und Kathrin Zettel und ist immer noch verantwortlich für die Top-Athleten von morgen. Robert Fahrnberger, Obmann des SC, kennt die Gründe: „Wir haben am Hochkar ein perfektes Trainingsumfeld. Das beginnt bei den zahlreichen Trainern über die Bedingungen im Skigebiet, bis hin zur guten Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen.“ Von dort kommen immer wieder „Eigengewächse“ wie Katharina Gallhuber hervor. Fahrnberger weiß aber, dass es auch ohne Eltern nicht geht: „Der Klub kann noch so gut sein, wenn das Engagement der Eltern nicht vorhanden ist, dann werden es die Kinder nicht schaffen.“

Nah an den Stars

Neben Gallhuber ist auch Christoph Krenn bereits im Weltcup aktiv. Johannes Aujesky startet aktuell noch im Europacup im Ski Cross. Alle drei, wie auch schon Sykora und Zettel zuvor, trainieren regelmäßig am Hochkar. „Diese Trainings sehen die Kinder natürlich und merken, dass sie es auch soweit schaffen können, wenn sie hart arbeiten“, erklärt der Obmann.

Die Nähe zu den Pisten ist es auch, die Göstling zu einer Art „Insel der Seeligen“ macht. Denn über fehlenden Nachwuchs kann sich Fahrnberger nicht beschweren: „Einen Mangel an Kindern, die sich für den Skisport interessieren haben wir nicht. Natürlich hat es immer mit den familiären Umständen zu tun, aber da wären wir wieder beim Engagement der Eltern.“

Auch die Gemeinde Göstling ist froh über den Skiklub. Bürgermeister Friedrich Fahrnberger, er ist der Bruder des SC-Obmanns, freut sich mit Gallhuber: „Katharina ist unbelastet nach Südkorea gefahren. Ein Platz unter den besten zehn wäre ein Hit gewesen. Dass sie dann mit zwei Medaillen nach Hause kommt, ist eine Riesen-Überraschung und freut uns natürlich sehr. Das ist super Werbung für unser Skigebiet.“Kevin kada